"Nur einseitig und zu kurz betrachtet"

Werbegemeinschaft sieht neue Mieter im ehemaligen Obi-Markt kritisch

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Die dm-Drogerie und der Edeka-Lebensmittelmarkt wollen in den ehemaligen Obi-Markt einziehen. Doch das sieht die Werbegemeinschaft Füssen kritisch.

Füssen – Zu den neuen Mietern im ehemaligen Obi-Markt am Moosangerweg hat die Werbegemeinschaft Füssen nun Stellung bezogen. Dort möchte neben einem Edeka-Markt auch eine dm-Drogerie einziehen (der Kreisbote berichtete). Doch der Verein sieht das kritisch.

Das ehemalige Obi-Gebäude steht bereits seit Oktober 2018 leer. Dass nun neben einer Indoor-Actionsportanlage ein Edeka und ein dm-Drogeriemarkt einziehen sollen, gab der Werbegemeinschaft, einem Zusammenschluss von Gewerbetreibenden aus diversen Bereichen sowie interessierten Bürgern, zu denken. Grundsätzlich verstehe der Verein die Motivation dahinter. 

Zu einseitig und kurz betrachtet

Dass jedoch das Einzelhandelsgutachten des Büros „Markt und Standort“ eine positive Stellungnahme dazu gab, sei aus der Sicht der Mitglieder kritisch zu bewerten. Sie sind der Meinung, dass dies „nur einseitig und zu kurz betrachtet“ sei. Die Werbegemeinschaft beruft sich dabei auf Beurteilungen des selben Büros zur Ansiedlung des V-Baumarktes 2015, dass sich damals positiv zum nun geschlossenen Obi äußerte. „Anderorts werden die lokal ansässigen Wirtschaftsverbände in solch wichtige Überlegungen mit einbezogen, um das lokale Wissen zu berücksichtigen“, kritisiert die Werbegemeinschaft. „Selbstverständlich ist es dem privaten Eigentümer des ehemaligen OBI-Gebäudes recht, dass er hier neben dem Action-Hallen-Betreiber große Mieter wie Edeka und/oder dm bekommt.“ Doch der Nutzen für die Stadt Füssen sollte bei dieser Entscheidung im Vordergrund stehen. 

„Ein dm-Drogeriemarkt im ehemaligen Obi-Gebäude, also am Stadtrand würde der Stadt jedenfalls noch weiter schaden. Wir beklagen uns in Füssen über fehlende ausreichende Einkaufsmöglichkeiten, nehmen dem Ganzen aber die Grundlage, weil jedes Geschäft am Stadtrand der Innenstadt Käufer entzieht“, moniert die Werbegemeinschaft. Deshalb sollten sich Läden mit hoher Anziehungskraft, wie dm, dort ansiedeln, wo sich bereits individuelle Geschäfte befinden. Begleitend müsse eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. 

dm soll in den Theresienhof einziehen

Einen hohen Mehrwert erhalte Füssen dann, wenn der geplante dm-Markt sich zum Beispiel im Theresienhof ansiedeln würde, ist der Verein überzeugt. Seiner Meinung nach benötige dieser Standort „dringend neben dem bestehenden Rewe einen weiteren interessanten Anziehungspunkt“. Auch, weil in der Innenstadt immer mehr Cafés, Restaurants und Eisdielen entstehen würden und somit Einkaufsmöglichkeiten gänzlich verschwinden. 

Am Stadtrand sei es für kleinere, individuellere Geschäfte allgemein unmöglich einen Standort zu finden, da dort nur große Ladenflächen geplant und gebaut werden. „Diese Ladenfläche entstehen nach den Vorgaben der jeweiligen Ketten – siehe Aldi, Lidl usw. und werden von diesen selbst genutzt. Die Angebotsvielfalt nimmt ab, der Verkehr zu“, erklärte der Verein. Dass bereits der Drogeriemarkt Rossmann im Theresienhof eine Filiale besitzt, sei nach Ansicht der Werbegemeinschaft kein großes Problem. „Da die Drogerieketten dm und Rossmann auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet sind, würde ein dm im Theresienhof dem bestehenden Rossmann auch voraussichtlich nicht schaden“, ist sie überzeugt. Dennoch sollte das geprüft werden. Ebenfalls gälte es zu bedenken, ob ein dm in der Stadtmitte Auswirkungen auf die Parfümerie Wiedemann in der Reichenstraße hätte.

Zu weit entfernt vom Wohngebiet

In Sachen Edeka beruft sich die Werbegemeinschaft auf die Empfehlungen für Städteplanung. Demnach müsse der nächste Lebensmittelversorger von jeder Wohnung aus zwischen 300 und maximal 1000 Meter fußläufig erreichbar sein. Das aktuelle Einzelhandelsgutachten von „Markt und Standort“ bescheinigt diesbezüglich, dass Füssen selten bei 300 Meter, häufig eher bei 800 Meter liegt. 

Der Edeka im Hopfener Dreiecke sei sowohl für den Stadtteil Weidach als auch für das geplante Wohnquartier Füssen Nord Nahversorger. Bereits jetzt würden im Weich die 1000 Meter zum nächsten Nahversorger nicht eingehalten. Zieht der Edeka jedoch in den ehemaligen Obi-Markt, braucht der Stadtteil ein zusätzliches Lebensmittelgeschäft, so die Werbegemeinschaft. 

Action-Halle mit Eventgastronomie und Veranstaltungssaal

„Die Mehrheit der Füssener Bürger wünscht sich im ehemaligen Obi-Gebäude eine Action-Halle für die gesamte Innen- und Außenfläche“, meint der Verbund der Füssener Unternehmen weiter. „Somit wäre ein stimmiges ganzheitliches Konzept überregional und auch schlechtwettergeeignet geboten, was sich durch ein entsprechendes Angebot mit dem in Füssen bereits bestehenden Skatepark ergänzen würde.“ Daneben dürfe eine passende Event- und Erlebnisgastronomie nicht fehlen, die um einen Veranstaltungssaal erweitert werden könnte. 

Allgemein fehle es in Füssen nach Ansicht des Vereins an einer gesamtheitlichen Sichtweise. Dafür brauche es einen Stadtentwickler, der das Gesamtwohl der Stadt im Auge behalte, unterstrich die Werbegemeinschaft erneut. „Wir können nur hoffen, dass der neue Stadtrat hier baldmöglichst eine Lösung findet, damit solche Fehlentwicklungen bald weniger werden – oder noch besser, ganz vermieden werden.“

kb

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