Füssener Jugendbeirat spricht über Raumnot und personelle Engpässe in den Kindergärten

"Rums voll bis unters Dach"

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„An manchen Tagen nur fünf, an anderen bis zu 50 Jugendliche kommen zu uns ins Jufo“, erläutert Diplom-Sozialpädagoge Stefan Splitgerber (Mitte) bei der Führung der Füssener Beiratsmitglieder durchs Haus.

Füssen – Raumnot und personelle Engpässe: Mit diesen Problemen haben die Kindergärten in Füssen zu kämpfen. Denn die Einwohnerzahl der Lechstadt steigt.

Und entgegen weit verbreiteter Meinung sind die vielen „Zugereisten“ nicht alle hoch betagt. Auch zahlreiche junge Familien zieht es, oft aus beruflichen Gründen, hierher: eine erfreuliche Tatsache, wie die 16 Versammelten in der jüngsten Sitzung des Füssener Jugendbeirats unter Leitung von Stadtrat Wolfgang Bader (SPD) im Jugendtreff (Jufo)unterstrichen.

Von den leitenden Erzieherinnen war zu hören, was Barbara Henle vom katholischen Kindergarten St. Gabriel deutlich aussprach: Die Plätze sind „rums voll bis unters Dach“. 

Freie Krippenplätze hingegen gibt es derzeit tatsächlich. Für die professionelle Betreuung fehle aber Personal. „Wir sind auf der Suche “, machte die „Schatztruhen“-Leiterin Patrizia Geiger von der AWO deutlich, dass sich an der Situation etwas ändern müsse. 

Ein zusätzliches familiäres Problem sprach Oberstabsfeldwebel Frank Michael an. Wie der Leiter des Familienbetreuungszentrums Füssen, Landeskommando Bayern, erklärte, sei es eine Schwierigkeit für Mütter, deren Männer im Auslandseinsatz sind, geeignete Betreuung für Notfälle zu organisieren. 

Bei den neu Zugezogenen fehle das soziale Umfeld, um eine private Lösung zu finden, war sich die Runde einig. Allerdings gehe es nicht allein um die etwa 150 Bundeswehr-Kinder. „Ein vergleichbares Problem kennen wir von den Blaulichtorganisationen“, sagte Uschi Lax (CSU). 

Die Stadträtin und stellvertretende Kreistagspräsidentin betonte einmal mehr, dass es nötig sei, die Themen Fachpersonal-Gewinnung im erzieherischen Bereich und Springereinsätze für Familien mit kleinen Kindern aufzugreifen. 

Eröffnung im Frühjahr

Um persönlich schnelle Lösungen zu finden, kam der Vorschlag, Kontakte zu angehenden Erzieherinnen im Studium herzustellen, die hier aushelfen könnten. Ein Aushang am Schwarzen Brett in Kindergärten und Schulen sei einen Versuch wert, Abhilfe zu schaffen. 

Markus Gmeiner aus der Stadtverwaltung, zuständig für Jugend und Sport, wies darauf hin, dass eine „gute Zwischenlösung“ auf dem Weg gebracht worden sei, bis in Füssen der Kindergartenneubau in AWO-Trägerschaft eröffnet werden könne. Es sei, so Gmeiner, davon auszugehen, „dass die Kinderzahlen in den nächsten zweieinhalb Jahren nicht noch weiter steigen werden“.

Angesprochen wurde der Vorschlag einer Familie, in Hopfen beim Strandbad einen zusätzlichen Kinderspielplatz zu bauen. Der Jugendbeirat beschloss, sich vor Ort ein Bild zu machen. Beschlossene Sache ist dagegen der Spielplatz „Baumgarten“. Die Eröffnung sei im nächsten Frühjahr zu erwarten, sagte Lax. Einige andere Themenfelder kamen ebenfalls zur Sprache. 

Bereits am Laufen, freute sich Bader, sei das Online-Beteiligungsportal für Jugendliche.Wie der Jugendbeiratsvorsitzende gemeinsam mit Gmeiner unterstrich, engagieren sich die Vereine FC Füssen, Royal Bavarians und die Initiative Skate-Park vorbildlich nicht nur für ihre jeweiligen Vorhaben, sondern immer mit Blick fürs Gesamtprojekt. „Die geplante Sportanlage im Weidach ist zu begrüßen“, so Gerda Bechteler, Vorsitzende der TSG, auf Nachfrage. 

Dieser Verein mit einer starken Leichtathletikabteilung betreut nach Angaben der Vorsitzenden aktuell 400 Kinder. „Wenn Kinder spielen, ist das was anderes als Straßenlärm. Darüber freue ich mich“, unterstrich Bader. „Ein Jugendlicher, der hinter dem Ball her rennt, macht keinen Blödsinn.“ Die Versammelten regten außerdem an, das Thema Drogenprävention wieder bei einem Runden Tisch aufzugreifen. Nach 90 Minuten ging die Sitzung mit einer Führung durchs Jufo mit Leiter Stefan Splitgerber zu Ende.

Chris Friedrich

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