Zeit der Sehnsucht

Weihnachten im Einsatz – Soldaten verbringen die Feiertage in Gao

Hauptstabsgefreiter (w) L. und Stabsgefreiter K. helfen im Camp Castor beim schmücken der Weihnachtsbäume.
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Hauptgefreiter (w) L. und Stabsgefreiter K. helfen im Camp Castor beim schmücken der Weihnachtsbäume.

Füssen/Gao – Weihnachten ist die Zeit funkelnder Lichter, der Familie und des Genusses. Für viele Menschen ist es auch eine Zeit der Sehnsucht. Die Soldaten und Soldatinnen der Allgäukaserne Füssen, welche heuer die Feiertage im Einsatz in Mali verbringen müssen, wissen das nur zu gut. Aus diesem Grund geben sie sich alle Mühe, ein kleines bisschen Weihnachtsgefühl und -ambiente ins Camp Castor zu zaubern. Vom Dienstherr erhalten sie dafür echte Christbäume. Die Feldpost trägt ebenfalls dazu bei, und lässt wöchentlich Karten, Briefe und Päckchen aus der Heimat einfliegen.

Die sogenannte MINUSMA ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen. Das Deutsche Kontingent, aktuell unter anderem mit Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons aus Füssen (wir berichteten), wirkt dort bei der internationalen Krisenbewältigung und Konfliktverhütung in dem von Terror geplagten Land mit.

In den Arbeits- und Aufenthaltsbereichen wurde bereits fleißig geschmückt. Pünktlich zum ersten Advent kamen mit der Luftfracht echte Christbäume in Gao an. Diese wurden mit Lichterketten und Weihnachtdekoration geschmückt, um ein wenig weihnachtliche Stimmung inmitten der Wüstenlandschaft zu zaubern. Es ist bereits eine lange Tradition in der Bundeswehr, für die Einsatzgebiete Bäume zu besorgen und mit dem Versorgungsflieger zukommen zu lassen.

Feldgottesdienst

Am Nikolaustag fand ein Feldgottesdienst mit weihnachtlichem Bezug statt. So hatten die rund 35 Teilnehmer genug Platz, um den nötigen Abstand voneinander einzuhalten und dennoch im Gebet zusammenzufinden.

Oberstabsfeldwebel B. übernimmt einen Teil der Weihnachtsdeko im Aufenthaltsbereich der Soldaten.

Ein Besuch vom Nikolaus stand Anfang des Monats auf dem Programm. Er brachte etwas Abwechslung in den Lageralltag und dazu ein paar weihnachtliche Leckereien. Jeden Freitag sollte ein kleiner Weihnachtsmarkt mit verschiedenen Weihnachtsbuden stattfinden. Dieses Jahr waren die Soldatinnen und Soldaten aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie gezwungen, darauf zu verzichten. Denn auch im Camp Castor gelten die Regeln zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion. Normalerweise betreiben die einzelnen Kompanien jeweils einen kleinen Stand. In den vergangenen Jahren boten sie dort Waffeln, Bratwurst, alkoholfreien Punsch und vieles mehr an.

Beim Schein der Lichterketten können die Soldaten auch die Bundesliga verfolgen.

„Brücke in die Heimat“

Briefe, Karten und Pakete von zu Hause tragen maßgeblich zur weihnachtlichen Stimmung bei. Damit diese reibungslos im Einsatzland ankommen, gibt es bei der Streitkräftebasis die Feldpost. Ihren Sitz hat sie bereits seit 1992 in Hessen, genauer in Darmstadt. Von der Truppe werden die Feldpostler liebevoll die „Brücke in die Heimat“ genannt. Durch das erhöhte Aufkommen von Päckchen und Briefen in diesen Tagen, muss alles gut koordiniert werden. Den Feldpostlern ist bewusst, wie wichtig die Weihnachtsgrüße und die Geschenke von Familie und Freunden sind. Tatsächlich landete kürzlich die größte Postlieferung seit der Übernahme des MINUSMA-Einsatzes durch die Bundeswehr. 49 vollbepackte Paletten mussten in der Maschine Platz finden.

Es sind „die Kleinigkeiten, die Soldaten im Einsatz vermissen“

Lengenwangs Patenkompanie ist das 4. Gebirgsaufklärungsbataillon 230 (4./GebAufklBtl 230) aus Füssen. Auch Soldaten und Soldatinnen dieser Kompanie befinden sich seit Ende August im Einsatz als „Blauhelme“ in Gao. „Es ist besonders wichtig den jungen Soldaten das familiäre Gefühl der Kameradschaft zu vermitteln und so manch einen wieder aufzufangen. Für mich persönlich ist es das vierte Weihnachtsfest in einem Einsatz der Bundeswehr und ich kenne die Gefühle der Einsamkeit und des Heimwehs genau!“, sagte Stabsfeldwebel Thomas B. „Die Entbehrungen in einem Einsatzgebiet, wie es die Sahelzone ist, sind sehr hoch. Es sind die Kleinigkeiten die wir Soldaten vermissen, ein Stück Christstollen, eine Scheibe frisches Brot oder der Duft eines frisch geschlagenen Weihnachtsbaumes etwa. Wir sind zwar gut versorgt, aber es ist halt nicht die Heimat“, fügte er hinzu.

Auch Lengenwangs Patenkompanie darf sich über Grüße aus der Heimat freuen. Der Soldaten- und Reservistenverein Lengenwang schickte Allgäuer Spezialitäten nach Gao.

Für den Soldaten- und Reservistenverein Lengenwang Grund genug um den Soldatinnen und Soldaten ihrer Patenkompanie ein kleines Stück Heimat in das fast 4000 Kilometer entfernte Mali zu senden. So bekam jeder Soldat der 4./GebAufklBtl 230 ein Stück Allgäu in Form von feinen Spezialitäten aus der geliebten Heimat. Eine Geste der Wertschätzung und Verbundenheit.

Heiligabend in Gao

Viele Soldaten haben kleine Rituale mit Bezug zu Weihnachten eingeführt. So werden zum Beispiel in einem Büro der Gebirgsaufklärer an den Adventssonntagen ein Weihnachtsstollen aufgeschnitten, Gebäck sowie Spekulatius-Kekse bereitgestellt und beim Duft einer Räucherkerze gemeinsam genossen. An Heiligabend wie auch den beiden Weihnachtfeiertagen haben die Kompaniefeldwebel für ihre Soldaten kleine Weihnachtsfeiern mit Wichteln geplant. Auch die Truppenküche wird für alle ein spezielles Weihnachtsmenü kochen. Da nicht nur deutsche Soldaten im Camp Castor ihren Dienst für die Vereinten Nationen leisten, sondern auch Briten, Schweden, Belgier, Schweizer, Litauer, Esten und sogar Kameraden aus El Salvador, wird das Weihnachtsessen sehr international. Es kommen dann viele exotische Köstlichkeiten auf den Tisch.

Selma Höfer

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