Stadtrat sagt grundsätzlich "ja" zur neuen Zughaltestelle in Füssen West

"Das ist eine Riesenchance"

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Im Venetianerwinkel könnte bis 2022 eine weitere Haltestelle der Bahn gebaut werden. So will es die „Stationsoffensive“.

Füssen – Den ersten Schritt für eine Zughaltestelle in Füssen West hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag gemacht.

Dort segneten die Räte grundsätzlich das Projekt ab und gaben damit den Startschuss für die Vorplanungen. Doch Kritik hagelte es trotzdem: Vor allem die Freien Wähler hatten Bedenken, dass die neue Haltestelle für mehr Verkehr und Lärm in den Wohngebieten sorgen könnte.

Im Venetianerwinkel aus dem Zug aussteigen und dann zur Arbeit radeln: Das soll ab 2022 möglich sein. Zumindest wenn es nach der Deutschen Bahn und dem Freistaat Bayern geht. Denn sie planen mit der „Stationsoffensive Bayern“ 20 neue Bahnstationen in Freistaat einzurichten, um das Stationsnetz zu verdichten und so mehr Fahrgäste zu gewinnen. Und eine davon soll im Füssener Westen an der Mariahilfer Straße entstehen (der Kreisbote berichtete). 

Erste Gespräche dazu hat es bereits im September 2015 gegeben. Jetzt soll die Sache konkreter werden. Am Dienstag stellte Jura Kojetinsky von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) das Projekt im Stadtrat vor. „Die Planungsbüros stehen in den Startlöchern“, so Kojetinsky. Doch dafür müsse der Stadtrat das Projekt erst grundsätzlich befürworten. 

Vorsichtige Berechnungen

Im Venetianerwinkel planen die Deutsche Bahn und der Freistaat einen 140 Meter langen und 55 Zentimeter hohen Bahnsteig, der barrierefrei ausgebaut werden soll, so Kojetinksy. Die DB geht davon aus, dass ca. 120 Ein- und Aussteiger pro Werktag diese neue Haltestelle nutzen werden. 

„Das ist relativ vorsichtig gerechnet. Wir hoffen, dass es mehr werden“, so Kojetinsky. Die Kosten werden der Freistaat und die DB tragen. Den Unterhalt übernimmt die DB. Die Stadt Füssen müsse nur für das Umfeld sorgen. Sprich, die Beleuchtung, Fahrradstellplätze und Park & Ride-Parkplätze. Das müssten „keine Unmengen sein“, sagte Kojetinsky, weshalb die Stadt derzeit sechs Stück plane.

Dafür könne die Stadt aber eine Förderung bei der Regierung von Schwaben beantragen. Die gebe es auch für den Bahnübergang in der Froschenseestraße. Denn diese Anlage sei so alt, dass sie nicht an die neue Haltestelle angepasst werden könne. „Der Bahnübergang muss erneuert werden. Das wird aus dem Projekt getragen“, erklärte Kojetinsky.

Es besteht Handlungsbedarf

Das gilt allerdings nicht für den Geh- und Radweg. Dieser befinde sich nicht nur in einem „desolaten Zustand“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer, sondern ende auch am Bahnübergang. Hier bestehe also sowieso „Handlungsbedarf“, so der Bauamtsleiter. Ein Drittel dieser Arbeiten müsse die Stadt finanzieren, ca. 100.000 Euro, sagte Kojetinsky. „Vielleicht wird es auch etwas weniger.“ 

Wie viel die Kommune insgesamt für das Projekt ausgeben muss, stehe aber noch nicht fest, heißt es im Beschlussvorschlag. „Vorstellbar ist in etwa eine Größenordnung von ca. 200.000 Euro abzüglich möglicher teilweiser Förderung“, heißt es weiter. Insgesamt könne sich die Stadt aber in einem „überschaubaren Rahmen bewegen“, sagte Angeringer. 

Das Grundstück gehöre bereits der Stadt und eine Bushaltestelle sei schon vorhanden. Da einiges an Fläche frei bleibe, könne man auch mehr Parkplätze bauen. „Im Umfeld sehe ich die Bedenken nicht“, so der Bauamtsleiter. 

Mehr Verkehr und Lärm?

Die sah aber Jürgen Doser (FWF): „Generell finde ich es toll, dass man sowas macht. Wenn das Ganze weiter draußen wäre, würde ich das mit wehenden Fahnen begrüßen.“ 

Doch die geplante Haltestelle liege mitten im Wohngebiet. Deshalb befürchtete er, dass sich der Lärm und der Verkehr hier erhöhen werden. Gleicher Meinung war seine Fraktionskollegin Dr. Anni Derday. „Wir ziehen uns da einen enormen Verkehr hin. Eine Haltestelle mitten im Wohngebiet halte ich für fehl am Platz“. 

Besser wäre das Wohngebiet dort auszubauen. Diese Problem sah Georg Waldmann (SPD), der selbst im Venetianerwinkel wohnt, dagegen nicht. „Wo soll der zusätzliche Pendlerverkehr herkommen?“ Die Pendler würden durch die Haltestelle nicht mehr. Im Gegenteil könnten sie direkt das Gewerbegebiet im Westen ansteuern und müssten nicht zuerst zum Bahnhof. „Das ist eine Riesenchance den Verkehr aus der Innenstadt herauszuholen.“ 

Auch Heinz Hipp (CSU) sprach sich klar für das Projekt aus. Er appellierte dafür: „Mit der Füssener Tradition zu brechen und mehr in die Zukunft als in die Vergangenheit zu schauen.“ Das Auto habe heutzutage nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. Außerdem gebe es in Füssen viele Pendler und das Gewerbegebiet liege nun mal im Westen. „Das wird sich entwickeln. Der Einstieg wird sich deutlich erhöhen“, sagte Hipp. 

Keine Mehrbelastung?

Dr. Martin Metzger (BfF) stand der Sache dagegen „ambivalent“ gegenüber. Die Haltestelle mache nur Sinn, wenn dort ausreichend Parkplätze angeboten würden. Und auch die Fahrradstellplätze sollten entsprechend komfortabel sein. „Das ist für mich die Bedingung.“

In Sachen Verkehr gab Kojetinsky aber Entwarnungen. „Die Erfahrung zeigt, dass der übergroße Anteil (der Bahngäste – Anmerk. d. Rd.) zu Fuß oder mit dem Fahrrad hinfährt.“ Diejenigen, die die Park & Ride-Parkplätze nutzen, seien außer in München in der „absoluten Minderheit“. Und auch bei der Lärmbelästigung sei Besserung in Sicht. 

Ab Ende 2018 werde ein neuer Betreiber, die Bayerische Regionalbahn (BRB), die Strecken Augsburg-Füssen befahren und dann neue Dieselloks einsetzen. Die „sind wesentlich leiser“, sagte Kojetinsky. Die Haltestelle an eine andere Stelle zu verlegen, sei dagegen nicht möglich, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). „Die einzige Chance wäre am Kühbrunnen. Aber da haben wir keinen Zugriff auf das Gelände.“

Ausstieg ist noch möglich

Ein anderes Problem hatte Lothar Schaffrath (SPD): „Für mich ist das ein rein finanzielles Problem.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende sah zwar die Vorteile, aber „der Busbahnhof hat Vorrang.“ „Wir haben dringendere Projekte, als dass wir uns einen solchen Luxus erlauben können“, meinte auch Derday. 

Sollten die Kosten zu hoch werden oder die Stadt keine Förderung erhalten, „können wir jederzeit die Reißleihne ziehen“ und aus dem Projekt aussteigen, sagte Iacob. So gaben die Räte mit 15:4-Stimmen grundsätzlich grünes Licht für das Projekt. Nur Jürgen Doser (FWF), Dr. Anni Derday (FWF), Kristina Reicherzer (FWF) und Christian Schneider (SPD) lehnten es ab.

Katharina Knoll

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