AWO-Mitgliederversammlung: Protschka kritisiert Bürokratie

Das Monster im sozialen Sektor

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Für 40 Jahre Mitgliedschaft bei der AWO werden Max Zott (links) und Bürgermeister Paul Iacob von Vorsitzender Brigitte Protschka mit Urkunde und Anstecknadel ausgezeichnet.

Füssen – Vor allem die überbordende Bürokratie auf dem sozialen Sektor beklagte Vorsitzende Brigitte Protschka vergangene Woche in der Mitgliederversammlung des Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Füssen-Schwangau im „Haus der Gebirgsjäger“.

Wo früher vom wiehernden Amtsschimmel gesprochen wurde, dürfen wir heute getrost von einem Monster sprechen“, stellte sie fest. Allein für eine Mitarbeiterin in geringfügige Beschäftigung müsse sie zig Vorschriften beachten und verpflichtende schriftliche Vereinbarungen verfassen. In den Kindergärten würden die Betreuungszeiten im Computer gebucht und der Personalstand in Abhängigkeit davon per Ampelsystem überwacht. Wenn die Ampel auf Rot umschlagen, müssten Öffnungszeiten gestrichen werden. 

Die Liste würde immer länger und dadurch gingen wertvolle Zeit für menschliche Kontakte, Zuwendung und verbindende Gespräche verloren. „Die Arbeit im sozialen Bereich wird zunehmend schwieriger und besonders für unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ist dies frustrierend und demotivierend“ beklagte sie. 

Zur Situation des Kindergarten-Neubaus im Weidach stellte sie fest, dass es schon sehr bedauerlich sei, dass sich dieses Projekt derart verzögert. Wenn sie bedenke, dass dieser 2017 fertig sein sollte und sich nun bis in den Herbst 2019 hinziehen werde, könne sie verstehen, dass die Eltern sauer sind. Auch wenn sich Stadt und AWO wirklich anstrengen, sei die „Übergangslösung“ in der Spitalgasse eben „nur eine Notlösung“. 

Sie bedankte sich bei dem dort arbeitenden Team für dessen engagierten Einsatz, das versucht, so manches Manko auszugleichen. 

Viel Geld von der AWO

Für den Familienstützpunkt im Weidach, der in dem Kindergarten mit untergebracht werden soll, hat die AWO Schwaben erhebliche Mittel in die Hand genommen, um die finanzielle Belastung für die Stadt so niedrig wie möglich zu halten. Als stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats bei der AWO Schwaben habe sie um den Zuschuss gerungen, „denn die Begehrlichkeiten in ganz Schwaben sind groß“. 

Zu den Aktivitäten des vergangenen Jahres gehörte unter vielem anderen eine Ausflugsfahrt zum Augsburger Zoo für Familien mit Kindern. „Auch Omas und Opas nahmen die sich Chance wahr, mit ihren Enkeln ein paar gemeinsame Stunden zu verbringen“ sagte sie. Sie erwähnte auch die Informationsveranstaltungen für Eltern zu den Themen „Kindergeld“, „Erste Hilfe am Kind“ und „Tipps zur Erziehungsberatung“ in den Räumen des Familienstützpunktes in der Spitalgasse. 

Lob vom Bürgermeister 

Ein spezielles Dankeschön gab es für die Verantwortlichen des AWO-Kinderkleidermarkts, der einen enormen logistischen Aufwand und gute Koordination bei den rund 30 Helferinnen verlangt. Nachdem Kassiererin Ingrid Merz ihren detaillierten Kassenbericht vorlegte, für den sie und auch die gesamte Vorstandschaft von den Mitgliedern die Entlastung erteilt bekam, bedankte sich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) für die beispielhafte Unterstützung der AWO bei sozialen Projekten, insbesondere bei der Kinderbetreuung.

 Durch die Trägerschaft für das Kinderhaus „Schatztruhe“, beim Übergangs-Kindergarten in der Spitalgasse sowie beim Kinderhort habe die Füssener Arbeiterwohlfahrt dem sozialen Aspekt ihrer Organisation wirkungsvoll Ausdruck verliehen, lobte der Bürgermeister.

ed

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