Meilensteine der Frauenpolitik

SPD-Landtagsabgeordnete erinnern an 100 Jahre Frauenwahlrecht

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Der Füssener Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert mit seinen Fraktionskolleginnen Dr. Simone Strohmayer (links) und Ilona Deckwerth aus Füssen.

Landkreis/Marktoberdorf – Anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht hat der Füssener SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert vergangene Woche zu einem politischen Filmabend in die Marktoberdorfer „Filmburg“ eingeladen.

Gemeinsam mit der Frauenpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Simone Strohmayr, erinnerte er an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. In ihrer Einführung rief Strohmayr unter anderem Aurelie Deffner ins Gedächtnis, die 1919 für den Wahlkreis Kempten-Sonthofen in den Bayerischen Landtag gewählt wurde und damit die erste Allgäuer Landtagsabgeordnete war. 

Diese Wahl war erst durch die Einführung des Frauenwahlrechts mit der Ausrufung des Freistaats Bayern am 8. November 1918 durch den Sozialdemokraten Kurt Eisner möglich geworden. Wengert und Strohmayr blickten auf weitere Meilensteine in der Geschichte der Frauenpolitik zurück: So wurde erst 1976 die Pflicht der Ehefrau zur Haushaltsführung abgeschafft und erst seit 1977 dürfen Frauen ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns arbeiten. 

Bis 1968 gab es kein Mutterschutzgesetz, werdende Mütter mussten bis kurz vor der Niederkunft körperlich schwer arbeiten, zum Beispiel in der Textilindustrie oder der Landwirtschaft, und oft wenige Tage nach der Geburt bereits wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Gewalt in der Ehe wurde sogar erst 1992 unter Strafe gestellt. 

Die "Gläserne Decke"

Angesichts dieser Entwicklungen warf Strohmayr die Frage auf: Brauchen wir noch eine Frauenbewegung? Gerade wenn sie mit jüngeren Frauen spräche, würden diese oft die Meinung vertreten, das sei nicht mehr notwendig, ihnen stünde die Welt auch so offen. Viele dieser jungen Frauen würden dann aber doch an die sogenannte Gläserne Decke stoßen und merken, dass Frauen leider immer noch nicht alle Wege offen stünden. So sei auch der Anteil der weiblichen Abgeordneten sowohl im Bundes- als auch im Landtag zuletzt wieder zurückgegangen. Für ihre politische Arbeit sieht die SPD-Abgeordneten fünf wichtige Projekte für die Gleichstellung von Frauen und Männern:

• die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit. 

• ein Gleichstellungsgesetz sowohl für den Öffentlichen Dienst als auch für die Privatwirtschaft. 

• mehr Unterstützungsangebote für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

• Reformen im Sozialbereich, um Altersarmut, die in der Regel weiblich ist, zu bekämpfen. 

• bedarf es weiterhin sowohl mehr finanzieller Mittel für die Finanzierung von Frauenhäusern als auch eine noch intensivere Aufklärungsarbeit, um Gewalt und Sexismus gegen Frauen zu stoppen. 

Im Anschluss an die Einführungen von Wengert und Strohmayr wurde der Film „Die Göttliche Ordnung“ gezeigt, der eindrucksvoll und mit starken Bildern den Kampf der Schweizerinnen im Jahr 1971 für die Einführung des Frauenwahlrechts am Beispiel der jungen Mutter Nora zeigt. 

Gemeinsam mit anderen Frauen in ihrer Gemeinde in Appenzell-Innerrhoden organisiert sie einen Streik der Frauen und erreicht so einen ersten Schritt zu mehr gesellschaftlicher Gleichberechtigung: Eine knappe Mehrheit der Männer in ihrem Dorf stimmt schließlich für die Einführung des Frauenwahlrechts. Die rund 70 Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung zeigten sich nach Angaben der Veranstalter begeistert von diesem Format politischer Einladungen.

kb

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