Bürger wollen sich gegenseitig im Alltag helfen

Gemeinsam den Alltag meistern

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Das Wohzimmer saugen oder Blumen gießen – manchmal braucht es nur wenig, dass Senioren selbstständig bleiben können. Dafür ist der Bürgerhilfeverein gedacht.

Lechbruck – Am heutigen Donnerstag, 8. Oktober, wollen die vier Auerberglandgemeinden Steingaden, Prem und Bernbeuren sowie Lechbruck einen Bürgerverein in der Lechhalle Lechbruck gründen. Dabei steht die Hilfe der Bürger für hilfsbedürftige Mitbürger und Senioren im Vordergrund. 

Altern ist keine Krankheit, sondern ein „Schicksal“, das jeden ereilt. Irgendwann fällt es nicht mehr so leicht, den Schnee zu räumen, Laub zu kehren oder den Rasen zu mähen. Der Weg in den Supermarkt wird „länger“, und auch die eine oder andere Tätigkeit im Haushalt braucht mehr Zeit oder wird zum Problem. Doch deshalb in ein Pflegeheim umziehen? Viele Senioren versuchen so lange wie möglich ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Sie wollen so lange sie körperlich noch gesund und geistig fit sind, in den eigenen vier Wänden bleiben. 

Bürger umsorgen Bürger 

Dieser Entwicklung trägt man allenthalben Rechnung. Immer mehr Gemeinde bieten beispielsweise an, kleinere Besorgungen zu übernehmen oder Behördengänge und Gaststätten laden zum gemeinsamen Mittagessen ein. Dieses Angebot auf eine breitere Basis zu stellen, vor allem auch rechtlich für die Helfer besser abzusichern, das ist die Idee hinter dem Bürgerverein, dessen Initiator und Motor der Lechbrucker Bürgermeister Helmut Angl (FW) ist. Hier gab es schon in der ersten Legislaturperiode ein Angebot für die älteren Mitbürger, das nun erweitert und auch auf die zahlreichen „Nöte“ angepasst werden soll. „Wir können das Altern nicht verhindern. Aber wir können dafür sorgen, dass es bei uns so gut wie möglich geht“, meinte Angl denn auch bei der Vorstellung des Vereins im Lechbrucker Gemeinderat. 

Zuvor schon hatten die Nachbargemeinden die Idee vorgestellt, vorausgegangen war eine umfassende Arbeit, vor allem durch Gabriele Walters. Die Lechbruckerin organisiert und koordiniert schon jetzt die Seniorenarbeit in Lechbruck und erarbeitete die Unterlagen, die beim bayerischen Sozialministerium eingereicht wurden. Darin hat Walters genauestens alle Details des Bürgervereins am Lech, so die künftige Vorstandschaft diesen Namen übernehmen wird, festgehalten. Zielsetzung sei, dass „Bürger umsorgen Bürger“, erklärte Walters mittlerweile auch den Bürgern in den beteiligen Gemeinden. „Unsere Zielgruppe sind alle Bevölkerungsschichten, die Hilfe brauchen“, wobei das durch die Vorgabe aus dem Ministerium relativiert wurde, derzeit gilt das Angebot nur für Senioren. 

Weiterhin hat Walters zusammen mit ihren Mitstreitern einen Leistungskatalog entworfen. Dieser könne, das betont die Lechbruckerin und alle beteiligen Bürgermeister, jederzeit entsprechend weiterentwickelt werden, je nach Notwendigkeit der einzelnen Gemeinden und der Verfügbarkeit der einzelnen Ressourcen, etwa dem Aufbau einer eigenen „Tafel“. So sollen Besorgungen beziehungsweise die Begleitung bei Einkäufen und bei Behördengänge angeboten werden genauso wie Fahrdienste, die stundenweise Betreuung von älteren oder behinderten Menschen, um deren Angehörigen ein paar freie Stunden zu ermöglichen, oder Hilfestellung bei vorübergehender Erkrankung zu Hause und nach Krankenhausaufenthalt. Einen großen Raum nimmt das Angebot der Unterstützung der Selbsthilfe bei Aufgaben des täglichen Lebens ein. Dazu gehören beispielsweise die Begleitung zur Fußpflege oder Krankengymnastik, leichte Garten- und Hofarbeiten, Grabpflege, Winterdienst oder handwerkliche Kleinhilfen rund um Haus und Garten sowie Hausarbeiten, Wäsche, die Versorgung und Pflege von Haustieren und die Wohnungs- und Hausreinigung. 

Keine Konkurrenz sein 

Wichtig dabei, so Angl, sei dass man keine Konkurrenz zu gewerblichen Hilfsorganisationen oder bestehenden Dienstleistern darstellen will. Doch ganz umsonst ist das Angebot nicht. So soll zum einen vermieden werden, dass auf billige Art und Weise der Rasen gemäht oder das Haus geputzt wird. Außerdem gibt es eine Versicherung für den Fall, dass während der Arbeiten, bei einer Besorgung oder Fahrt zum Arzt beispielsweise, etwas passiert. 

Dafür zahlt der, der die Hilfe in Anspruch nimmt, 8,50 Euro je Stunde. Der Helfer erhält davon 6,50 Euro, so Walters, oder kann auch für die Zukunft auf einem Zeitkonto gut geschrieben werden. Zwei Euro verbleiben im Verein. Mit dem einbehaltenen Betrag werden die laufenden Verwaltungskosten, sowie Aufwendungen für Versicherungen und Steuern gedeckt. Dazu kommt noch der Mitgliedsbeitrag, kalkuliert hat Walters mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro für Einzelpersonen, Paare oder Familien sollen 45 Euro, Institutionen oder Firmen 100 Euro zahlen und Jugendliche unter 18 Jahren einen Euro. Dem liegt die Idee zugrunde, dass theoretisch auch die Älteren Dienste anbieten können, die die Jugendlichen oder Kinder in Anspruch nehmen, etwa als Tagesoma. Und die Jugendlichen erhalten damit die Möglichkeit, sich ihr Taschengeld aufzubessern, hält Gabriele Walters für möglich. Die schon etwas Älteren können sich mit ihrer Dienstleistung ein Zeitkonto aufbauen und ihrerseits dieses eines Tages nutzen. 

Allein für dieses Abrechnungssystem musste Walters viel Zeit und Geduld investieren, um die Vorgaben aus dem Ministerium erfüllen zu können. Auch bedurfte es einer umfangreichen Kalkulation, erläuterte sie erst jüngst vor Steingadener Bürgern, um möglichst kostendeckend arbeiten zu können. Das sollte aber schnell erreicht werden, insbesondere, nachdem sich die beteiligten Gemeinden mit Darlehen und einer Anschubfinanzierung beteiligen, seitens des Sozialministeriums gibt es außerdem einen stattliche Summe. 

Barrieren überwinden 

Der Bürgerverein soll auf alle Gemeinde gleichmäßig verteilt werden, so soll aus jeder Gemeinde mindestens ein Vorstandsmitglied kommen sowie ein Beirat etwa der Bürgermeister oder ein Stellvertreter. Darüber hinaus wird es einen Gesamtkoordinator und jeweils ein Ansprechpartner aus den beteiligten Gemeinden („lokales Gesicht“) geben, der auch mit den Bürgern und den Strukturen in den Gemeinde vertraut ist. Ein Problem sei etwa, dass Menschen aus Scham nicht zugeben würden, Hilfe zu benötigen. Diese Barriere hofft man mit dem lokalen Gesicht überwinden zu können. Weiterhin strebe man eine enge Zusammenarbeit mit örtlichen Sozialverbänden und Einrichtungen an, erklärte Angl. Auch eine enge Zusammenarbeit mit den, in den einzelnen Gemeinden vorhandenen Strukturen wie zum Beispiel dem „Miteinander füreinander“ in Lechbruck ist gewollt. 

Helfer sind gesucht 

Dass die Idee des Bürgervereins gefragt ist, zeigt die Beteiligung an den Informations-veranstaltungen. Was derzeit noch fehlt, ist das Angebot der Helfer, der Leistungserbringer, das peu-a-peu ausgebaut werden soll. Weshalb man zwar auf den Erfolg des Projektes hofft, doch gleichzeitig auch etwas Angst hat, dass die Nachfrage nach den Leistungen das Angebot übersteigen könnte. Das muss allerdings die Zeit zeigen. Am Donnerstag, 8. Oktober, um 19 Uhr findet die Gründungsversammlung in der Lechhalle Lechbruck statt. Dabei wird auch der Vorstand des Vereins gewählt. Dazu eingeladen sind alle interessierten Bürger und Bürgerinnen. gau

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