Wegen immer mehr Brücken- und Klippenspringer erlässt Füssen ein Badeverbot am Maxsteg

Brückenspringer bei Füssen: »Das ist lebensgefährlich«

Lechfall in Füssen
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Um gefährliche Sprünge vom Maxsteg oder den umliegenden Klippen in den Lech zu unterbinden, erlääst die Stadt nun ein Badeverbot unterhalb der Brücke.
  • Matthias Matz
    vonMatthias Matz
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Füssen – Die Szene, vermutlich aufgenommen mit einer Handy-Kamera, mutet befremdlich an: ein Mann in schwarzen Neoprenanzug und rosa Shorts steht auf einem Brückengeländer und versucht das Gleichgewicht zu halten, während ein anderer ihm die rechte Hand hält. Plötzlich springt der Mann vom Brückengeländer auf ein Trampolin vor ihm und wird von diesem über das gegenseitige Geländer katapultiert. Unterwegs in die Tiefe macht der Mann drei Saltos, ehe er in das dunkle Wasser einer Schlucht eintaucht. Im Hintergrund ist kurz ein Wasserfall mit vier Stufen zu sehen. 

Erschienen ist das Video Ende März auf instagram und hat mittlerweile fast 170.000 Likes erhalten. Über 500 Nutzer haben den Clip kommentiert. Und es ist der Kurzfilm, der das Fass jetzt zum Überlaufen brachte: einstimmig hat der Stadtrat sich am Dienstagabend für ein Badeverbot unterhalb des Kaiser-Max-Stegs ausgesprochen. Denn vom Steg ist der Unbekannte in die Tiefe gesprungen.

Weil es sich dabei aber keineswegs um einen Einzelfall handelt, sondern um einen zunehmenden Trend, der sich in diesem Sommer möglicherweise noch verstärken wird, sah sich die Stadtverwaltung auf Betreiben der Polizei zum Handeln gezwungen. „Das ist lebensgefährlich, was die da machen“, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU).

Mit der neuen Badeverbote-Verordnung sollen solche Sprünge vom Maxsteg oder den umliegenden Klippen künftig bis zum Kraftwerk verboten werden. Der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung sah nur ein Verbot unmittelbar unterhalb des Stegs vor. Auf Vorschlag von Stadtrat Jörg Adam von den Freien Wählern erweiterte das Gremium die Verbotszone aber bis zum Kraftwerk. Bislang war Baden aus Sicherheitsgründen nur im Gipsbruchweiher und im Gipsbruchloch in Bad Faulenbach sowie an der Einmündung des Lechs in den Forggensee untersagt.

Ob das Verbot dem neuen Trend Einhalt gebieten wird, bleibt allerdings abzuwarten. Im Netz kursieren mittlerweile zahlreiche Videos von jungen Leuten, die vom Maxsteg oder den Klippen rund herum in den Fluss unterhalb des Lechfalls springen. Andere Aufnahmen zeigen unter anderem spektakuläre Sprünge von der Tiefentalbrücke ins darunter fließende Wasser. Zu sehen sind die Clips vor allem auf YouTube oder instagram.

Joe Huber von der Kraftwerk Füssen GbR, die das Kraftwerk am Lechfall betreibt, kennt diese Problematik schon länger. „Diese Sprünge gibt`s“, so Huber gegenüber unserer Zeitung. Zum Teil kämen die Springer sogar aus dem Ausland, wie beispielsweise der Schweiz, nach Füssen, um ihre Sprünge und Stunts für das Internet zu filmen. „Da gibt es alles mögliche“, erzählt er.

Auch die Polizei vermutet, dass es sich bei dem Springer vom Maxsteg um einen Ausländer handelt. „Die Truppe ist offensichtlich nicht nur in Deutschland, sondern auch grenzüberschreitend an Hotspots unterwegs“, erklärte Füssens Polizeichef Edmund Martin auf Anfrage des Kreisboten. Gegen die jungen Leute werde aktuell ermittelt. „Im Raum steht eine Ordnungswidrigkeit nach dem Landesstraf- und Verordnungsgesetz, die bußgeldbewährt ist.“

Bei einigen der Brücken- und Klippenspringer handle es sich auch um Halbprofis, die moderne Technik wie Drohnen einsetzen, um ein möglich spektakuläres und aufwändig inszeniertes Video für ihre Fangemeinde im Internet zu produzieren. Und natürlich: „Das ist auch eine Mutprobe“, so Huber.

Das professionelle Vorgehen der Springer kann auch Martin Mohr, beim Wasserwirtschaftsamt Kempten zuständig für den Lech bei Füssen, bestätigen. Bei vielen handle es sich um Profis, die vor dem Sprung Wasser, Umgebung und die Gesamtsituation teilweise Stunden lang und exakt ausspähen, um nichts dem Zufall zu überlassen. „Die schauen genau, wie tief das Wasser ist und wo sie wieder raus kommen“, berichtet er.

Sorgen bereitet sowohl Huber als auch Mohr aber auch, dass immer häufiger Menschen bei extrem niedrigem Wasser über die Wehranlage im Lech laufen. „Der Wasserspiegel kann sich sehr zügig ändern“, warnt Mohr. Werde im Kraftwerk Weisshaus aufgemacht, könne das Wasser je nach dem sehr schnell kommen. Mit Hinweis-Schildern werde davor zwar gewarnt, doch oftmals vergeblich.

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