Füssen soll einen City-Manager bekommen

City-Manager: "Es profitiert doch jeder davon"

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Trotz einer in der Hauptsaison proppevollen Innenstadt ist dort nicht alles Gold, was glänzt. Um die Probleme in Angriff zu nehmen, soll ein City-Manager installiert werden.

Füssen – Als im Januar vergangenen Jahres eine Untersuchung zur Entwicklung der Innenstadt vorgestellt wurde, war das Ergebnis für den Einzelhandel ernüchternd: Trotz stetig steigender Kaufkraft und immer mehr Besuchern wird Füssen nicht als Einkaufsstadt wahrgenommen.

„Es ist sicherlich Potenzial da, aber es muss etwas passieren“, lautete das Fazit des maßgeblich an der Untersuchung beteiligten Dr. Markus Hilpert von der Uni Augsburg. Über ein Jahr später passiert nun tatsächlich etwas: Die Werbegemeinschaft „Gemeinsam wir“ hat eine Crowdfunding-Aktion zur Co-Finanzierung eines City-Managers gestartet. Dieser könnte bereits im kommenden Jahr seine Stelle antreten.

 Eine erste Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass durch die Anfang des Monats auf der Online-Plattform kickstarter.com gestartete Crowdfunding-Aktion sowie persönliche Gespräche durch den Vorstand der Werbegemeinschaft genügend Geld bei den Füssener Gewerbetreibenden eingesammelt wird. 

Wie bereits kurz am Mittwoch im Kreisbote berichtet, belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten (Gehalt, Büro, Ausstattung) für eine solche Stabsstelle auf etwa 120.000 Euro. Diese sollen anteilig jeweils zur Hälfte von der Stadt und den Gewerbetreibenden getragen werden, erklärt Alexander Mayerhofer, Vorsitzender von „Gemeinsam wir“. Nach drei Jahren werde sich der City-Manager schließlich durch die erzielten höhere Steuereinnahmen und Fördermittel finanziell selbst tragen. 

Deshalb wollen er und seine Mitstreiter aus dem Vorstand in den kommenden Wochen bei den rund 600 aktiven Füssener Gewerbetreibenden Klinken putzen, Überzeugungsarbeit leisten und Zusagen einholen, das Projekt finanziell zu unterstützen. Tatsächlich gezahlt werden müssen die zugesagten Beträge jedoch erst, wenn die Stelle tatsächlich eingerichtet wird. 

Viele Baustellen

Mayerhofer selbst ist von der Notwendigkeit eines City-Managers für Füssen überzeugt wie kaum ein anderer in der Stadt: „Wir reden hier über die Zukunft von Füssen!“, betont er. Bereits der Ist-Zustand gebe aber schon genug Anlass zur Sorge. So werde es nach Einschätzung Mayerhofers unter anderem für normale Arbeitnehmer immer schwerer, bezahlbare Wohnung zu finden, während die gleichzeitig die Zahl der Ferienwohnungen stetig steige. Daneben entstünden zunehmend Hotels anstatt Büroflächen für Ärzte und Dienstleister.

In der Innenstadt fehle es an Einkaufsläden – dafür wachse die Zahl der Souvenirshops, was zu einer sinkenden Attraktivität der Füssener Fußgängerzone für die Einheimischen führe. Gleiches gelte für die Lokale, die vor allem auf die Bedürfnisse der Gäste ausgerichtet seien. „Gewerbeflächen werden nicht nach Bedarf geplant und vergeben, sondern dem Erstbesten der kommt und am meisten zahlt“, so Mayerhofer weiter. Dazu komme entweder ein falscher Branchenmix oder der falsche Standort. Erschwert werde die Situation zusätzlich durch eine fehlende Kommunikation zwischen Wirtschaft und Stadtverwaltung. 

Die Ursachen für die Probleme sind seiner Ansicht nach vielfältig: So sei durch das starke Tourismusmanagement durch Füssen Tourismus- und Marketing (FTM) in den vergangenen Jahren ein Ungleichgewicht in der Stadtentwicklung entstanden. Außerdem fehle es sowohl an den notwendigen Stadtentwicklungszielen als auch einem Stadtmarketing. Das liege insbesondere daran, dass es keinen Wirtschaftsförderer, aktiven Wirtschaftsbeirat oder Stadtentwickler in Füssen gebe. „Da ist ein Vakuum und das muss gefüllt werden“, so der Werbegemeinschafts-Vorsitzende. „Ein City-Manager ist etwas, was dringend erforderlich ist“, lautet daher sein Fazit. 

Dabei solle ein solcher nicht nur Ansprechpartner für den Einzelhandel oder das Gewerbe sein, sondern eine Querschnittsaufgabe erfüllen, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. „Die Innenstadt ist das Wohnzimmer einer Stadt!“ Ziel: Stadtmarketing Das Ziel, ergänzt Mayerhofers Stellvertreter Giuseppe Montuori, müsse sein, dass sich der City-Manager nach drei Jahren weiter zum Stadtentwickler über das Gewerbe hinaus entwickelt. „Wir brauchen Stadtmarketing!“ 

Unterstützung erhält die Werbegemeinschaft von FTM-Chef Stefan Fredlmeier: „Ein von allen Seiten akzeptierter und gewollter City-Manager kann für die Koordination der innerstädtischen Belange und der Stadtentwicklung sehr von Vorteil sein“, teilte er auf Anfrage mit. Ein City-Management könnte die Beiträge von FTM im Bereich Stadtmarketing – wie die von FTM organisierten Veranstaltungen und das Gästeprogramm – „sinnvoll multiplizieren“. Notwendig sei aber, so Fredlmeier weiter, dass die Stelle im Rathaus und eng vernetzt mit der Stadtverwaltung angesiedelt werde. 

Stadtrat entscheidet 

Zweite Grundvoraussetzung für die Installation einer Stabsstelle des City-Managers im Rathaus ist die Zustimmung durch die Stadtverwaltung und den Stadtrat. Im besten Fall, erläutert Werbegemeinschafts-Vorsitzender Mayerhofer, fasse dieser noch vor der Sommerpause einen Grundsatzbeschluss. Dann könnte die Stellenausschreibung womöglich noch heuer erfolgen und der künftige City-Manager seine Arbeit bereits im kommenden Jahr aufnehmen. Kontakte zu Verbänden wie CIMA, BCSD oder AKCS, wo es geeignete Kandidaten für den Posten gebe, seien bereits vorhanden. Denn der City-Manager sollte nach Ansicht Mayerhofers und Montuoris auf Augenhöhe mit dem Bürgermeister oder Hauptamtsleiter sein. 

Aus dem Rathaus ist derzeit allerdings nur zu hören, dass zunächst die Frage der Finanzierung geklärt werden müsse. Demnach müsse der private Sektor mindestens die Hälfte der veranschlagten Kosten aufbringen. 

Alexander Mayerhofer ist indes überzeugt, dass das Vorhaben der „Gemeinsam wir“ gelingt. Bisher sei die Resonanz aus den Reihen der Gewerbetreibenden jedenfalls positiv gewesen, berichtete er. „Es profitiert doch auch jeder davon.“ Doch was passiert, sollte „Gemeinsam wir“ es nicht schaffen, die erforderliche Summe aufzutreiben? „Dann müssen wir mit der Stadt neu verhandeln und uns Alternativen überlegen“, sagte Mayerhofer.

Aufgaben des City-Managers sollten nach Auffassung der Werbegemeinschaft unter anderem sein:

 • vermarktet die Stadt im Einzugsgebiet als Mittelzentrum und bindet Kaufkraft • koordiniert aktiv die Lösung der in der Innenstadtentwicklungsstudie genannten Probleme • ist der Ansprechpartner der Gewerbetreibenden und fördert die Kommunikation unter den verschiedenen Innenstadtakteuren und der Wirtschaft • hilft bei der Existenzgründung • baut die wirtschaftliche Infrastruktur aus und sorgt für Neuansiedlung von Unternehmen • verbessert das Investitionsklima in der Stadtentwickler • sorgt für den Erhalt der bestehenden Angebote in den Bereichen Einkauf, Dienstleistung und Kultur • entwickelt Marketingmaßnahmen für städtische Einrichtungen • entwickelt Maßnahmen zur Standortstärkung • steuert und bündelt die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten von externen und städtischen Veranstaltungen • managt Einzelhandel, Flächen und Leerstand • akquiriert Projekte und Fördermittel • entwickelt sich weiter zum Stadtentwickler

Matthias Matz

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