Ärzte referieren während der Herzwochen über das Thema "Das schwache Herz"

Organspenden gehen zurück

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Bei den „Herzwochen 2017“ referieren Dr. Stefan Peters (v.l.), Dr. Sandra Eifert und Dr. Martin Hinterseer, der den Info-Abend als Gast im Franziskanerkloster Füssen moderierte.

Füssen – Rund ums menschliche Herz gibt es viele Fragen zu klären. Das zeigte jetzt ein Info-Abend der Klinik Füssen. Dieser führte die drei Referenten und die Zuhörer ins Franziskanerkloster, wo sich der große Vortragssaal beim Thema „Das schwache Herz“ schnell füllte.

Der Abend im Rahmen der „Herzwochen“ wird jedes Jahr zum Magnet. „Weil viele Leute kommen, haben wir unser Programm als Gast im Vortragssaal des Franziskanerklosters durchgeführt“, erklärte Chefarzt Dr. Martin Hintersee auf Nachfrage des Kreisbote. Hinterseer beleuchtete als Referent das Leitthema 2017 und stellte als Moderator eine „frühere Kollegin aus Großhadern“ vor. 

Dr. Sandra Eifert, Professorin an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) und Chirurgin am Klinikum, berichtete über die Geschichte der Herztransplantation und stellte das Kunstherzsysteme vor. 

Leben mit Spenderherz 

Danach wurde es emotionaler im vollen Vortragssaal, denn Dr. Stefan Peters berichtete über seine eigene Krankheitsgeschichte. Der Referent, betreuender Arzt bei der Herzsportgruppe Füssen, lebt seit nunmehr zehn Jahren mit einem fremden Herzen.

 Ohne die Organspende hätte der heute über 5o-Jährige seine Schwersterkrankung am Herzen nicht überlebt. In der Fragerunde nach den drei Kurzvorträgen appellierten die drei Ärzte dafür, dass man beim Thema Organspende nach einer gründlichen Abwägung eine persönliche Entscheidung pro oder kontra treffen sollte. Völlig anders sieht es in Österreich aus, wie zu hören war. 

Im Nachbarland müssten sich Bürger ausdrücklich gegen eine Organentnahme aussprechen, die ansonsten routinemäßig an den Toten vollzogen werde. Folglich gibt es dort auch keinen Organspendeausweis. Fakt ist: die Spende-Bereitschaft in Deutschland ist zurück gegangen. Die Wartezeiten werden länger. Eindrucksvoll stellte die Münchener Herzchirurgin „Kunstherzen“ vor, die in der Medizintechnik-Branche entwickelt werden. 

Herzschrittmacher und andere Implantate, über die Hinterseer sprach, sind dagegen längst bekannte Hilfsmittel, um den Herzpatienten wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. In Deutschland schätzen Experten die Zahl der Menschen mit einer Herzschwäche auf bis zu drei Millionen.

Der erste Vortrag verdeutlichte, was im erkrankten Körper passiert: Bei jeder Herzschwäche nimmt die Pumpkraft des Herzens soweit ab, dass nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu Organen wie Gehirn, Nieren oder Muskeln gepumpt wird. „Im fortgeschrittenen Stadium führt Herzschwäche zu massiven Beschwerden bei den betroffenen Personen“, sagte Hinterseer. Die Erkrankung beeinträchtige den Alltag und könne lebensbedrohlich werden. 

Folge von Erkrankungen

Herzschwäche ist die Folge anderer Herzerkrankungen. Den Patienten belasten hoher Bluthochdruck und Atemnot schon nach wenigen Treppen, die er hinauf steigt. 

Angeborene Herzfehler, Rhythmusstörungen und Herzmuskelentzündung sind mögliche Ursachen der Herzschwäche, fuhr Hinterseer fort. Der Füssener Chefarzt unterstrich mit Blick aufs nahe Herzzentrum aber: „Je früher eine Herzschwäche erkannt und die Ursachen konsequent behandelt werden, desto größer sind die Chancen, dass es dem Patienten durch unsere Behandlung wieder besser gehen wird.“ 

Ausführlich ging das Einführungsreferat auf Medikamente ein, die verschrieben werden. Patienten sollten, wenn sie sich besser fühlen, die verordnete Dosis nicht ändern oder ein Medikament sogar eigenmächtig absetzen, sondern mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen. Ein Thema dabei müsse sportlichen Aktivität sein, um wieder fitter zu werden. Der Reha-Sportclub Füssen etwa ist anerkannter Partner der gesetzlichen Krankenkassen. Eine Herzsport-Gruppe – darauf wies Peters hin – gebe es auch in Roßhaupten, wo ebenfalls Betreuungsärzte wie er dabei sind.

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