Die Polizei erklärt, was es mit dem Karomuster am Bahnhof und an der Augustenstraße auf sich hat

Nicht blindlings über die Straße rennen

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Weiß-graue Quadrate sollen am Bahnhof für Aufmerksamkeit bei den Autofahrern sorgen. Eine rechtliche Bedeutung – wie ein Zebrastreifen – haben sie allerdings nicht.

Füssen – Ein neumodischer Zebrastreifen oder vielleicht doch ein öffentliches Schachbrett?

An den Flächen im Schachbrettdesign, die es seit einigen Wochen am Bahnhof und in der Augustenstraße gibt, scheiden sich die Geister. So wurde auch in Sozialen Netzwerken heiß darüber diskutiert, wie man sich hier richtig zu verhalten hat. „Was hat das Karomuster bitte zu bedeuten? Kann mir das jemand sagen“, wollte eine Bürgerin wissen. „Dann setzen wir uns hin und spielen ne Runde“, verabredeten sich andere augenzwinkernd zum Schach. 

Was es mit den Quadraten in weiß und grau aber tatsächlich auf sich hat, dem ist jetzt der Kreisbote nachgegangen. Vor einiger Zeit hatte sich der Stadtrat mehrheitlich für das Schachbrettmuster ausgesprochen. Initiator dafür war nach Angaben der Stadtverwaltung Stadtrat Dr. Martin Metzger (BfF), der für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss jedoch nicht zu erreichen war. 

Die örtliche Verkehrsbehörde selbst wollte dieses Thema auf Nachfrage unserer Zeitung weder kommentieren noch einschätzen. Nur so viel: Bei dem Schachbrettmuster handelt es sich um sogenannte Aufmerksamkeitsflächen. Bedeutet: Der Autofahrer soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich hier etwas auf der Straße befinden kann, das sonst andere Wege benutzt.

Und für Fußgänger ist es ein Signal, dass sie dort die Straße queren sollen. Denn gerade über die Augustenstraße am Luitpoldpark-Hotel und die Rupprechtstraße am Bahnhof gehen „ziemlich viele Fußgänger“, sagte Thomas Meiler von der Polizei Füssen. 

Rein rechtlich haben diese Flächen allerdings keine Bedeutung. „Das ist ein Stück Farbe auf der Straße“, so Meiler. Und das ist auch schon der große Unterschied zum Zebrastreifen. Denn dort hat der Fußgänger Vorrang, wie Meiler informierte. „Autofahrer müssen halten.“

Tun sie das nicht, rasen auf den Zebrastreifen zu oder überholen dort, können sie bestraft werden. So steht es in der Straßenverkehrs-Ordnung. Passiert ein Unfall dagegen an einer Aufmerksamkeitsfläche, wie beim Schachbrettmuster am Bahnhof, würde den Fußgänger „eine Mitschuld treffen“, sagte Meiler. „Er muss dort auch aufpassen.“ Denn diese Aufmerksamkeitsflächen „gibt es in der Straßenverkehrs-Ordnung nicht“, so der Polizist. 

Einzigartiges Füssen

Überhaupt wurde mit dem Schachbrett-Design in Füssen ganz neue Wege bestritten. Denn „das gibt es sonst – im ganzen Präsidiumsbereich – nicht“, erklärte Meiler. Deshalb könne er das auch nicht bewerten. 

Wenn aber kaum jemand diese Flächen kennt, machen sie die Verkehrslage dann nicht gefährlicher? Auch dazu konnte Meiler nichts konkretes sagen. „Noch ist alles gut gegangen“, so der Polizist. „Es ist noch nichts passiert.“ Aber: „Es ist vorher auch nicht viel passiert.“ Für die Zukunft wünscht sich Thomas Meiler aber eines: Dass bei der Füssener Bevölkerung irgendwann ankommt, dass diese Flächen „keinerlei rechtliche Bedeutung“ haben.

Katharina Knoll

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