Experte klärt in Schwangau über Mobbing unter Kindern und dessen Folgen auf

Wenn Kinder Kinder mobben

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Nicht nur ein Problem an Schulen: Frank Schallenberg bezeichnete Mobbing als „gesamtgesellschaftliches Thema für Kinder und Jugendliche“.

Schwangau – Um „Mobbing unter Kindern und Jugendlichen“ drehte sich jetzt alles bei einem Vortrag im Schlossbrauhaus. Rund 120 Zuhörer waren der Einladung des Elternbeirats des Gymnasiums Hohenschwangau gefolgt, um Referent Frank Schallenberg zu lauschen.

„Wir werden heute Abend nicht die Welt verändern. Wir wollen aber ein Zeichen in Richtung eines angstfreien Schulalltags setzen“, erklärte die Elternbeiratsvorsitzende Christiane Griegel vor dem eigentlichen Experten-Vortrag. 

Diplom-Sozialpädagoge Frank Schallenberg aus Wuppertal, der auf Einladung der Hanns Seidel-Stiftung nach Schwangau gekommen war, verdeutlichte gleich zu Beginn seiner fast zweistündigen Ausführungen, dass „diese Angelegenheit derzeit ein gesamtgesellschaftliches Thema für Kinder und Jugendliche“ darstelle. 

So sei man momentan in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in der Freizeit und in sozialen Medien mit diesem Problem konfrontiert. Sehr oft trete Mobbing jedoch im Kontext Schule auf, weil die Kinder heutzutage dort unglaublich lange Zeit verbringen würden. 

Indes unterstrich Schallenberg, wie sehr Probleme in der digitalen Wirklichkeit der sozialen Netzwerke mit dem realen Leben zusammenhängen würden. Daher sagte er: „Mobbing macht keinen Sinn, wenn keiner was davon weiß, denn dann hat der Mobber nichts davon.“ 

Sprache als Transporter

An die zahlreich anwesenden Eltern und Lehrer appellierte Schallenberg deshalb, sensibel zu sein und genau zu beobachten, wie gut etwa die soziale Situation in einer Schulklasse sei. Als einen sogenannten „Transporter von Mobbing-Prozessen“ nannte Schallenberg unter anderem die Sprache.

Im Rahmen dessen werde Mobbing oftmals an „Beschimpfungen, Beleidigungen und Gerüchten“ deutlich. Darüber hinaus werde das Opfer häufig „aktiv ausgegrenzt“, das heißt „es nimmt wahr, dass ihm andere aus dem Weg gehen.“ Körperliche Übergriffe wie Schubsen, Erpressen und Schlagen kämen dagegen eher seltener vor. 

Die Täter, meist einzelne Kinder oder Jugendliche, fingen dabei entweder „aus Spaß“ mit dem Mobben an oder, weil sie „selber Probleme haben“, sich ungerecht behandelt fühlten oder einfach skrupellose Egoisten seien, die sagten: „Ich mache das, weil ich es kann.“ 

Großer Stress 

Für die Opfer, die oftmals sehr großen Stress erleiden müssten, habe dies teilweise gravierende Folgen. 

Demnach verkümmere bei ihnen mit der Zeit manchmal das sprachliche Vermögen, wodurch letztlich auch die soziale Kontaktaufnahme gestört werde. Häufig werde insgesamt das Lernen behindert, und „oft lange nach dem Mobbing“ fielen die Opfer in eine Depression. In vielen Fällen veränderten sich die auch Wesensmerkmale der Opfer, und aus einem offenen, herzlichen und fröhlichen Kind werde ein verschlossenes, verängstigtes. 

Sich gegen Mobbing zu wehren, sei allerdings „keine Garantie dafür, dass der Mobber aufhört“, unterstrich Experte Frank Schallenberg schließlich, womit er deutlich machte, wie schwierig das Problem letzten Endes zu lösen ist.

lex  

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