Füssener Museumsleiter zieht Bilanz

Der Sommer war zu gut

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Weniger Besucher verzeichneten 2018 nicht nur die Museen der Stadt Füssen. Ein Rückgang war auch in anderen Museen im Allgäu zu beobachten.

Füssen – Deutlich weniger Besucher verzeichneten die Museen der Stadt Füssen 2018 (rund 42.000) als noch 2017 (rund 47.000).

„Das ist nicht so, weil die Museen so schlecht geworden sind, sondern weil das Wetter so gut war“, erklärte Museumsleiter Dr. Anton Englert bei seinem Jahresrückblick im Kulturausschuss. Das gehe aus den Aufzeichnungen der Museumsmitarbeiter hervor und bestätigen auch die rückläufigen Besucherzahlen in anderen Museen im Allgäu. 

Dabei fällt der Rückgang 2018 in den Galerien im Hohen Schloss (2018: rund 25.000 im Vergleich zu rund 27.000 in 2017) geringer aus als im Museum der Stadt Füssen (2018: rund 17.000 im Vergleich zu rund 20.000 in 2017). Das liege daran, dass das Hohe Schloss als bischöfliche Burg die ganze Gegend bestrahle, so Englert. Viele wollen wissen, wie das Schloss, das über Füssen droht, von innen aussieht. 

Fällt der Blick auf die einzelnen Monate, zeigt sich, dass im Mai während der Pfingstferien der erste große Besuchersturm aufkommt (2018: rund 5000 Besucher). Der April ist dagegen trotz der Osterferien relativ schwach besucht (2018: rund 3000 Besucher). „Im Lechtal ist das noch viel schlimmer“, weiß Englert. Während der Tourismussaison, von April bis Oktober, haben die Museen 36 Stunden pro Woche geöffnet, während der Nebensaison von November bis März dagegen nur neun Stunden pro Woche. 

Vor Weihnachten hatten die Museen am Wochenende geschlossen. Da die Statistik aber zeige, dass im Dezember pro Stunde genauso viele Besucher in den Museen seien wie im Juni, lohne es sich alle Wochenenden im Dezember zu öffnen. 

Deutsch dominiert

Dabei kamen im vergangenen Jahr 19,5 Prozent (Galerien: 15,2 Prozent, Museum: 25,7 Prozent) der Besucher aus dem Ausland (ohne Österreich). Nur 3,8 Prozent stammten aus dem Altlandkreis Füssen und dem Außerfern (Galerien: 0,9 Prozent, Museum: 8,1 Prozent). 

Die meisten Besucher, 81,6 Prozent, sprachen damit deutsch (2018: rund 34.000 Besucher im Vergleich zu rund 39.000 Besucher in 2017). Deutlich abgeschlagen auf Platz zwei folgt Englisch mit 5,3 Prozent (2018: rund 2200 Besucher im Vergleich zu rund 2100 Besucher in 2017). Den dritten Platz nimmt Italienisch ein mit drei Prozent (2018: 1245 Besucher im Vergleich zu 1194 Besucher in 2017) gefolgt von Französisch mit zwei Prozent (2018: rund 800 Besucher im Vergleich zu rund 900 Besucher in 2017). 

Die Einheimischen besuchen vor allem dann das Museum, wenn es Sonderausstellungen und Vorträge gibt, so Englert. So kamen im vergangenen Jahr 3513 Besucher zu Veranstaltungen in die Museen (Führungen: 377 Besucher in den Galerien, 2711 im Museum; Vorträge zur Benediktsregel: 230 Besucher im Museum; Herbstvorträge: 195 Besucher im Museum). „Die Vorträge sind relativ gut besucht im Winter im Vergleich zum sonnigen Sommer“, so der Museumsleiter. 

2018 nahmen außerdem 961 Schülerinnen und Schüler mit ihren Klassen an Führungen teil (60 in der Galerie und 901 im Museum). Das sind zwar mehr als 2017 (insgesamt 811, 233 in den Galerien und 578 im Museum) aber deutlich weniger als 2016 (1470: 764 in den Galerien und 706 im Museum). 

Teure Versicherung

Mit Blick auf die Kosten zeigt sich: Bei den Sonderausstellungen und Veranstaltungsreihen 2018 blieben die Museum unter ihrem Budget von 17.000 Euro, erklärte Englert. Die Ausstellung „Aktuelle Kunst“ kostete die Stadt 454 Euro, was „relativ günstig“ sei. Hier brachte sich auch der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Allgäu/Schwaben-Süd (BBK) ein. Deutlich teurer war dagegen die Ausstellung der Benediktsregel mit rund 12.000 Euro – nach Abzug der Förder- und Eintrittsgelder. Hier schlug vor allem die teuer versicherte Originalhandschrift zu Buche.

 Daneben investierte das Museum 6000 Euro für Geräte, die dauerhaft in Füssen bleiben. Ein Plus von 557 Euro machte das Museum dagegen mit den Herbstvorträgen. Um die Jugend fürs Museum zu begeistern, gibt es seit kurzem die Aktion „Fliegendes Klassenzimmer“. Die Museumsmitarbeiter stellen dafür das Colloquium zur Verfügung. „Jeder Lehrer aus dem Füssener Land kann hier seinen Unterricht halten“ – ohne sich dafür auf das Kloster beziehen zu müssen, so Englert. 

Neben einem ruhigen Unterrichtsklima gebe es hier alles, was Lehrer für ihren Unterricht brauchen – von Tischen und Stühlen bis zur Leinwand. Im Museum könnten Lehrer kulturgeschichtliche Themen am Ursprung des Füssener Lands erfahrbar machen, so der Museumsleiter. 

Um auf diese Möglichkeit hinzuweisen, habe er bereits mit verschiedenen Direktoren gesprochen. Durch den Lehrplan seien Lehrer aber so sozialisiert, dass sie nicht unbedingt auf die Idee kommen aus der Schule herauszugehen, erklärte Englert. Deshalb empfahl Gerlinde Wollnitza (FWF) sich beispielsweise bei Konferenzen direkt an die Lehrer zu wenden. 

Daneben hatte sie noch ein anderes Anliegen. Sie fragte sich, warum das Museum in der Hauptsaison erst um 11 Uhr und nicht schon um 10 Uhr öffne. Bei einem Schlechtwettertag entscheiden Familien nach dem Frühstück, was sie unternehmen wollen. Da sei 11 Uhr einfach zu spät.

 Für das Museum sei es jedoch deutlicher günstiger in der Hauptsaison nur sechs und nicht sieben Stunden geöffnet zu haben, erklärte Englert. „Zwischen 10 Uhr und 11 Uhr ist deutlich weniger los, als zwischen 16 Uhr und 17 Uhr.“ Diese Stunde am Nachmittag wegfallen zu lassen, wäre ein härterer Einschnitt fürs Museum als auf die 60 Minuten am Vormittag zu verzichten. Dazu gebe es Aufzeichnungen. „Von mir aus wäre das ein Wunsch. Aber ich bin angehalten wirtschaftlich zu arbeiten.“

kk

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