Erika Holstein wird ihre "Buchhandlung am Hopfensee" Ende des Monats schließen

Eine Ära geht zu Ende

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Noch bis Ende Mai drückt Erika Holstein ihrem Stammkunden Eugen Bader „seine“ überregionale Tageszeitung in die Hand.

Hopfen am See – Ein weiteres Einzelhandel-Kapitel am Hopfensee ist beendet.

Nach Schließung des Geschäfts mit Lebensmitteln der Familie Hipp kommt jetzt das Aus für einen weiteren Inhaber geführten kleinen, aber feinen Laden. Nach 22 Jahren sind Ende Mai die Tage der „Buchhandlung am Hopfensee“ gezählt. 

Der Vermieter der Geschäftsräume meldete in seinem Schreiben an Inhaberin Erika Holstein Eigenbedarf an. Bis Ende Mai wird die Buchhandlung in der Uferstraße 2 noch die Eingangstür öffnen und ihren Kunden mit Beratung den Griff zu den besonders lesenswerten Neuerscheinungen erleichtern. 

Die Vorgeschichte zu der ersten und einzigen Buchhandlung im beschaulichen Hopfen am See – wo die inhabergeführten Geschäfte langsam aber sicher aussterben – ist spannend. Buchhändlerin habe sie nicht gelernt, erzählt Erika Holstein, jedoch einen guten kaufmännischen Beruf. Vor 70 Jahren in Kassel im Hessischen zur Welt gekommen, vertieft sich das Mädchen Erika in altersgerechte Lektüre. Es wird früh geheiratet – und umgezogen. Denn der Ehemann bekam eine berufliche Chance im Allgäu. „Unsere beiden Kinder kamen zur Welt. Ich war zu dieser Zeit Hausfrau“, erinnert sie sich. 

Die Ehe hielt nicht. Dann kam die Gelegenheit: „Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann“, sagte sie sich, als der Laden am Hopfensee – früher ein Handarbeitsstübchen – frei wurde und zu mieten war. Sie griff zu. 

Traum erfüllt

Als sie sich mit 48 Jahren ihren großen Traum erfüllte und sich mutig mit der Buchhandlung selbstständig machte, konnte sie einen großen Vorteil nutzen: Erika Holstein war, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, jahrelang in der Kurverwaltung beschäftigt.

 In ihrem Bücherangebot bildete von Anfang an das Allgäu einen literarischen Schwerpunkt. „Zu den gedruckten Wanderführern oder den Büchern mit Geschichten aus dieser schönen Region konnte ich meine Kunden mit Tipps versorgen“, freut sie sich, das Wissen aus der Kurverwaltung anderweitig nutzen zu können.

 Zur Eröffnung der Buchhandlung sprach seinerzeit Dr. Paul Wengert (SPD). Als damaliger Füssener Bürgermeister sah er in dieser Existenzgründung – wie sich Erika Holstein erinnert – eine Bereicherung für die Stadt. In der Tat entwickelte sich anschließend eine Partnerschaft zwischen der Buchhandlung und dem Haus Hopfensee. „Für Autorenlesungen war meine Buchhandlung zu klein.“ 

Gern gesehen ist Erika Holstein mit ihrem Büchertisch auch an der Fachklinik Enzensberg. Der persönliche Umgang mit den Kunden werde ihr fehlen, meint sie mit Blick aufs Aus ihres Geschäfts. Ein Beispiel für Kommunikation, wie diese ihr gefällt, hat sie sofort parat: „Kinder von Urlaubern sind als Erwachsene wieder zu mir gekommen und haben gesagt: 'Es ist schön. dass Sie noch da sind!'"

cf

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