Aus alten Schwesternheim soll Flüchtlingsunterkunft werden

Weitere Flüchtlinge für Schwangau?

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In dem alte Schwesternheim im Bullachbergweg würden Landratsamt und Evangelische Diakonissenanstalt Augsburg gerne bis zu 50 Flüchtlinge unterbringen. Doch bei den Anwohnern regt sich Widerstand.

Schwangau – Kommt eine Flüchtlingsunterkunft nach Alterschrofen? Der Landkreis Ostallgäu und die Evangelische Diakonissenanstalt Augsburg verhandeln derzeit über eine Nutzung des ehemaligen Diakonissenheims im Bullachbergweg 12. Entsprechende Informationen des Kreisbote bestätigten beide Verhandlungsparteien.

Demnach könnten dort etwa 50 Flüchtlinge untergebracht werden. Doch in der Schwangauer Bevölkerung gibt es Widerstand. Auch Bürgermeister Stefan Rinke steht den Plänen skeptisch gegenüber.

Derzeit sind in Schwangau bis zu 44 Asylbewerber in zwei Unterkünften untergebracht. Im Laufe des Jahres könnten bis zu 50 weitere hinzukommen. Diese sollen nach den Plänen des Landratsamtes Ostallgäu im ehemaligen Diakonissenheim in Alterschrofen untergebracht werden. Das Gebäude wird seit etwa eineinhalb Jahren nicht mehr genutzt. Seit Mitte Dezember verhandeln der Kreis und Evangelische Diakonissenanstalt über eine entsprechende Nutzung des Gebäudes. „Es gibt Verhandlungen über das Heim“, sagte der zuständige Oberregierungsrat Ralf Kinkel am Montag gegenüber dem Kreisbote. „Die Verhandlungen sind noch am Laufen.“

Kinkel zufolge soll im Schwangauer Bullachbergweg keine Erstaufnahmestelle eingerichtet werden. „Das wäre für Asylbewerbr während ihres Asylverfahrens gedacht“, erläuterte er.

Menschen in Not zu helfen und menschenwürdig unterzubringen sei die Intention der Diakonissenanstalt gewesen, als sie sich dafür entschied, in dem leerstehenden Gebäude Asylbewerber unterzubringen, erklärte Rektor Heinrich Götz auf Anfrage unserer Zeitung. Die Landeskirche habe nach dem Aufruf von Papst Franziskus, Flüchtlinge aufzunehmen, geprüft, ob es Häuser gebe, die leer stehen. „Wir haben ganz viel Geld in die Hand genommen, um das Haus zu erhalten“, so Götz.

Widerstand wächst

Schließlich seien die Schwestern an ihn herangetreten und hätten gebeten, dort Asylbewerber aufzunehmen. Eine Unterkunft sollte hier entstehen, die „dahin passt“, so Götz.

Doch in dem Schwangauer Ortsteil wächst der Widerstand gegen die Pläne der Kreisbehörde. Ein Großteil der Alterschrofener hat laut Kinkel eine kritische Stellungnahme gegen das Vorhaben unterzeichnet. Außerdem seien mittlerweile an die 20 kritische Schreiben aus Schwangau im Landratsamt eingegangen. Allerdings, so der Oberregierungsrat weiter, werde vonseiten der Anwohner mit zum Teil falschen Zahlen argumentiert. So sei von über weiteren 100 Flüchtlingen die Rede. „Wir wissen nicht, woher die Zahlen kommen, die da rumgeistern.“

Von der Reaktion mancher Nachbarn sei er „sehr enttäuscht“, sagte auch Rektor Götz am Montag. Er könne zwar die Angst der Menschen vor dem Unbekannten verstehen. Doch „gegen diese Angst würde ich gerne anarbeiten“, sagt Götz.

Gute Infrastruktur

 Denn in dem alten Schwesternheim sei die Infrastruktur für eine sinnvolle Unterbringung da: In dem Gebäude gibt es 25 Zimmer mit Nasszellen, eine extra Wohnung und ein Wohnzimmer, in dem unter anderem Deutschunterricht stattfinden könnte. Daneben gibt es ein großes Außengelände. „Niemand muss auf der Straße herumhängen“, so Götz. Außerdem sei man mit dem Fahrrad schnell in Füssen oder Schwangau. Die Diakonissenanstalt plane, hier langfristig vor allem Familien unterzubringen und sie zu begleiten. Dafür habe man auch schon Gespräche mit der Kirchengemeinde Füssen geführt, so Götz.

Aber auch Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke steht den Plänen skeptisch gegenüber und fordert vor allem ein „angemessenes Betreuungskonzept und eine sozialverträgliche Personenzahl für eine begrenzte Dauer.“ Dies sei die Grundvoraussetzung für eine Integration. „Unser Helferkreis ist bereits überlastet“, erklärte er. Deswegen müsse die Betreuung des geplanten neuen Heims durch die Diakonissenanstalt erfolgen. „Voraussetzung für eine störungsfreie Unterbringung von Flüchtlingen ist eine ausreichende Betreuung“, betonte Rinke.

Gemeinde will kaufen

Zwar gab es das Angebot der Gemeinde Schwangau, das Heim zu kaufen, aber bei der derzeitigen Not sei die jetzige Lösung sinnvoller, erklärte Rektor Götz. Doch vielleicht werde man in fünf Jahren „anders darüber denken.“

Tatsächlich hat die Gemeinde nach Angaben von Rinke ein Auge auf das Areal geworfen und bereits ein Kaufangebot unterbreitet. „Bei erfolgreichem Erwerb plant die Gemeinde ein Wohngebiet für Einheimische“, so der Bürgermeister. „Denn die Nachfrage nach Wohnraum und Bauland im Gemeindegebiet insbesondere von jungen Familien ist hoch.“

Dass gezielt gegen das Flüchtlingsheim Stimmung gemacht werde, sei ihm nicht bekannt, so Rinke weiter gegenüber unserer Zeitung. „Für mich sind die Alterschrofener sehr aufgeschlossen, besonnen und auch kompromissbereit.“ Allerdings: „Unzureichende Aufklärung sorgt bei Bürgern oft für Verunsicherung. Wenn keine zuverlässigen Informationen durch die Initiatoren erfolgen, bleiben nur Spekulationen.“

Fix ist die Unterbringung von weiteren Asylbewerbern ohnehin längst noch nicht. „Wie es weitergeht ist noch nicht entschieden“, erklärte Götz. „Ich denke im Februar werden wir sicher Nägel mit Köpfen machen.“ Auch Bürgermeister Rinke rät zur Besonnenheit: „Wir sollten das Ergebnis zunächst abwarten.“

Katharina Knoll/Matthias Matz

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