»Ich bin mit dem Job sehr zufrieden«

Werner Moll spricht im Interview über sein erstes Jahr als Lechbrucker Bürgermeister

Lechbrucks Bürgermeister Werner Moll (FW) und Valerie Riesemann-Brown, Leiterin des Lechbrucker Tourismusbüros.
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Bürgermeister Werner Moll (FW) und Valerie Riesemann-Brown, Leiterin des Lechbrucker Tourismusbüros, im Rathaus in Lechbruck. Im Interview mit dem Kreisbote lässt Moll sein erstes Jahr als Rathauschef Revue passieren.
  • vonSilke Zink
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Lechbruck – Seit etwas mehr als einem Jahr ist Werner Moll (FW) Bürgermeister der Gemeinde Lechbruck. Wie er auf seine erste Amtsperiode zurückblickt, was für ihn der Höhepunkt des Jahres war und was ihm nicht gefallen hat, darüber spricht Moll im Interview mit dem Kreisboten. Außerdem verrät er, ob sein neuer Job ihn verändert hat und wann er in die Flößergemeinde ziehen wird.

Herr Moll, wie geht’s Ihnen nach etwas mehr als einem Jahr im Amt? Bei unserem letzten Gespräch ist es Ihnen „noch“ gut gegangen. Sind Sie angekommen?

Werner Moll: „Mir geht es nach wie vor sehr gut. Die Aufgaben, die ich mir mit meinem Gemeinderat vorgenommen habe, sind allesamt auf den Weg gebracht. Ob ich angekommen bin, ist differenziert zu betrachten. Es stehen noch wichtige Projekte wie der Ausbau der Schongauer Straße, der Abschluss des Hochwasserschutzes bzw. die Realisierung von Wohnbauflächen an. Da bin ich noch nicht angekommen. Beim Bürger und deren Mentalität meine ich schon, weil ich als Allgäuer denke und fühle wie jeder Lechbrucker auch.“

Haben Sie sich den Job als Bürgermeister so vorgestellt? Immer noch so zufrieden, wie nach 111 Tagen im Amt?

Moll (lacht): „Wie stellt man sich den Job eines Bürgermeisters vor? Es gibt leichtere, aber auch viel schwerere Jobs. Eigentlich eine Arbeit, wie sie viele andere auch ausüben, die mit anderen Menschen zu tun haben. Da ich vieles mit Humor und Entspanntheit sehe, absolut nicht nachtragend bin und ein Menschenfreund bin, bin ich also mit dem ,Job‘ sehr zufrieden.“

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn ich nach DEM Highlight im ersten Jahr frage? Die Hochzeit Ihrer Tochter auf dem Floß ausgenommen.

Moll: „Vielleicht der unkomplizierte und schnelle Weg für das neue Feuerwehrhaus. Mit den Verantwortlichen zusammengesetzt, Karten (Pläne) offen auf den Tisch gelegt, Kleinigkeiten besprochen, Ergebnis von allen akzeptiert, Planungen begonnen. Ich dachte zu Beginn meiner Amtszeit und dem bisherigen Weg, dass dieses Projekt viel mehr Zeit und Nerven in Anspruch nehmen wird. Das war bisher nicht so und deshalb für mich das Highlight im ersten Jahr. Ebenfalls ein Highlight ist für mich, wenn ich die Schule (mit Maske) betrete und die allermeisten Schüler mich mit ,Grüß Gott Herr Bürgermeister‘ begrüßen. Für mich sehr bemerkenswert und nett.“

Gibt es im Bürgermeisteramt etwas, das Sie vollkommen überrascht hat? Haben Sie sich an Ihre vielen Termine mittlerweile gewöhnt?

Moll: „Überrascht möchte ich nicht direkt sagen. Aber es ist festzustellen, dass es einige – wenn auch nur einzelne – Bürger gibt, die an einem harmonischen Miteinander nicht interessiert sind und alles an den Tag legen, dies selbst für mich als ,unstreitbaren‘ Menschen schwierig zu machen. Was die Termine betrifft, bin ich bisher nicht überstrapaziert worden. Pandemiebedingt haben doch fast alle abendlichen Termine seit gut einem Jahr nicht mehr stattgefunden. Ich bin deshalb überwiegend am Tage bei Terminen und nachts, als viele meiner Vorgänger stundenlang in Gastwirtschaften saßen, liege ich schon im Bett.“

Wir brauchen dringend Flächen für den Wohnbau, die leider ,noch nicht‘ im Besitz der Gemeinde sind.

Werner Moll, Bürgermeister

Sie haben das eine, oder andere Thema aus Ihrem Wahlkampf mittlerweile auf den Weg gebracht. Kindergarten und Feuerwehrhaus laufen. Was kommt als nächstes?

Moll: „Wie oben erwähnt der weitere Ausbau von Straßen und der Hochwasserschutz in der Gemeinde. Auch die Kältetechnik im Eisstadion muss aus sicherheitstechnischen Gründen dringend saniert werden. Hier fangen wir heuer an. Auch habe ich im Zuge des Anschlusses von Steingaden an die Lechbrucker Kläranlage angestoßen, dass das Wasser mit rüber gelegt wird. So haben wir zukünftig für Notfälle einen Wasserverbund mit Steingaden und die Hirschau wird nun von ihrer eigenen Gemeinde Steingaden versorgt. Mit Grundstückseigentümern von bebaubaren Flächen im Ort werde ich ebenfalls zeitnah in eine weitere Gesprächsrunde gehen. Wir brauchen dringend Flächen für den Wohnbau, die leider ,noch nicht‘ im Besitz der Gemeinde sind.“

Ist noch etwas geplant? Vielleicht ein neues Hotel?

Moll: „Zum Thema Hotel will ich sagen, dass die großen und kleinen Wunden, die dieser Wahlkampf verursacht hat, bei vielen noch nicht verheilt sind. Deshalb will ich und auch der Gemeinderat erst einmal den Heilungsprozess abwarten. Dann kann ich mir vorstellen, zusammen mit der BIL, die nach ihrer Aussage im Übrigen nicht grundsätzlich gegen ein Hotel ist, an einer Lösung zu arbeiten, mit der alle zufrieden sind.“

Hat es in diesem Jahr etwas gegeben, was Ihnen nicht gefallen hat? Ich kann mir vorstellen, dass der Bürgerentscheid Sie und Ihre Gemeinderäte ordentlich gefordert hat.

Moll: „Wie schon erwähnt, finde ich nicht immer Gefallen am Umgang miteinander. Nicht immer von Achtung, Anstand und Respekt begleitet, aber wahrscheinlich der mittlerweile über einem Jahr andauernden Pandemie geschuldet.“

Wenn keiner groß was zu dir sagt und schon gar nicht lobt, dann sind sie zufrieden mit dir. Heißt, ich fühle mich angenommen.

Werner Moll, Bürgermeister

Haben Sie Ihren Bürgermeisterlehrgang jetzt absolviert? Gabs die Klausurtagung mit dem neu gewählten Gemeinderat?

Moll: „Den sündhaft teuren Lehrgang habe ich bisher immer noch nicht absolviert und werde ihn auch nicht absolvieren. Für mich ist das Geld beim Fenster rausgeschmissen, dass an anderer Stelle besser angelegt ist. Ich darf auch sagen, dass ich ihn bisher nicht vermisst habe. Die Klausurtagung wurde bereits zweimal gebucht und dann pandemiebedingt wieder storniert. Schade, aber sobald es unsere Regierung wieder zulässt, fassen wir einen neuen Termin ins Auge. Diese Tagung finde ich sehr wichtig.“

Durch die Pandemie ist im letzten Jahr viel verloren gegangen. Ich kann mir vorstellen, dass es wenig Kontakt mit den Leuten gab und gibt. Wie lösen Sie das?

Moll: „Gemeinderatssitzung finden jetzt in der größeren Lechhalle statt. Dort sind die öffentlichen Sitzungen meinem Vernehmen nach aber immer gut besucht gewesen. Wenn auch mit Maske. Auch bei meinen Jubiläumsbesuchen wie Altersgeburtstage oder Hochzeitsjubiläen habe ich alle Termine wahrgenommen. Sicher mit Abstand und – meistens – Maske, aber immer mit Kaffee und Kuchen und guter Laune bei den Gesprächen. Auch habe ich keinen einzigen Sprechzeitentermin beim Bürgermeister absagen müssen. Alle durften zu mir rein! Wann wieder eine Bürgerversammlung rechtlich stattfinden soll, darauf bin ich gespannt.“

Wie gut sind Sie von den Lechern angenommen worden? Fühlen Sie sich wohl bei uns?

Moll: „Als waschechter Allgäuer hat man ein gutes Gefühl, wenn man angenommen ist. Wenn keiner groß was zu dir sagt und schon gar nicht lobt, dann sind sie zufrieden mit dir. Heißt, ich fühle mich angenommen. Wohl fühle ich mich auf alle Fälle in Lechbruck, sonst wäre ich nicht im Jahr 2016 nach 25-jähriger leitender Tätigkeit bei meinem damaligen Arbeitgeber als Kämmerer nach Lechbruck gekommen. Hier muss man sich wohl fühlen, weil in meinen Augen vieles passt.

Weichen sind gestellt

Wo „tanken“ Sie auf?

Moll: „Auftanken tue ich wie alle, an der Tankstelle (lacht). Meine persönliche Kraft ziehe ich aus meiner positiven Lebenseinstellung und Zuversicht, aber auch aus meiner Familie, die immer hinter mir steht.“

Wann werden Sie ein „richtiger“ Lecher werden und zu uns ins Flößerdorf ziehen?

Moll: „Danke für die Fangfrage. Ein richtiger Lecher werde ich als gebürtiger ,Berletshofar‘ nie werden können. Ist halt so. Allerdings sind jetzt alle Weichen gestellt, dass ich mit meiner Frau ins Flößerdorf ziehen werde. Wir freuen uns schon beide sehr darauf.“

Haben Sie im vergangenen Jahr neue Seiten an sich entdeckt, oder sind Sie immer noch der „Alte“? Hat Sie das Amt verändert?

Moll: „Grundsätzlich müsste man diese Frage den anderen Stellen. Ich aus meiner Sicht würde sagen, dass ich immer noch der ,Alte‘ bin. Ich will ein Bürgermeister zum ,Anfassen‘ sein, der zwar Entscheidungen treffen muss, sich aber nicht von den anderen Bürgern abhebt. Ich hoffe auch nicht, dass mich das Amt allzu sehr verändert, schon gar nicht negativ. Ein Indikator für so etwas sind immer die Bürgermeisterwahlen. Wenn du nicht mehr gewählt wirst, hast du dich wahrscheinlich in sechs Jahren zum Negativen verändert. Ganz einfach, sowas regelt die Demokratie!“

Danke für das Gespräch!

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