Gespräche für Nachnutzung des Ex-Obi-Markts laufen

Miller & Monroe in Füssen: Nach acht Monaten ist Schluss

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Nur acht Monate nach der Eröffnung schließt die Miller & Monroe-Filiale im Theresienhof schon wieder.

Füssen – „Wir schließen. Alles muss raus“-Plakate in den Miller & Monroe-Schaufenstern im Theresienhof kündigen es schon länger an: Die Ware wird noch bis Ende Mai verkauft, dann ist schon wieder Schluss.

Dabei zog das Modegeschäft vor gerade einmal acht Monaten in das Einkaufszentrum ein. Doch der Betreiber Vidrea Deutschland GmbH ist mittlerweile insolvent, wodurch in der Lechstadt neben dem ehemaligen Obi-Markt der nächste große Leerstand droht. 

Nach dem Aus der Schweizer Bekleidungskette Charles Vögele sollte es ein Neuanfang werden: Der Betreiber Vidrea Deutschland GmbH hatte im vergangenen Jahr die deutschen Läden der Schweizer übernommen und im Zuge dessen auch die Füssener Filiale umgebaut. Bei der Übernahme lief aber offenbar nicht alles glatt. Laut Vidrea-Geschäftsführer Alexander Hes sei der jetzige Schritt notwendig geworden, weil unter anderem finanzielle Zusagen des Verkäufers durch die Insolvenz der Vögele Gruppe nicht eingehalten wurden. 

„Die wirtschaftliche Lage der vormaligen Charles Vögele GmbH, welcher die deutschen Filialen gehören, war bei der Übernahme durch die Victory & Dreams Gruppe deutlich schlechter, als dargestellt“, so Hes. Die Betreibergesellschaft, die zur niederländischen Victory & Dreams Gruppe gehört, betreibt 160 Modefilialen in Deutschland und beschäftigt rund 1800 Mitarbeiter. 

Im Zuge des Insolvenzantragsverfahren bestellte das Amtsgericht Hechingen in Baden-Württemberg Jochen Sedlitz von der Stuttgarter Kanzlei Menold Benz zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Dieser analysierte mit seinem Team und der Geschäftsleitung um Hes den Betrieb und die Insolvenzgründe. Das Ziel sei ein Sanierungskonzept, das möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte erhält.

Verkauf bis 31. Mai

Mittlerweile steht jedoch fest: Eine Fortführung der Läden unter der Marke Miller & Monroe kommt nicht in Betracht. Wegen hoher Mietrückstände seien die meisten Vermieter nicht bereit, an einer Lösung unter Beteiligung der niederländischen Unternehmensgruppe Victory & Dreams, die die Markenrechte an dem Label Miller & Monroe besitzt, mitzuwirken. „Hier wurde leider seit der Übernahme der ehemaligen Charles Vögele-Filialen sehr viel Porzellan zerschlagen“, erklärte Sedlitz. „Außerdem erwirtschafteten die Geschäfte unter dem Label Miller & Monroe in den zurückliegenden Monaten sehr hohe Verluste, die eine langfristige Fortführung ohne grundlegende Sanierung oder ein neues Konzept nicht zulassen.“ Und das müsse über einen Investor erfolgen. Derzeit wird die vorhandene Ware noch bis 31. Mai verkauft. 

Parallel dazu steht Sedlitz nach eigenen Angaben kurz vor Abschluss der Verhandlungen mit einer Unternehmensgruppe, die die Läden unter eigenem Konzept und eigener Ware ab dem 1. Juni übernehmen möchte. Die Mitarbeiter sollen dabei ein Angebot zum Wechsel in ein neues Arbeitsverhältnis erhalten. Ob das gelingt, sei aber noch offen. Denn auch die jeweiligen Laden-Vermieter müssten da mitziehen. Und die haben zum Teil schon Nachmieter gefunden. „Hier werden wir dennoch versuchen, ob es eine Zukunft für die Mitarbeiter bei einem Nachmieter gibt“, so Sedlitz.

Im Füssen vermietet die Oberstdorfer Unternehmensgruppe Geiger, der der Theresienhof gehört, die Miller & Monroe-Flächen. Und die möchte erneut ein Geschäft mit Textilangebot dort unterbringen. „Das rundet die Gesamtpalette ab. Außerdem sind die Sortimente durch den Bebauungsplan vorgegeben“, erklärte Hans Lipp, Chef der Geiger-Projektentwicklung.

 Er selbst bedauerte zwar, dass nach Charles Vögele nun auch dessen Nachfolger schließen muss. Das habe allerdings nichts mit dem Einkaufszentrum, sondern mit der generell schwierigen Situation in der Textilbranche zu tun. Sein Unternehmen sei nach wie vor davon überzeugt, dass das Konzept des Theresienhofs richtig war. 

Kein Baumarkt mehr? 

Etwa zwei Kilometer weiter nord-westlich steht ein anderes Gebäude dagegen schon seit über einem halben Jahr leer: Der ehemalige Obi-Markt im Moosangerweg. Weil die Konkurrenz durch den neuen V-Baumarkt im Gewerbepark Allgäuer Land zu groß wurde, musste Obi Mitte Oktober schließen. 

Über die Nachfolgenutzung hält sich der Vermieter, die Immler Treuhand KG aus Isny, derzeit noch bedeckt. „Wir arbeiten aktiv an dem Projekt. Wir sind in Gesprächen“, erklärte Alexander Immler, der für Expansion und Finanzen zuständig ist, gegenüber dem Kreisbote. Seine Firma wolle eine gute Lösung für die Füssener erreichen und werde dabei auch von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) unterstützt. Ein Baumarkt werde aber wahrscheinlich nicht mehr in die Räume einziehen, so Immler. Aber: „Es ist noch zu früh, das weiter zu konkretisieren.“ 

Viele Füssener haben dagegen ziemlich genaue Vorstellungen, was künftig in dem Gebäude angeboten werden soll. Bei einer Online-Umfrage unserer Zeitung im November sprach sich fast die Hälfte der Teilnehmer für Indoor-Freizeiteinrichtungen wie eine Kartbahn, Paintball, Bowling, Lasertag, Badminton oder einen „Escape Room“ aus. Bei Bürgermeister Iacob stießen sie damit auf offene Ohren. „Vom Grundsatz her wäre das eine tolle Sache!“, sagte er. „So eine Freizeitanlage hielte ich für gut!“ 

Die Sache hat nur einen Haken: Der Bebauungsplan sieht dort ein „Sondergebiet Bau- und Gartencenter“ vor. Sollte die Firma Immler tatsächlich einen Betreiber oder Investor für eine Freizeitanlage finden, „bleibt nichts anderes übrig als eine Bebauungsplanänderung“, erläuterte er. „Ich würde mich offensiv dafür einsetzen und bin mir sicher, dass auch der Stadtrat das mittragen würde.“

Katharina Knoll

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