Die einen hoffen, die anderen sagen ab

Weihnachtsmärkte: Kaufbeuren und Füssen trotzen Corona

Adventsmarkt im Füssener Klosterhof
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Trotz Corona soll der Adventsmarkt im Füssener Klosterhof stattfinden.

Landkreis/Füssen – Wegen Corona ist heuer alles ein bisschen anders und schwieriger und unbequemer. „Aber wir geben nicht auf und tun unser Bestes, dass es trotzdem ein schöner Markt wird“, sagt Lena Schweitzer vom Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing e.V., die für den Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz zuständig ist. Die Entscheidung ist gefallen, der Weihnachtsmarkt soll vom 27. November bis zum 22. Dezember stattfinden. Auch Füssen hält an seinem Adventsmarkt fest. Anders sieht es in Marktoberdorf, Hirschzell, Buchloe und Neugablonz aus. Dort sind die weihnachtlichen Märkte gestrichen.

Alexander Kraus vom Café Weberhaus hat händeringend auf diese Entscheidung gewartet. Normalerweise seien schon Ende August die Vorbereitungen für seinen Feuerwurst-Stand abgeschlossen. Dieses Jahr sei für ihn die reinste Zitterpartie gewesen. Bis Ende September hatte er wegen der herrschenden Planungsunsicherheit noch nichts eingekauft. „Aber logischerweise sind wir dabei“, auch wenig Besuch sei besser als keiner, und außerdem „tun wir, was wir können“ für die Weihnachtsstimmung.

Natürlich muss es gemäß des vom Bayerischen Staatsministerium Mitte Juli erlassenen „Rahmenhygienekonzepts für Märkte ohne Volksfestcharakter“ Einschränkungen geben: Oberstes Gebot ist die Einhaltung des Mindestabstands. Zu diesem Zweck werden die Buden auf dem Kirchplatz „entzerrt“ und das Karussell sowie das Rahmenprogramm – Chöre, Blasmusik, Stadtwette, Kinderaufführungen, Nikolausbesuch und Engele – gestrichen, um Zuschauer-Ansammlungen zu vermeiden. Über mögliche Alternativen für Engel und Weihnachtsmann denkt man beim Stadtmarketing derzeit noch nach. Es wird jedenfalls keine Bühne benötigt und der große Feuerwurst-Stand wird aus der Platzmitte an den Rand verlegt. So entsteht genügend Raum für die gebotenen Abstände zwischen den 21 Buden, die komplett vergeben sind. Fast alle Händler sind geradezu begierig darauf, mitzumachen. Derzeit ist (noch) keine „Einbahnstraße“ vorgeschrieben und auch Alkohol ist (noch) nicht grundsätzlich verboten.

Kein Rahmenprogramm

Auf dem gesamten Platz besteht Maskenpflicht, nur zum Verzehr dürfen die Masken abgenommen werden. Die Öffnungszeiten wurden geringfügig reduziert: Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr, unter der Woche von 15 bis 18 Uhr. Alles in allem müssen die Besucher des Kaufbeurer Weihnachtsmarktes zumindest nicht auf die gewohnten vorweihnachtlichen Düfte verzichten oder auf den Last-Minute-Einkauf von Christkindl-Dekoration und sonstigen Weihnachtsmarktartikeln.

Ebenfalls stattfinden soll der romantische Adventsmarkt im barocken Ambiente des Füssener Klosterhofs St. Mang. Der Innenhof des einstigen Benediktinerklosters wird sich am zweiten und dritten Adventswochenende jeweils drei Tage lang wieder in ein romantisches Lichterland mit weihnachtlich dekorierten Markthäuschen verwandeln, die den Fassaden der Altstadt nachempfunden sind. Öffnungszeiten sind an den Freitagen von 17 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 20 Uhr. Ein Höhepunkt des Marktes ist traditionell die Christbaumversteigerung für einen guten Zweck am letzten Abend. Das sonstige Rahmenprogramm wurde allerdings gestrichen.

Dank dem umfangreichen Hygienekonzept inklusive Personenobergrenze und Maskenpflicht können Besucher den Adventsmarkt einigermaßen unbeschwert genießen. Da es zum Klosterhof nur einen einzigen Zugang gibt, ist eine Kontrolle der Besucherzahlen gut umsetzbar. Zusätzlich legt jede Bude, nach denen eine große Nachfrage bestand, ein eigenes Hygienekonzept vor. Über Plexiglas-Abtrennungen auf den Stehtischen denke man, so Tara Hartmann von Füssen Tourismus und Marketing (FTM), derzeit noch nach, ebenso über eine mögliche „Einbahnstraße“.

Gerade hatte sich – nach dem Wegfall des IN-Christkindls vor einigen Jahren – mit dem vierspännig vorfahrenden Hl. Nikolaus samt Helferengeln zaghaft eine neue Tradition entwickelt – nun musste der dreitägige Nikolausmarkt in Neugablonz für 2020 wieder abgesagt werden. Wer jemals den chaotischen Ansturm erlebt hat, wenn sich die Kinder auf dem Neuen Markt ihre Nikolaus-Säckchen abholen dürfen, wird Quartiersmanagerin Sylwia Pohl zustimmen. Denn sie meint, dass Mindestabstände hier unmöglich einhaltbar seien. Das Risiko sei einfach zu groß. Allerdings überlegt man gerade, ob man den Nikolaus mit seinen Gaben vielleicht von Haus zu Haus schicken kann.

Keine Abstände

Aus ähnlichen Gründen wurde der – wegen des rechtzeitigen Verkaufs der für einen guten Zweck gebundenen Adventskränze immer eine Woche vor dem 1. Advent stattfindende – Wochenend-Weihnachtsmarkt am/im Hirschzeller Schneiderstadel für dieses Jahr gestrichen. Es sei stets so „rammelvoll“, dass man die gebotenen Abstände nicht einhalten könne, hieß es. Katharina Wiedemann, Erste Vorsitzende des organisierenden Vereins „Hirschzell-gemeinsam-aktiv-e.V.“ äußerte, Alternativen würden gerade diskutiert, seien jedoch noch nicht spruchreif.

Ebenfalls abgesagt wurde der dreitägige mittelalterliche Weihnachtsmarkt am Fünfknopfturm, das habe der Verein Mitte September entschieden, teilte der 1. Vorsitzende Markus Lehner mit. „Wir wissen nicht, was da noch kommt“, meinte er. Das Risiko sei für den Verein sowohl gesundheitlich als auch haftungsmäßig als auch finanziell zu groß. Eventuell wäre noch denkbar, sich mit einer Bude am Markt auf dem Kirchplatz zu beteiligen. Dennoch wolle der gemeinnützige Verein wie jedes Jahr ein Helferessen veranstalten und den Rest der Beiträge an einen Corona-geschädigten Verein spenden. Einem Verein wie zum Beispiel dem Puppentheater Kaufbeuren.

Obwohl „der Weihnachtsmarkt zu Oberdorf gehört wie die Wurst zur Semmel“, wie es Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell noch 2019 zur Eröffnung des „weihnachtsMARKToberdorf“ formulierte, wurde der Weihnachtsmarkt für 2020 „auf Grund der erneut stark ansteigenden Infektionszahlen der Corona-Pandemie“ Ende September definitiv abgesagt. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und alle möglichen Varianten erörtert, hieß es im offiziellen Schreiben der Stadt an Händler und Medien, man habe jedoch eingesehen, „dass unter den gegenwärtigen Umständen ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt mit der für die Händler notwendigen Besucherfrequenz nicht möglich ist“.

Schließlich wird auch der vom veranstaltenden Gewerbeverein ursprünglich für den 4. bis 6. Dezember vorgesehene Christkindlmarkt am Kirchparkplatz in Buchloe voraussichtlich nicht stattfinden, lässt der Gewerbevereins-Vorsitzende Niko Stammel wissen. Auch hier denke man über Alternativveranstaltungen nach, sei jedoch ebenfalls noch zu keiner endgültigen Entscheidung gelangt.

Weitere Informationen zu den beiden stattfindenden Märkten in Füssen und Kaufbeuren gibt es online unter www.weihnachtsstadt-im-allgäu.de und www.fuessen.de/veranstaltungen/highlights/adventsmarkt.html.

iza

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