Vertagte Entscheidung

Nach einer Bürgerbefragung befasst sich der Gemeinderat erneut mit geplantem Logistikzentrum

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Großer Andrang herrscht bei einem Infoabend über die mögliche Ansiedlung des Deckel-Maho-Logstikzentrums in dem kleinen Grenzstädtchen.

Vils/Pfronten – Die Wogen gehen nach wie vor hoch im Grenzstädtchen. Es geht um die vom Gemeinderat mit einer Gegenstimme beschlossene Änderung des örtlichen Raumordnungskonzeptes und damit verbunden um die Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes im Westen der Stadt.

Dort will offenbar Deckel Maho ein Logistikzentrums bauen. Doch das stößt auf massiven Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Am kommenden Montag, 5. Februar, will sich nun erneut der Gemeinderat damit beschäftigen. Die Gegner des Vorhabens haben bereits zwei Anläufe unternommen, den Bau des Logistikzentrums zu verhindern. Ein Antrag an die Gemeinde zur Abhaltung einer Bürgerbefragung mit rund 240 Unterschriften musste vom Bürgermeister zunächst zuerst wegen formaler Fehler per Bescheid abgewiesen werden. 

Daraufhin unternahmen die Gegner diesbezüglich einen neuen Anlauf und erzwangen eine Befragung. Diese fand kürzlich statt. Die Wahlbeteiligung war mit 42 Prozent allerdings recht dürftig. Schließlich stimmten aber 66 Prozent gegen die Ansiedlung eines Logistikcenters. Der Gemeinderat entscheidet nun am 5. Februar erneut. „Wir haben es uns schon bei der ersten Abstimmung nicht leicht gemacht und im Vorfeld nach unzähligen Diskussionen und Gesprächen alle Für und Wider betrachtet. Die Überlegungen haben zu einem eindeutigen Ergebnis für eine Ausweisung geführt“, meint Bürgermeister Günter Keller zu Causa, der damit auch eine gedeihliche Entwicklung der Stadt sieht. 

Im Westen von Vils soll das umstrittene Logistikzentrum gebaut werden.

Bereits ein Informationsabend der Stadtgemeinde stieß auf immenses Interesse. Der Stadtsaal konnte die Besuchermassen kaum fassen, die halbe Stadt schien an diesem Abend auf den Beinen zu sein. Die Bestrebungen der High-Tech-Firma, im Allgäuer Umfeld des Firmenstandortes Pfronten ein geeignetes und in der Größe entsprechendes Gelände zu finden, hätten trotz Wohlwollen der deutschen Kommunen zu keinem Ergebnis geführt, berichtete Steffen Burghoff von Deckel Maho.

Das angepeilte Gelände am Vilser Ortsausgang sei für den Betrieb geradezu ideal, um die zerstreuten Bereiche und Lagerstätten im Sinne eines gedeihlichen Wachstums am Standort in Vils zu konzentrieren.

40 Arbeitsplätze

Es ginge lediglich um 24 Lkw-Fahrten pro Tag von der A7 über den Grenztunnel durch die Stadt, versuchte er die Bedenken der Gegner zu zerstreuen. Der Pendelverkehr nach Pfronten tangiere die Stadt ja kaum, gab er zu verstehen. Auch der Abtransport von fertigen Maschinen würde über das deutsche Gebiet abgewickelt. 

Geplant sei die Lagerung von Rohmaterial, das im Werk Pfronten verarbeitet wird. Auch die Schaffung von 40 Arbeitsplätzen sei doch ein gutes Argument für die Vilser, das zu berücksichtigen sei. Das große Ganze im Auge zu behalten sei die Aufgabe eines gewählten Gemeinderates, meinte Gemeindeoberhaupt Günter Keller in seinem Statement und verwies auf die eindeutigen Beschlüsse der Mandatare. Wolle sich eine Kommune weiterentwickeln und ihre finanziellen Möglichkeiten festigen, seien derartige Projekte notwendig, auch wenn sie auf Widerstand stießen.

Im übrigen müsse ein solches Projekt eine Unzahl von Verfahren, vom Verkehr bis zur Umweltverträglichkeit durchlaufen, die außerhalb der Entscheidungen der Kommune lägen, verwies er auf die Kompetenzen von Bezirkshauptmannschaft und Land. Man sei erst in der Startphase, stehe aber grundsätzlich hinter dem Vorhaben von Deckel-Maho. 

Viele Emotionen

Voller Emotionen waren dann die Wortmeldungen bei der Diskussion, die dann zum großen Teil von der Gegnerschaft des Projektes kamen. Man fürchte sich von einer Verkehrslawine, wurde von besorgten Vilserinnen argumentiert. Schon jetzt sei die Verkehrsbelastung ein Riesenproblem, wurde festgestellt. Vils entwickle sich zu einer Industriestadt, was abzulehnen sei, meinte man. Warum alles auf einmal so schnell gehen müsse, war eine der Fragen an diesem Abend. Eine „Obergrenze“ an Fahrten vertraglich festzulegen kam als Vorschlag. Von den guten 531 abgegebenen Stimmen bei der kürzlich abgehaltenen Befragung sprachen sich 352 Vilser (66,29 %) gegen die Umwidmung der Flächen aus. 

Ein Drittel kann sich eine Ansiedlung von Deckel-Maho hingegen vorstellen. Gemeinderat Markus Petz, Initiator der Volksbefragung und Projektgegner, sagte nach Bekanntwerden des Ergebnisses: „So weit, so gut, wir haben klar die Mehrheit. Der Aufwand hat sich gelohnt.“ Seine Mitstreiter fürchten ein Mehraufkommen im Verkehr. Die Interessen der Vilser Nachbargemeinden am geplanten Standort können für die Stadt aber künftig ungleich mehr Unbill bringen als die Ansiedlung des Logistikzentrums. Denn dann würde sich auch noch der Zubringerverkehr vom Zentrum zum Werk nach Pfronten durch die enge Durchfahrt in der Stadt wälzen. 

Keine Entscheidung

Entschieden ist in Vils aber noch nichts, da eine Volksbefragung nur die Stimmung widerspiegeln kann, aber keinen bindenden Charakter hat. Bürgermeister Günter Keller hat für kommenden Montag, 5. Februar, eine Gemeinderatssitzung mit dem Tagesordnungspunkt „erneute Abstimmung“ angesetzt. Keller: „Ich werde geheim abstimmen lassen. Kein Gemeinderat braucht sich vor Anfeindungen zu fürchten, egal wie er stimmt.“ Er machte aber kein Hehl daraus, wieder für die Einleitung der Umwidmung pro Maho zu stimmen und hofft, dass sich auch sein Gemeinderat wieder dazu bekennt. 

Seine Argument: „Eine Entwicklungsmöglichkeit im Westen ist für Vils enorm wichtig, im Osten drohen überall Begrenzungen durch den Naturschutz.“ Und da ist er sich unter anderem auch mit seinem „Vize“ Manfred Immler einig: „Das Volksbefragungsergebnis kann meine Meinung nicht ändern. An besagter Stelle befindet sich ja jetzt schon ein Metallbetrieb, und der stört auch nicht.“ Alle schielen irgendwie auf die Einnahmen aus der Kommunalsteuer. Die Abstimmung am kommenden Montag, 5. Februar, wird in der Grenzstadt auf jeden Fall mit Spannung erwartet. Gegner Markus Petz, Listenmitglied auf der Einheitsliste des Bürgermeisters, könnte aber seinen Krieg verloren haben, wenn die Mandatare weiterhin bei ihrer Willenskundgebung pro Ansiedlung bleiben.

niko

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