»Keine Erholung in Sicht«

Wegen der Corona-Krise wird Schwangau wohl ab 2022 neue Schulden machen müssen

Kühe stehen auf einer Weide. Im Hintergrund ist Schloss Neuschwanstein zu sehen.
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Bislang lockte Schwangau Jahr für Jahr Touristen in Scharen an. Durch Corona hat sich das geändert. Das macht sich auch im Haushalt der Gemeinde bemerkbar.

Schwangau – Ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie machen sich die Auswirkungen auch im Haushalt der Gemeinde Schwangau bemerkbar. „Der Haushalt 2021 ist gekennzeichnet von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie“, sagt Bürgermeister Stefan Rinke (CSU). Zwar muss die Gemeinde heuer einmal mehr keine neuen Schulden aufnehmen, dennoch geht Rinke in den kommenden Jahren von „einer längeren finanziellen Durststrecke“ aus: „Insbesondere bei der Gewerbesteuer und den Fremdenverkehrsbeiträgen ist keine wesentliche Erholung in Sicht.“

Der kürzlich vom Gemeinderat einstimmig beschlossene Haushalt 2021 hat ein Gesamtvolumen von 18 Millionen Euro, was fast eine Million weniger ist als im vergangenen Jahr. Der Vermögenshaushalt umfasst 11,8 Millionen Euro, für den Vermögenshaushalt sind insgesamt 6,2 Millionen Euro vorgesehen. Zwar liegen diesbezüglich noch keine endgültigen Zahlen vor, dennoch geht die Verwaltung von künftig weiter deutlich sinkenden Steuereinnahmen aus.

Gleiches gilt für die Einnahmen durch die Fremdenverkehrsbeiträge. Auch hier schlägt die Corona-Krise mittlerweile voll durch. Bereits im vergangenen Jahr verzeichnete die Kämmerei hier im Vergleich zu 2019 einen Rückgang von 0,8 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen heuer erstmals Transferleistungen von Bund und Freistaat in Form der sogenannten Bedarfszuweisung. Mit diesen 1,6 Millionen Euro sollen die finanziellen Belastungen der Gemeinde durch die Corona-Krise etwas abgefedert werden.

Den sinkenden Einnahmen gegenüber stehen stetig steigende Ausgaben – vor allem in den Bereichen Bildung und Soziales. So müssen im Dorf der Königsschlösser die Angebote für Kinderbetreuung und Hort ausgebaut werden (der Kreisbote berichtete). Gleiches gilt für die Digitalisierung der Schule. „Das Zusammentreffen von steigenden Ausgaben und sinkenden Steuereinnahmen führt im Gemeindehaushalt zu großen Finanzierungslücken“, erläutert Rinke.

Dennoch will die Kommune heuer rund 6,2 Millionen Euro investieren, ohne dafür neue Schulden aufzunehmen. So sollen für etwa drei Millionen Euro Grundstücke erworben werden, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum zu ermöglichen. Weitere 1,2 Millionen Euro werden für die Erweiterung des Kindergartens St. Tosso bereit gestellt (der Kreisbote berichtete). Knapp 800.000 Euro sind für die Sanierung des Kellers und die Digitalisierung der Schule vorgesehen.

Dazu kommt der Umzug der Tourist-Information ins Schlossbrauhaus, wofür rund 390.000 Euro eingeplant sind (der Kreisbote berichtete). Zusätzliches Geld wird für den Erhalt der gemeindlichen Infrastruktur notwendig. Schwerpunkte bilden dabei der Wasser- und Kanalleitungsbau sowie der Straßenbau. Rinke spricht in diesem Zusammenhang von Pflichtaufgaben, die es auch in Zukunft zu erfüllen gilt.

Griff in die Rücklagen

Um diese Vorhaben finanzieren zu können, will die Verwaltung tief in die angesparten Rücklagen greifen, die bis auf eine Million Euro aufgebraucht werden sollen. In den kommenden Jahren werde die Gemeinde aber um neue Schulden wohl nicht herum kommen, macht Bürgermeister Rinke deutlich. „In den Folgejahren sind neue Fremdverbindlichkeiten bei dem geplanten Investitionsprogramm unvermeidlich.“ Derzeit geht die Kämmerei mit einer Neuverschuldung in Höhe von 3,4 Millionen Euro im kommenden Jahr und weiteren vier Millionen Euro im Jahr darauf.

Zu den Investitionen kommen Ausgaben in Höhe von rund 12 Millionen Euro, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Allein 3,3 Millionen Euro muss die Kämmerei zur Deckung der Personalkosten aufbringen. Zum Vergleich: 2017 betrugen die Ausgaben fürs Personal noch 2,7 Millionen Euro. 2,7 Millionen Euro kostet der Verwaltungs- und Betriebsaufwand, weitere zwei Millionen muss Schwangau als Kreisumlage ans Landratsamt in Marktoberdorf überweisen.

Genau hinschauen

Dass das Dorf der Königsschlösser vergleichsweise gut dar steht, hat laut Rinke verschiedene Gründe. „Die konsequente Haushaltskonsolidierung verbunden mit hohen Investitionen in die kommunale Infrastruktur in den letzten Jahren machen sich in der Krise bezahlt“, erläutert er. Dadurch behalte die Gemeinde ihre wirtschaftliche Handlungsfreiheit.

Dennoch werde in den kommenden Jahren nur Geld für die kommunalen Pflichtaufgaben da sein. „ Alle freiwilligen Aufgaben müssen bis zur Besserung der Haushaltssituation zurückgestellt werden“, so der Bürgermeister. Dennoch blicke der durchaus optimistisch in die Zukunft. „Unsere heimischen Unternehmen haben die Krise bisher ganz überwiegend gut überstanden. Insbesondere die Familienunternehmen zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit und Robustheit aus“, sagt Rinke.

mm

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