Wasenmoos: Entscheidung aus Vernunft

Fast wie ein Weihnachtsgeschenk verpackt hatte Landrat Johann Fleschhut die unterschriebenen öffentlich-rechtlichen Verträge mitgebracht. Foto: Schuster

Marktoberdorf – In der Geschichte der Schwarzbauten im Wasenmoos wurde wohl das letzte Kapitel aufgeschlagen: Alle Moos-Bewohner haben die öffentlich-rechtlichen Verträge unterschrieben, nach denen sie ihre ungenehmigten Gebäude noch bis 2026 behalten dürfen. Doch glücklich waren damit nicht alle.

In einem gut halbstündigen Monolog blickte der Kreischef auf die über fünf Jahrzehnte der Wasenmoos-Problematik zurück, die nun mit den unterschriebenen Restnutzungsverträgen ein Ende findet. 2003 habe er sich dann persönlich mit dem Thema befasst, habe 2004 in einem Brief die Schwarzbauer über die Konsequenzen ihres Tuns informiert und letztendlich die öffentlich-rechtlichen Verträge angeboten, die zehn Jahre Restnutzung für Wochenendhäuser und 15 Jahre für die Erstwohnsitze vorsahen. Dass der Petitionsausschuss des Landtags im Jahr 2010 mit 8:7 Stimmen 20 Jahre für alle empfahl, sei nicht binden gewesen. Dabei betonte der Landrat, dass die acht Für-Stimmen alle von Abgeordneten aus der Regierungskoalition gekommen waren. 

Er hob sein Entgegenkommen hervor, auch denjenigen, die vor Gericht gezogen waren, bis zuletzt die Tür zum öffentlich-rechtlichen Vertrag nicht verschlossen zu haben, obwohl er das stets angekündigt hatte. Und er lobte Schäfers Qualitäten als Gesprächspartner auf dem Weg zu einer einheitlichen Restnutzungslösung, „ohne Sie wäre das nicht gegangen“, sagte Fleschhut. 

Schäfer hingegen verlieh der Verbitterung Ausdruck, die unter den Moosbewohnern offenbar immer noch herrscht. Er und seine Mitstreiter verstünden nicht, warum sich Fleschhut einer Restnutzung von 20 Jahren für alle verschlossen hatte. „Damit wären alle zufrieden gewesen, die Sache hätte schon 2010 beendet werden können“, beklagte Schäfer. Dadurch, dass Fleschhut schließlich 15 Jahre sowohl für Wohn- als auch Wochenendendhausbesitzer angeboten habe, „ist ein wichtiger Klagegrund entfallen“. Denn nun wurden alle Hausbesitzer gleich behandelt.

Unversöhnliches Ende

Schäfer berichtete vom Unverständnis bei den Moos-Bewohnern, als er vorschlug, den Klageweg nicht zu Ende zu gehen: „ich wäre fast gekreuzigt worden, als ich gesagt habe, ‚kommt, lasst uns die Klagen zurücknehmen’“. Es schlossen sich zähe und harte Verhandlungen an, an denen auch die Füssener Stadträte Jürgen Doser (FW) und Dr. Hans Martin Beyer (CSU) beteiligt waren. 

Schäfer richtete seinen Dank daher an einen Großteil des Füssener Stadtrats, fügte aber an: „leider konnten wir Bürgermeister Iacob nicht auf unsere Seite ziehen“. Die Verträge hätten die Schwarzbauer aus Vernunft unterschrieben, glücklich und zufrieden sei damit aber keiner. Wie schon in der Vergangenheit erzählte Schäfer von Aussagen aus der obersten Baubehörde, und von Gutachtern vor Gericht, die die Erfolgsaussichten der Kläger angeblich beflügelt hätten, ohne jedoch Belege dafür dabei zu haben. 

Als „schlicht und ergreifend falsch“, tat Fleschhut teils die Aussagen Schäfers ab. „Die Anträge auf Zulassung der Berufung hätten null Komma null Chancen gehabt“. So entbrannte beinahe schon ein Streitgespräch zwischen Schäfer und Fleschhut, der sich über seinen Gegenüber „doch ein wenig wundern“ musste. Am Ergebnis änderte das unversöhnliche Ende des Pressetermins jedoch nichts. Der Stapel mit den unterschriebenen Verträgen lag auf dem Konferenztisch, mit rotem Schmuckband umwickelt. ps

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