Ärger bei der Kleiderkiste

Helfer fühlen sich teilweise als "Entsorger" missbraucht

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Ortrun Zarnack, Leiterin der Kleiderkiste, und Wolfgang Bader (SPD) tragen Säcke mit verschlissener Kleidung zu einem Transporter. Das ehrenamtliche Team der Kleiderkiste braucht Unterstützung, um das Entsorgungsproblem zu lösen.

Füssen – „Wir sind doch keine Mülldeponie“, ärgert sich das Team der Füssener Kleiderkiste, wenn gesichtet wird, was bei der Abgabe im Alten Landratsamt von Spendern alles angeliefert wurde.

Zuletzt kamen bei einem Annahmetag rund 80 Säcke voller verschlissener Kleidungsstücke zusammen. Ein weiteres großes Problem, so Kleiderkiste-Leiterin Ortrun Zarnack gegenüber dem Kreisbote, sind derzeit der Abtransport und die Entsorgung. 

Das Problem ist freilich nicht neu: Das Team der 1993 gegründeten Füssener „Kleiderkiste“ im Untergeschoss des Alten Landratsamts in der Augsburger Straße bekam schon immer Säcke vor die Tür gestellt, deren Inhalt eigentlich auf eine Mülldeponie gehören würde. Da kommen nach Angaben der Teamleitung mit Susanne Münz schon mal nahezu hundert Säcke zusammen, die sich im Flur stapeln. 

Somit stellt sich immer wieder das gewaltige Problem – wie der Kreisbote bei einem erneuten Besuch vor Ort feststellen konnte – diese „Spenden“ wieder loszuwerden. „Wir haben das Problem, diese regelmäßig notwendigen Abtransporte neu zu organiseren“, beschreibt Ortrun Zarnack aus der Teamleitung die Situation. „So zu organisieren, dass uns für den Transport keine hohe Rechnung gestellt wird.“ 

Ein Kostenvoranschlag, der dem nach einer Lösung suchenden ehrenamtlichen Team auf Anfrage zugeschickt wurde, beläuft sich auf rund 450 Euro, was für solche Dienstleistungen üblich ist. „Es kann doch nicht sein, dass wir die tragbaren Kleidungsstücke gegen einen kleinen Obulus an die Kunden abgeben und für die vielen nicht mehr tragbaren selbst hohe Entsorgungskosten tragen sollen, weil vieles, das hierher gebracht wird, nicht mehr tragbar ist“, empört sich Susanne Münz.

Diskutiert wurde deshalb jetzt wieder, wie eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen der Kleiderkiste und den Spendern aussehen könnte. Denn schließlich sei jeder Erlös einer Verkaufsaktion speziell dafür gedacht, zum Beispiel für bedürftige Menschen soziale Unterstützung leisten zu können. „Wer uns freundlicherweise zeitgemäße Kleidungsstücke vorbei bringt, sollte dies bei den Annahmeterminen in dem Umfang tun, der in eine Tasche passt“, bitten Zarnack und Münz. 

Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD), der die Idee der Kleiderkiste mit seinem Kollegen Wolfang Bader auch durch eigenes Anpacken am Leben hält, plädierte dagegen für „strenge Kontrollen bei der Annahme“.

Keine Säcke mehr?

Diskutiert wurde darüber hinaus, ob künftig rigoros mit einem Nein darauf reagiert werden sollte, wenn Leute die Sachen in Säcken herbeischleppen. Eigentlich solle keine Spende zurückgewiesen werden, andererseits – so die Gegenposition – sei ein Entgegenkommen die Wurzel des Problems. Vor wenigen Tagen ließ sich eine Abholaktion noch improvisieren, aber danach kehrte in der Kleiderkiste wieder Unsicherheit darüber ein, wie es weitergehen könne.

Kurz vor Redaktionsschluss war dann zu erfahren, dass sich eine Lösung abzeichnen könne, allerdings mit dem Zusatz, dass diessbezüglich noch nichts in trockenen Tüchern sei. Den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern, denen es manchmal beim Auspacken der verschlissenen Kleidung richtig stinkt, geht es darum, die Kleiderkiste „aus sozialer Mitverantwortung“ weiterhin bestehen zu lassen, auch wenn beim Besuch unserer Zeitung im ehrenamtlichen Kreis der Satz gefallen ist: „Wenn sich bald nichts ändert, dann machen wir hier einfach zu!“

Deutlich macht Münz im Gespräch mit dem Kreisbote: „Für Haushaltsauflösungen sind wir überhaupt nicht zuständig!“ Unverständnis herrscht beim Kleiderkiste-Team darüber, dass die schon häufig geäußerte Bitte nicht gehört werde, wie sich die Annahme gestalten sollte: Jede Spende sollte lediglich so groß sein, dass sie in eine Sport- oder Einkaufstasche passt. Selbstverständlich sei, dass es sich um tragbare, saubere und zeitgemäße Kleidung handeln müsse, was dem Team die Arbeit beim Sortieren und Anbieten sehr erleichtern werde.

Chris Friedrich

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