Eine Entlastung für die Innenstadt

Neuer Bahnhalt in Füssen West: Projektplaner besprechen worauf es ankommt

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Im Zuge der „Stationsoffensive Bayern” soll auch Füssen eine neue Bahnstation bekommen.

Füssen – Einen Schritt weitergekommen ist die Stadt Füssen bei der Planung der neuen Zughaltestelle in Füssen-West. Im Zuge der „Stationsoffensive Bayern“ soll der neue Bahnhalt an der Mariahilfer Straße gebaut werden (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Was dabei beachtet werden sollte und welche Herausforderungen es speziell in Füssen gibt, das haben die Projektpartner jetzt bei einem Workshop im Sparkassensaal geklärt. „Wir müssen die Stadt langsam, systematisch – wo es möglich ist – vom Individualverkehr befreien“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nach dem Workshop. Eine Chance dazu sieht er in der geplanten Bahnstation im Westen, die den Bahnhof und damit die Innenstadt entlasten soll. 

Die Untersuchungen der Technischen Universität (TU) München, die das Projekt begleitet, haben ergeben, dass in 15-Gehminuten nicht nur das Gewerbegebiet, sondern auch die Realschule, die Kaserne, Hotels, die Jugendherberge und viele Wohngebiete, die derzeit vergrößert werden, erreichbar seien. 

Das Ziel sei „die Passanten fußläufig zum Bahnsteig zu bringen oder mit dem Fahrrad“, erklärte Iacob. Damit die Bahngäste aber auch wirklich zur Zughaltestelle laufen, müssten „die Gehwege so attraktiv sein, dass man das gar nicht merkt“, merkte Prof. Dr.-Ing. Gebhard Wulfhorst von der TU München an.

Daneben sollten an der Bahnstation aber auch die verschiedenen Verkehrsmittel besser vernetzt werden, fügte Willi Jörg von der DB Station&Service hinzu. So sollten die Zuggäste ihre Fahrräder an der neuen Bahnstation sicher und trocken abstellen können. Daneben könnte man dort auch eine Carsharing-Station einrichten, an der die Zuggäste E-Autos ausleihen können.

Iacob kann sich zudem einen innerstädtischen Bus-Shuttle neben dem ÖPNV vorstellen, der viel frequentierte Orte im Stadtgebiet wie beispielsweise den Wochenmarkt anfährt. 

Weniger Autos

Was man dagegen nicht will, ist, mehr Autoverkehr in den Ortsteil zu locken. „Das wäre kontraproduktiv“, so Iacob. Dennoch sollen an der neuen Haltestelle auch sechs „Park-and-Ride“-Parkplätze hinkommen. 

Daneben wird der einseitige Bahnsteig im Süden barrierefrei gebaut werden, was sich dann auch im kommunalen Wegenetz fortsetzen sollte, fügte Jörg hinzu. Neben dem Bahnsteig soll auch der Bahnübergang in der Froschenseestraße umgebaut werden. 

Der ist so alt, dass er nicht an die neue Haltestelle angepasst werden kann. Zudem sei er „nicht dafür geeignet, die Fußgänger- und Radlerquerung komfortabel herzustellen“, erklärte Wulfhorst zum Abschluss den Workshops. Im Zuge der weiteren Planung will der Professor und sein Team nun aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Praxishandbuch für die Kommunen und die Bahn erstellen. 

Frage der Kosten

Für Füssen gilt es nun zu prüfen, wie man was umsetzen könne, informierte Iacob. 

Dabei gehe es hauptsächlich um Fördermittel. Denn während der Freistaat und die Deutsche Bahn alles finanzieren, was mit dem Bahnsteig zu tun hat, müsse die Stadt die Kosten für das Drumherum, beispielsweise die Fahrradabstellplätze, die Parkplätze und der Geh- und Radweg an der Froschenseestraße, stemmen. Doch gerade beim Umbau des Bahnübergangs in der Froschenseestraße kamen beim Workshop Alternativen zur Sprache, „die wir stemmen können“, fügte der Rathauschef optimistisch hinzu. 

Grundsätzlich könne er aber zu den Kosten noch nichts genaues sagen. Dass die Chancen auf Fördermittel nicht schlecht stehen dürften, ließ Wulfhorst anklingen. Da der Freistaat selbst das Projekt angestoßen hat, rechne er mit der Anfrage nach Fördermitteln, erklärte der Professor. Die Idee hinter der „Stationsoffensive“ war, das Bahnland Bayern attraktiver zu machen. In den vergangenen vier Jahren wurde deshalb geprüft, wo die DB durch neue Haltestellen möglichst viele Gäste gewinnen könnte. 

Dabei einigte man sich auf 18 Stationen. Sechs weitere könnten noch folgen, so Wulfhorst. Sicher ist jedoch, dass vier neue Haltestellen im Ostallgäu entstehen werden. Eine soll in Marktoberdorf und zwei in Kaufbeuren hinkommen. Auch „Füssen-West erfüllt alle Rahmenbedingungen“, erklärte der Professor. Die neue Station soll voraussichtlich Ende 2022 in Betrieb gehen.

kk

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