"Volksrepublik Deutschland"?

Die Besitzer der Schwarzbauten im Wasenmoos wollen ihre Häuser behalten – und zwar für immer. Wie ihr Sprecher, Hannes Schäfer, am vergangenen Sonntag im Rahmen einer Versammlung im Jägerhaus erklärte, wollen die Hausbesitzer eine permanente Duldung ihrer Häuser durchsetzen. Dafür haben sie jetzt per Petition den Landtag angerufen. Auch die Füssener Öffentlichkeit wollen sie für sich gewinnen.

„Das Landratsamt und wir, die Betroffenen, sind nicht weit voneinander entfernt, nur über die Dauer der Laufzeit haben wir keine einvernehmliche Lösung gefunden“, erklärte Schäfer im Jägerhaus. Auch er möchte, dass zwischen der Kreisverwaltung und den Häuslebauern öffentlich-rechtliche Verträge über die weitere Nutzung der ohne Genehmigung erbauten Häuser zustande kommen. Während das Landratsamt den „Moosianern“ aber eine maximale Wohndauer von 15 Jahren einräumt (Der KREISBOTE berichtete mehrfach), wollen Schäfer und seine Mitstreiter erwirken, dass ihre Bauten unbegrenzt stehen bleiben dürfen. Dafür haben sie jetzt eine Eingabe an den Petitionsausschuss formuliert. Sie hat unter anderem zum Inhalt: Das Wasenmoos soll bleiben wie es ist. Weitere Häuser dürfen nicht entstehen und auch erweitern dürfen die jetzigen Hausbesitzer nicht mehr, sonst sollen empfindliche Strafen oder gar der Abriss drohen. Verkaufen darf man seinen Grund und Boden nur unbebaut. Aber wer schon gebaut hat, der soll sein Haus behalten und sogar vererben dürfen. Schäfers Argumente: Müssen die Moos-Bewohner ihre Bauten abreißen, werde immenses Volksvermögen vernichtet und es sei für diejenigen, die teils seit Jahrzehnten in dem Gebiet um den Geometerweg leben, kaum zumutbar, ihr Heim aufzugeben. Alleine zu wissen, dass die Uhr tickt, mindere die Lebensqualität. Zudem beruft sich Schäfer auf Beispiele aus dem Oberallgäu, wo man etwa bei Schwarzbauten am Niedersonthofener See oder am Grünten ebenfalls Verträge über die permanente Duldung abgeschlossen habe. Chinesische Verhältnisse? Er wolle einen Schlussstrich ziehen, erklärte er, eine 15-Jahres-Frist sei jedoch „weder bürgerfreundlich noch menschlich“. Müssen die Häuser weg „kann keiner von uns sein Grundstück mehr bewirtschaften“, klagte ein Hausbesitzer. Es drohe die stille Enteignung in einer „Volksrepublik Deutschland“, empörte er sich. Schäfer ist sich sicher: „Wir brauchen die Unterstützung der Stadt und das Wollen des Landkreises“. Aber auch die Öffentlichkeit wollen er und seine Mitstreiter hinter sich wissen und nun Unterschriften sammeln. Damit wollen sie ihrer Petition mehr Gewicht verleihen. Listen sollen ausliegen und einen Stand in der Fußgängerzone will die Wasenmoos-Gemeinschaft aufstellen. „Ich könnte mir vorstellen, dass viele unterschreiben“, meinte Schäfer.

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