Aus Giovannis Weinladen wird Weinkost Berger.

Eine Tradition fortsetzen

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Martina und Simon Berger in ihrem Weinladen „Weinkost Berger” an der Füssener Lechhalde.

Füssen – In der Füssener Innenstadt versteckt sich in so mancher Ecke ein Geschäft, das sich von der Masse abhebt. Ob ungewöhnliche Hutkreationen oder bunte Torten: Das Angebot ist speziell. Diese kultigen Szenetreffs stellt der Kreisbote in seiner Serie „Kultcharakter” vor. Heute geht es um „Weinkost Berger“.

Aus Giovannis Weinladen wurde Weinkost Berger. Für die Stammkunden des Fachgeschäfts an der Füssener Lechhalde hat sich dadurch kaum etwas geändert. Denn während der langjährige Inhaber Jürgen Kassner im besten Rentenalter seinen Ruhestand genießen kann, war der 28-jährige auslandserfahrene Simon Berger als sein Nachfolger von Anfang an darauf eingestellt, die Familientradition im Weinhandel fortzusetzen. „Dazu gehört die persönliche Beratung. 

Wir bieten eine Weinverkostung an, wenn ein Kunde einen neuen Wein noch nicht kennt und sorgen auch sonst dafür, dass der Einkauf bei uns immer zu einem schönen sinnlichen Erlebnis wird“, sagt Berger beim Besuch des Kreisbote zur Geschäftsphilosophie, die in einem der ältesten Häuser der Füssener Altstadt herrscht. Berger meint, dass es jetzt an der Zeit sei, dass seine Generation den Beweis antrete, „dass man etwas hier in der Stadt bewegen kann“. Bindeglied zum „Großonkel Jürgen“ ist Martina Berger, Simons Mutter. Für die Weinliebhaber aus nah und fern ist sie seit über einem Jahrzehnt ein bekanntes Gesicht. 

Beide Bergers sind seit 1. Januar 2018 für das Fachgeschäft verantwortlich. „Wir mussten in den übernommenen Räumlichkeiten nichts groß verändern“, sagt er. „Uns gefällt es hier so, wie es ist – und den Kunden offensichtlich auch“, blicken sie auf den gemeinsamen Start und das erste Geschäftsjahr zurück. „Jede Geschäftsgründung oder -übernahme birgt ein gewisses Risiko. Das ist uns klar. 

Wir aber können inzwischen sagen, dass unser Kundenstamm größer geworden ist“, unterstreicht Martina Berger die ökonomisch positive Weiterentwicklung bei „Weinkost Berger“. 

Hochprozentige Spezialitäten

Dass es richtig rund läuft, habe viel mit einem Generationswechsel zu tun. „Wer im Alter meines Sohnes ist, trinkt nicht nur Bier. Das sind Genießer. Die jungen Leute schätzen ein gutes Essen und dazu gehören die guten Weine, die wir im Sortiment haben.“ 

Ein Schwerpunkt liege aufgrund der räumlichen Nähe natürlich auf der Kooperation mit italienischen und österreichischen Winzern – wo sich ebenfalls ein Generationswechsel abzeichnet. Zudem sei der Kontakt zu Weingütern im Rheingau exzellent. Die Bergers setzen zusätzlich auf die Qualität von hochprozentigen Spezialitäten. Liebhaber eines guten Grappa (Trester) sind hier bei „Weinkost Berger“ an der richtigen Adresse. „Wir pflegen den Kontakt zu einer kleinen Brennerei im Piermont. Die Brennerei Gualco wird in der dritten Generation geführt“, erläutert Simon Berger. 

Hergestellt werde dort traditionell ein „ganz vorzüglicher Grappa“. Auf dem Flaschenetikett steht „di Susanna“. Mit dieser Empfehlung weckt Martina Berger die Lust, im Kreis guter Freunde mit einem Glas Grappa anzustoßen. Ihrem Sohn Simon, Jahrgang 1990, wurde sein heute ausgeübter Beruf nicht in die Wiege gelegt. „Ich habe bei Mendler in Füssen Automobilkaufmann gelernt“, blickt er auf seinen Start in die Arbeitswelt zurück. 

Das als Lehrling erworbene kaufmännische Wissen baute er durch Tätigkeiten im Vertrieb aus, die ihn bis nach Australien führten, wo er ein Jahr lebte. „Zuvor war ich ebenfalls mit Mode beschäftigt“, sagt er und verweist auf seine Mitarbeit beim jungen Templeton-Team, das seine Ideen als Mieter im „Magnuspark am Lech“ entwickelt. Längere Zeit war Simon Berger auch bei Ruby Soho in der Reichenstraße. 

Während der ersten Monate in Australien – dort wird ein erlesener Weißwein serviert – war der Gedanke, sich als Weinhändler selbstständig zu machen, nicht gereift. Den Gedanken, die berufliche Zukunft gemeinsam zu gestalten, kam erst beim dreiwöchigen Besuch der Eltern auf.

Persönliche Empfehlungen

„Wir verstehen uns gut“, betonen Mutter und Sohn. Auf dieser emotionalen Basis sei auch ein Weg in die Selbstständigkeit möglich, zumal an die verwandschaftliche Vorleistung direkt angeknüpft werden konnte. So bleibt Energie frei, neben dem bekannten Sortiment die Kunden auf „Newcommer“ aufmerksam zu machen und diese Weine bei einer Verkostung beurteilen zu lassen. 

Hervorragende Weine und „mehr als faire Preise“ sollen in der Nachfolge von Kassners „Giovanni“ – den es ja in Füssen als authentische Person nie gab – auch bei den Bergers als Markenzeichen gelten, das sich herumspricht. „Wir machen keine große Werbung, wir können uns im Grunde auf die Mund-zu-Mund Propaganda verlassen“, sagt der neue Inhaber selbstbewusst. 

Dass dies funktioniert und die Leute zu „Weinkost Berger“ in Scharen strömen bewies ein spontan organisierter Abend mit dem Füssener Trio „Barons & Pearls“.

Individuelle Betreuung

Eher typisch für „Weinkost Berger“ ist dieses Szene während des Gesprächs mit dem Kreisbote: Ein Kunde will noch schnell im Kollegenauftrag ein „flüssiges Geburtstagsgeschenk“ besorgen. Simon Berger zeigt ihm zwei unterschiedliche Flaschen und beschreibt fachmännisch und freundlich den Charakter des jeweiligen Rotweins. Der Kunde kann sich daher schnell entscheiden. Seine Bitte, die Flasche nett zu verpacken, wird augenblicklich erfüllt. 

Wer die Szene beobachtet, beginnt zu verstehen, warum Simon Berger Internet-Shops nicht als bedrohliche Konkurrenz sieht. Er ist sich sicher: auch dieser ihm noch unbekannte Kunde kommt wieder – „und empfiehlt uns wahrscheinlich auch gern weiter!“. „Gerade weil unsere Kunden häufig vor Ort sind, können wir ganz individuell und entsprechend der speziellen Wünsche reagieren“, kommentiert Berger den persönlichen Geschäftskontakt, „auf den wir größten Wert legen“. 

Nicht zu vergessen, was Martina Berger ergänzt: „Wir liefern die gewünschten Weine selbstverständlich auch gerne aus, in private Haushalte und auch angemietete Säle für eine Hochzeit oder ein anderes schönes Fest.“ Damit ist klar: „Weinkost Berger“ versteht sich in erster Linie als moderner Dienstleister. Mutter und Sohn kommen mit Beratung und Service in Kombination mit dem ausbaufähigen Sortiment an Weinen und Spirituosen beim Kunden gut an. Dadurch entstand in Füssen keine Lücke, als „Giovanni“ in Pension ging.

Chris Friedrich

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