Wohin geht die Reise?

Nur wenige Bürger kommen zur Bürgerinfo über ISEK 

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Die Morisse mit ihrem Parkplatz ist eine der wenigen noch verbliebenen Freiflächen in Innenstadt-Nähe und dementsprechend im Fokus der Stadtplaner.

Füssen – Seit 2015 arbeiten Planer, Stadtverwaltung und Stadtrat am Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK). Das Konzept soll aufzeigen, wie und in welche Richtung sich die Innenstadt in den kommenden Jahren städtebaulich entwickeln könnte. 

Das Interesse der Bürger an dem Strategiepapier scheint dennoch nicht allzu ausgeprägt zu sein: Rund 70 von ihnen fanden sich jetzt zu einer Bürgerinformation ins „Haus Hopfensee“ ein. Diejenigen, die gekommen waren, gaben Planern und Verwaltung aber ganz konkrete Anregungen mit auf den Weg.

Dabei wurde vor allem deutlich, dass das Fehlen eines Kinderspielplatzes oder überhaupt Freizeitmöglichkeiten für junge Familien in Innenstadtnähe die Bürger beschäftigt. Verschärft wird die Situation noch durch die Absage an den Abenteuerspielplatz im Baumgarten (der Kreisbote berichtete). So forderte Maria Allgaier, dass im Freyberg-Park ein großer Spielplatz gebaut werden sollte. „Ich finde, dass muss in dieses Konzept rein!“, betonte sie. 

Mathias Struck kritisierte hingegen, dass es in der Stadt grundsätzlich an Freizeitmöglichkeiten für junge Familien – vor allem in den Wintermonaten – fehle. Er selbst habe sich auf die Fahnen geschrieben, das zu ändern, erklärte er. Seine Frage in Richtung des Podiums: Was ist in dieser Richtung im ISEK vorgesehen? Bürgermeister Paul Iacob (SPD) entgegnete Struck, dass hier tatsächlich eine Lücke gebe und er mit der Immler Treuhand KG, Eigentümerin des leerstehenden Obi-Marktes im Moosangerweges, Gespräche über eine Freizeiteinrichtung in dem Gebäude führe. Bei einer Online-Abstimmung unserer Zeitung im Herbst hatte sich ebenfalls eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer für ein solches Angebot dort ausgesprochen. „Es wird aber nicht ganz einfach, das umzusetzen“, erklärte Iacob. In den ebenfalls als möglichen Standort ins Gespräch gebrachten alten Hanfwerken soll dagegen keine Freizeiteinrichtungen angeboten werden. Hier soll es weiterhin beim kulturellen Angebot bleiben. 

Zum Thema Spielplätze erklärte Iacob, dass die Idee eines Spielplatzes im Freybergpark in den Ideen-Wettbewerb zur Umgestaltung des ZOB (der Kreisbote berichtete) mit aufgenommen werde. Denn der jetzige Spielplatz im Park sei nicht akzeptabel. Darüber hinaus sei im Zuge von ISEK angedacht, den Geh- und Radweg von der Altstadt zum Bootshafen auszubauen und mit Spielgeräten aufzuwerten. 

Szenarien für Morisse 

Ein weiteres Thema, das die Anwesenden an diesem Abend umtrieb, war die Morisse und deren künftige Nutzung. Wie Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Ferdinand Kaiser von Kling Consult zuvor erläutert hatte, seien für die Fläche unmittelbar am Eingang zur Innenstadt zwei Szenarien denkbar: Zum einen eine Kombination aus Bebauung für weiteren Einzelhandel mit Tiefgarage für Pkws sowie oberirdische Busparkplätzen, „um die Innenstadt zu erweitern“, oder eine gemischte Bebauung aus Wohnungen und Einzelhandel mit oberirdischen Parkplätzen. „So könnte es aussehen, aber auch anders“, so Kaiser. 

Dr. Tanja Seider stellte daraufhin die Frage in den Raum, ob es Sinn mache, Müller und Feneberg auf der Morisse Konkurrenz zu machen. Willi Martin aus Hopfen wollte wissen, ob es bereits einen Zeitplan für die Bebauung der Morisse gebe, während Petra Schwartz sich darum sorgte, wo die Autos und Busse der Touristen hin sollen, wenn es den Morisse-Parkplatz nicht mehr gebe. 

Eine andere Besucherin regte an, auf der Morisse Einrichtungen für betreutes ambulantes Wohnen zu bauen. Bürgermeister Iacob erklärte, dass die Stadt selbst – unabhängig von der Nutzung – auf der Morisse nichts bauen werde. „Wir bauen dort gar nichts, sondern ein Investor“, betonte er. Die Stadt stelle bei entsprechenden Angeboten lediglich den erforderlichen Grund und Boden zur Verfügung. Seiner Ansicht nach seien ein neuer Feneberg-Markt in Kombination mit Wohnungen „eine sinnvolle Sache“. 

Zum Thema Busparkplätze sagte er: „Wir sind mit der Situation mit den Ein-Tages-Bussen auch nicht zufrieden!“ Allerdings werde derzeit bekanntlich an einem Buskonzept gearbeitet (der Kreisbote berichtete). „Es gibt die Möglichkeit, dass wir die Busse außerhalb parken lassen.“ 

Denkmalschutz gilt 

Umgesetzt werden sollen die Baumaßnahmen in der Innenstadt entsprechend der Altstadtsatzung und in Absprache mit dem Denkmalschutz und der Öffentlichkeit, erwiderte der Rathauschef Adrian Graf auf seine Frage, wer für die architektonische Gestaltung der geplanten Arbeiten zuständig sein werde. Als Beispiel nannte er ein neues Pflaster für die Fußgängerzone, dessen Gestaltung natürlich auch mit den Bürgern diskutiert werde. „Wir legen sehr viel Wert auf den Denkmalschutz“, betonte Iacob. „Manches könnte man sogar wieder zurück drehen.“ Denn in der Vergangenheit sei manches nicht dem Ursprung entsprechend verändert worden. 

Kritik am Vorgehen übte hingegen Alexander Mayerhofer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Gemeinsam wir“, der der Verwaltung vorwarf, die Bürger beim ISEK-Prozess nicht ausreichend miteinbezogen zu haben. „Es ist sehr schade, dass in Füssen so wenig auf die Bürger eingegangen wird“, sagte er. „Mir fehlt die Beteiligung der Bürger, Firmen und Unternehmen!“, so Mayerhofer weiter, der wissen wollte, wie der Prozess in der Stadt Sonthofen vonstatten gegangen sei. Dort habe es tatsächlich eine Planungswerkstatt mit den Bürgern gegeben, erläuterte Ferdinand Kaiser. In Füssen habe dagegen der Stadtrat vieles vorgearbeitet. 

Sollten in der Lechstadt noch deutlich mehr Anregungen vonseiten der betroffenen Bürger kommen als bisher, sei auch hier noch eine Planungswerkstatt oder eine weitere Bürgerbeteiligung denkbar. 

Nach derzeitigem Stand der Dinge können die Füssener noch bis zum 21. Juni ihre Anregungen, Ideen und Vorschläge zur künftigen Stadtentwicklung im Rathaus einreichen. Verabschiedet werden soll ISEK im Stadtrat dann noch in diesem Jahr.

Matthias Matz 

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