Warten auf den Impfstoff: In Marktoberdorf kann ab Sonntag gegen Corona geimpft werden

Das Impfzentrum Ostallgäu ist gerüstet

Landrätin Maria Rita Zinnecker vor Corona Impfzentrum
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Landrätin Maria Rite Zinnecker vor dem Eingang des Marktoberdorfer Impfzentrums.

Landkreis – „Wir sind startklar und können jederzeit mit dem Impfen loslegen. Jetzt warten wir nur noch auf den Impfstoff!“ Das war die klare Botschaft von Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) im Rahmen eines Presserundgangs im fertig aufgebauten Impfzentrum in Markt­oberdorf. Mit Stand vergangenem Freitag ist geplant, am kommenden Sonntag, den 27. Dezember, mit dem Impfen zu beginnen.

Doch die einlaufenden Meldungen seitens Bund und Land könnten die Lage täglich, manchmal auch im Stundentakt verändern, so die Landrätin weiter. Mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sei ein zuverlässiger Betreiber gefunden worden, den man auch schon aus der gemeinsamen Arbeit in der Führungsgruppe des Katastrophenschutzes (FüGK) gut kenne.

Die ehemalige Gewerbehalle in der Nordstraße 12 in Markt­oberdorf biete die vorstellbar besten Möglichkeiten für den Betrieb als Impfzentrum. Das wurde bei dem Rundgang deutlich, der mittels eigenem BRK-Personal als Statisten den detaillierten Ablauf einer Impfung vom Eintreffen zu impfender Personen bis zum Ausgang an den einzelnen Stationen darstellte. Sowohl die räumliche Situation mit der zentralen Besucherlenkung und den Hygienevorgaben als auch die angenehmen Temperaturen sollen einen reibungslosen Ablauf für Impfkandidaten und Personal garantieren.

Innerhalb kürzester Zeit konnte das Impfzentrum aufgebaut werden, erläuterte Zinnecker. Nachdem die zeitlichen und strukturellen Vorgaben für die Errichtung seitens der Behörden vorlagen, sei mittels einer „Taskforce“ (= einer Arbeitsgruppe zur Lösung komplexer Probleme) die Gewerbehalle im Norden der Stadt definiert worden (der Kreisbote berichtete). Diese war 2015 bereits zum Notaufnahmelager mit sanitären Anlagen sowie Heizung umgebaut und genutzt worden. Ein Messebauunternehmen hatte mit fünf Personen nach den Plänen des Landratsamtes die jetzige Struktur mit Stellwänden in zwei Tagen aufgebaut. Danach konnte das BRK in knapp einer Woche die Stationen „mit Leben“ füllen und startklar machen, wie Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann und Alexander Denzel als Sachgebietsleiter Ausbildung/Ehrenamt und Dienststellenleiter in Kaufbeuren aufzeigten.

Personell ist das Zentrum bei Impfbeginn mit dreizehn Mitarbeitern besetzt. Besonders herausragend ist nach Hofmanns Worten die Reaktion auf benötigtes Personal, was sich sowohl aus bestehenden Kräften aus Rettungsteams als auch aus neu eingestelltem Personal und Ehrenamtlichen zusammensetzt: „Wir hatten ein äußerst positives Echo und eine sehr hohe Motivation“, berichtete er.

Nach dem Eingang ins Impfzentrum erfolgen die Erfassung der Körpertemperatur und die Anmeldung zur Aufnahme der persönlichen Daten an einem der fünf Schalter, wobei mittels einer Webcam der QR-Code des Erfassungsbogens eingegeben und in das Datensystem eingelesen wird. Hier wird auch der Aufklärungsbogen ausgehändigt. In einem großzügigen Warteraum kann dieser dann in Ruhe gelesen werden. In einem persönlichen Gespräch wird über die Impfung aufgeklärt, bevor es dann zur eigentlichen Impfung durch Fachpersonal geht. Am Ende erfolgt der „Check-Out“ zur Terminvereinbarung für die Nachimpfung innerhalb von 21 Tagen. Etwa eine Stunde dauert es von der Erfassung bis zur Entlassung. Im Zentrum könnten laut Regierungsdirektor Ralf Kinkel aus dem Landratsamt etwa 250 Personen pro Tag geimpft werden, doch das „wird sich einspielen“. Auch ein Raum für die medizinische Versorgung bei Komplikationen ist eingerichtet.

Große Herausforderung

„Die Impflogistik ist die große Herausforderung“, sagte der Ärztliche Leiter, Dr. Gregor Blumtritt. „Die Materiallogistik steht.“ Kinkel, zugleich Leiter der FüGK Ostallgäu, wies auf die Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren hin, die eine flexible Reaktion bei der Verteilung des Impfstoffs ermögliche. Eine Lieferung umfasst 975 Ampullen, die dann auf die drei Mobilen Teams von Kreis und Stadt Kaufbeuren verteilt werden. Während Marktoberdorf den mittleren und südlichen Landkreis abdeckt, wird der nördliche Teil des Landkreises von Kaufbeu­ren mit übernommen. Landkreis und Stadt haben zusammen rund 185.000 Einwohner. Wie viel geliefert Impfstoff werde, ist noch unbekannt. Nach einem Verteilschlüssel würden, so Zinnecker, mit knapp 16 Prozent für Bayern etwa 1000 Dosen zunächst auf den Landkreis und die Stadt entfallen. Diese müssten dann, mangels fehlender Kühlung bei minus 70 Grad Celsius, innerhalb von maximal vier Tagen verabreicht werden.

Senioren zuerst

Grundsätzlich kann das Zentrum den Betrieb jederzeit aufnehmen. In der ersten Stufe ist jedoch vorgesehen, die Bewohner und Beschäftigten der dreizehn Senioren- und vier Behindertenheime im Landkreis sowie gefährdete) Personen an deren Wohnsitz mit jeweils aus drei Personen bestehenden Mobilen Teams zu impfen – natürlich auf freiwilliger Basis, wie jede andere Person auch. „Wir wünschen uns aber eine große Akzeptanz“, so die Hoffnung der politischen und der ärztlichen Führungsspitzen. „Denn es gibt“, so Blumtritt, „leider noch keine Medizin für die Erkrankung mit Corona.“

Anschließend folgen die Beschäftigten im medizinischen Bereich, also Ärzte und Pflegepersonal in den Kliniken. In einer späteren Phase – möglicherweise ab April/Mai – soll dann die Impfung auch durch niedergelassene Ärzte erfolgen. Dann könnte eventuell auch ein Impfstoff zur Verfügung stehen, der kühltechnisch geringere Probleme bereitet. Vorsichtig geschätzt, geht der Mediziner davon aus, dass das Impfzentrum bis mindestens Ende 2021 bestehen bleibt.

Laut Studien sind dem Leitenden Arzt zufolge die Wirkungen aller bekannten Impfseren gut. Nach bisher vorgenommenen Impfungen in den USA und Großbritannien mit mehreren 100.000 Geimpften seien keine Gegenreaktionen bekannt, außer die bisher schon bei Allergien auftretenden wie Kopfweh oder ein leichter Schmerz im Arm. „Ich sehe wenige andere Möglichkeiten, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. Ich würde mich, wenn ich dürfte, sofort impfen lassen“, sagte der Arzt und hofft auf eine nachlassende Skepsis in Teilen der Bevölkerung.

wb

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