Landrätin Maria Rita Zinnecker: Von den Höhepunkten eines anstrengenden Jahres

Auf einem guten Weg

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„Mein Blick richtet sich immer darauf: Was bringt es dem Landkreis?“ Landrätin Maria Rita Zinnecker engagiert sich als Vermittlerin und Schirmherrin für viele Projekte.

Landkreis – Zwei Tage vor Weihnachten herrscht im Büro der Landrätin noch emsige Betriebsamkeit.

Bis kurz vor Heiligabend empfängt Maria Rita Zinnecker Besucher, führt Haushaltsgespräche, berät über Wirtschaftsfragen. Für Weihnachtseinkäufe bleibt nicht viel Zeit. Und auch die wenigen Tage Urlaub, die sie sich zwischen Weihnachten und Silvester gönnt, sind bereits verplant: „Es warten noch genügend Umzugskartons darauf, ausgeräumt zu werden,“ verrät sie mit einem Lächeln. Hausbau und Umzug vom Unterallgäu nach Marktoberdorf liefen im Jahr 2016 nämlich quasi „nebenbei“. 

Anfang Oktober ist sie mit ihrem Mann in das neue Haus am Stadtrand gezogen. Und auch wenn die letzten Monate anstrengend waren, wirkt sie ob der neuen Nähe zu ihrem Arbeitsplatz erleichtert. „So haben wir es uns vorgestellt, mitten im Ostallgäu zu wohnen, leicht erreichbar und mit guter Infrastruktur.“

Die Landrätin ist 2016 also auch privat im Ostallgäu angekommen. Auf die Höhepunkte im vergangenen Jahr angesprochen, berichtet sie spontan und mit Freude von den Auszeichnungen, die der Landkreis für sein Engagement im Tourismus (Stichwort: Fünf-Sterne-Radreiseroute) oder im Bereich Bildung erhalten hat. Erst im November konnte Zinnecker den Kreis als Vorzeige-Bildungsregion auf der Bundeskonferenz zum kommunalen Bildungsmanagement in Berlin vorstellen. 

Ihre persönlichen Höhepunkte erlebte sie jedoch häufig im Gespräch mit einzelnen Bürgern, wie beispielsweise anlässlich der gemeinsamen Forggenseeschifffahrt der Ehrenamtlichen, zu der der Landkreis eingeladen hatte. Mit von der Bootspartie war natürlich die Landrätin. Dass sie die Nähe und das Gespräch mit den Menschen im Landkreis sucht, hat die Landrätin auch 2016 gezeigt. Sie besuchte, wie schon 2015, jeden Monat eine Landkreisgemeinde – 24 sind es bereits – und wird diese Tradition auch im kommenden Jahr fortführen. 

Gemeinsamer Erfolg

„Der vierspurige Ausbau der B12 zwischen Buchloe und Kempten wird über Dekaden Auswirkungen auf unsere Region haben“, sagt Zinnecker. Sie ist stolz, dass die Region sich gemeinsam für den Ausbau eingesetzt hat, dass die Akteure aus Politik und Wirtschaft den Schulterschluss gefunden und gemeinsam Druck ausgeübt haben. Auch sie selbst habe nicht locker gelassen, vor allem nicht, als Verkehrsminister Alexander Dobrindt ihr im Frühsommer einen Besuch abstattete.

In diesem Zusammenhang betont sie die Annäherung und Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeu­ren. „Oberbürgermeister Stefan Bosse und ich arbeiten in der Vermarktung der Region sehr sachlich und zielorientiert zusammen – und das ist beileibe kein Kuschelkurs.“

Nicht nur in Standortfragen, auch beim Betrieb des Kommunalen Klinikunternehmens (KU) fassen Ostallgäu und kreisfreie Stadt gemeinsame Beschlüsse. 2018 wird Zinnecker wieder an die Spitze des Verwaltungsrats wechseln. Sie betont, dass im Verwaltungsrat große Einigkeit darüber herrsche, die jetzigen drei Standorte Kaufbeuren, Füssen und Buchloe zu erhalten. Auch eine Privatisierung stehe momentan nicht zur Diskussion.

Allerdings werde die Geschäftsleitung künftig auf eine Doppelspitze übertragen, nachdem Geschäftsführer Dr. Philipp Ostwald seinen bis Ende 2017 laufenden Vertrag nicht verlängert hat (der Kreisbote berichtete). Der Verwaltungsrat werde nun zeitnah einen Dienstleister mit der Suche nach einer Nachfolge beauftragen, so Zinnecker. Eine mögliche Interims-Besetzung sei bereits bestimmt, sollte Ostwald früher als geplant das Klinikunternehmen verlassen. Namen wollte die Landrätin indes nicht nennen.

 Asyl: „Kein reines Geben“

Klare Töne schlägt Zinnecker an, als sie vor dem Eindruck des Terroranschlags in Berlin auf die Zuwanderungsproblematik angesprochen wird. Sie ist überzeugt, dass die Integration der neu Zugewanderten die große, gesellschaftliche Herausforderung ist, die „einen langen Atem braucht“.

Integration bedeutet für sie fördern und fordern gleichermaßen. „Wir suchen in vielen Einzelfällen nach Lösungen und setzen uns für die einzelnen Schicksale der Flüchtlinge im Landkreis ein“, betont sie, „wenn auf der anderen Seite auch unsere demokratischen Werte geachtet werden.“ Da bleibt sie energisch: „Es ist kein reines Geben“. Grundvoraussetzung für die Hilfe der Behörde ist beispielsweise das Vorhandensein gültiger Papiere.

Auf laufende Asylverfahren hat der Kreis selbst jedoch keinen Einfluss, darüber entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Bisher habe es aus dem Landkreis eine einzige Abschiebung und mehrere freiwillige Abreisen gegeben. Insgesamt sei man im Ostallgäu bei der Bewältigung der „Flüchtlingskrise“ und den Aufgaben der Integration auf einem guten Weg. Während 2015 die Unterbringung der Ankommenden das beherrschende Thema gewesen sei, hätte sich 2016 die Lage beruhigt und der Schwerpunkt verlagert. „Gott sei Dank ist Ruhe eingekehrt, so dass wir uns um die kümmern konnten, die da sind“, sagt Zinnecker. 

Seit gut einem Jahr steht nun die berufliche Integration der Zuwanderer in Lohn und Arbeit im Mittelpunkt der Bemühungen. Am Landratsamt sind die Bildungskoordinatoren Tanja Hiemer und Julia Grimm Ansprechpartner für alle Themen rund um Integration durch Bildung. Die neu geschaffene Stelle wird vom Bund gefördert. Als Vermittlerin und Türöffnerin ist aber auch oft die Landrätin selbst tätig, wie auch als Schirmherrin des Projekts „Flüchtlinge – Wege in den Arbeitsmarkt“. 

Festspielhaus Füssen

Als Vermittlerin im Hintergrund agierte Zinnecker auch beim Verkauf des Festspielhauses Füssen an die Ludwigs Grundbesitz GmbH. „Ich habe im Sinne des Landkreises ein Interesse daran, dass bei einer Neuausrichtung des Festspielhauses etwas Gutes herauskommt“, sagt Zinnecker, die sich bewusst gegen die Pläne stellte, dort ein Outlet-Center aufzubauen. Gemeinsam mit der Stadt Füssen kann der Kreis über die Bauleitplanung Einfluss auf die Entwicklung des Hauses nehmen. Mit Spannung erwartet die Landrätin nun das Konzept der neuen Gesellschafter. 

2017: Jahr mit großem „I“

Nach ein paar Tagen Ruhe will die Ostallgäuer Landrätin mit „neuer Frische“, wie sie sagt, ins Jahr 2017 starten, das geprägt sein werde von vier großen „I“s: Investition, Integration, Infrastruktur und Inklusion. Bis Ende Januar soll erneut ein ehrgeiziger Haushalt verabschiedet sein, der Investitionen in den Hochbau (zum Beispiel Realschule Füssen, Grünes Zentrum, barrierefreies Leitsystem im Landratsamt, kommunales Grünflächenmanagement) vorsieht. 

Große Infrastrukturmaßnahmen im Landkreis werden heuer die Sanierung der Ortsdurchfahrt Bidingen (rund 1,7 Millionen Euro) und der Bau des Radwegs Pfronten – Zell (über eine Million Euro) sein. Mit führenden Vertretern der Wirtschaft will sie im Frühjahr eine Zukunftsvision für das Jahr 2036 vorstellen. Mit diesen Projekten im Kopf geht sie der nächsten Sitzung entgegen.

ah

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