MINUSMA: Instandsetzungszug lässt es rollen

Wie die afrikanische Wüste den Einsatzfahrzeugen zusetzt

Instandhaltung Gao Minusma
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Spezialisten am Werk. Hier reparieren sie einen Motor. Häufig gibt es Probleme durch die extremen Außentemperaturen.
  • vonSelma Höfer
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Füssen/Gao – Alles, was Räder und Lenkräder hat, kann in Gao repariert werden. Spezialisten sorgen im Einsatz für Bewegung der Truppe. Im Camp Castor, der Heimat des multinational aufgestellten Deutschen Einsatzkontingents namens MINUSMA, ist der Instandsetzungszug der Unterstützungskompanie ein wichtiges Element in Sachen Bewegung. Dieses eingespielte Team hält alle Kraftfahrzeuge am Laufen und besteht aktuell aus Soldatinnen und Soldaten der 3. Kompanie des Gebirgsversorgungsbataillons 8 aus Füssen. 

Reifenwechsel und anspruchsvoller Triebwerktausch werden von den Spezialisten sicher bei Tag und Nacht durchgeführt. Neben dem Instandsetzungszug stehen dem Kontingent auch zivile Instandsetzungskräfte aus der Industrie zur Verfügung. Die Zusammenarbeit hat sich über Jahre etabliert und sorgt für Synergieeffekte bei der Instandsetzung der komplexen Systemfahrzeuge. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die meisten Soldatinnen und Soldaten von der 3. Kompanie des Gebirgsversorgungsbataillons 8 aus Füssen.

Eingangsprüfung und Fehlersuche sind Grundlage für die spätere Arbeit an den Fahrzeugen.

Vorab werden bei jedem Fahrzeug bei einer qualifizierten Eingangsprüfung durch den amtlich anerkannten Prüfer die gemeldeten Mängel bzw. Fehler überprüft. Dies geschieht mittels Sicht- und Funktionsprüfung. Nicht selten werden hierbei noch weitere Mängel gefunden. Die festgestellten Schäden werden anschließend durch die Mechatroniker behoben. Ein System, wie man es aus einer guten Werkstatt in Deutschland kennt. Sollten Ersatzteile erforderlich sein, werden diese durch den Kfz-Meister oder Prüfer persönlich angefordert. Das ist dann wiederum nicht ganz so einfach wie in Deutschland, wo eine zeitnahe Versorgung von Ersatzteilen die Regel ist. Deswegen müssen die Bestände im Einsatz sorgfältig überwacht werden, um Lieferengpässe zu vermeiden. Dazu werden für einsatzrelevante Ersatzteile Prognosekonten angelegt und geführt. Schließlich wird das Gros der Fahrzeuge und Systeme dringend zur Auftragserfüllung benötigt.

Für den Ausbau eines Triebwerks vom Transportpanzer Fuchs ist schweres Gerät notwendig.

Jeder Handgriff muss sitzen

Bei größeren Schäden oder Reparaturen ist oftmals Teamwork gefragt, besonders beim Aus- und Einbau eines Triebwerkes vom Gefechtsfahrzeug, einem Teilpanzer mit dem Namen Fuchs. Allein das Triebwerk hat ein Gewicht von zirka zweieinhalb Tonnen. Jeder Handgriff muss hier sitzen. Aufgrund der intensiven Ausbildung in Deutschland ist es möglich, dass ein Triebwerk in knapp 15 Minuten aus- oder eingebaut werden kann. Der hierzu benötigte Fahrzeugkran mit einem Gesamtgewicht von 20 Tonnen, wird durch die Truppe ebenfalls selbst bedient. Auch hier steht der Arbeitsschutz im Vordergrund.

Die Instandsetzungshalle bietet Platz für die Reparaturarbeiten und schützt vor der heißen Sonne Afrikas.

Extreme klimatische Bedingungen

Bei den klimatischen Bedingungen in der Sahelzone sind Mensch und Material besonderen Belastungen ausgesetzt. Daher ist die Erfahrung mit dem Werkzeug und den Maschinen unerlässlich, um Fehlerursachen schnellstmöglich zu erkennen und um das Fahrzeug in kürzester Zeit reparieren zu können. Bei Außentemperaturen von über 40 Grad ist für die Besatzung der Fahrzeuge hier vor Ort die Klimatisierung im Fahrzeuginneren von wesentlicher Bedeutung, um ihren Auftrag konzentriert und sicher durchführen zu können. Dazu stehen für jede Fachrichtung des Fahrzeuges Spezialisten im Camp zur Verfügung. Sie sorgen für richtige Temperaturen im Fahrzeug, für die Funktionstüchtigkeit der elektronischen Geräte und Kommunikationsmittel und stellen die Einsatzfähigkeit der Bordwaffensysteme sicher.

Bremsen werden getestet

Durch die extreme Nutzung der Fahrzeuge in der Wüste unterliegen die Fahrzeuge einem sehr hohen Verschleiß. Zumeist unbefestigte Straßen, spitzes Gestein und sprichwörtlich „Sand im Getriebe“ sind die besonderen Herausforderungen. Die Räder sind hiervon besonders betroffen. So müssen diese öfter überprüft oder gewechselt werden. Ebenso werden auch die Bremsen bei den hohen Temperaturen stark beansprucht. Bei den an die klimatischen Bedingungen angepassten Wartungen gehört für die Fahrzeuge deshalb immer ein Bremsentest dazu. Durch die Bodenbeschaffenheit im Camp Castor ist eine solche Prüfung nur auf dem speziellen Bremsprüfstand möglich. Die Vorschriften und Regelungen aus Deutschland sind auch für den Einsatzbetrieb bindend, um die Sicherheit für die Nutzer beim Betrieb zu gewährleisten. Nur so kann beispielsweise die richtige Funktion der Bremsanlage sicher beurteilt werden.

Bremsentest auf einem speziellen Prüfstand. Die Soldatinnen und Soldaten müssen sich auf ihr Material verlassen können.

Alle Kameraden des Instandsetzungszuges haben einen zivil anerkannten Beruf, welchen sie vor der Bundeswehr erlernt haben oder in dem sie durch die Bundeswehr ausgebildet wurden. Dank spezieller Aus- und Weiterbildungen auf die verschiedenen Fahrzeugtypen ist jeder einzelne ein Fachmann auf seinem Gebiet. Dennoch sind gerade im Einsatz andere Fehler oder Schäden vorzufinden, welche nicht in der Ausbildung in Deutschland behandelt werden können. Dies sind unter anderem sporadische Ausfälle durch Überhitzung von Motoren, Getrieben oder elektronischen Bauteilen. In solchen Fällen zahlt sich Erfahrung mit den Fahrzeugen aus.

Einsatzgeschehen wird somit gesichert

Nach der Reparatur erfolgt die Ausgangsprüfung immer durch einen Meister oder Prüfer und die Instandsetzungsarbeiten werden schriftlich dokumentiert. Erst dann geht es wieder zurück an den Nutzer und das Fahrzeug kommt wieder zum Einsatz. Der Instandsetzungszug trägt mit seiner Arbeit damit unmittelbar dazu bei, die Durchführbarkeit des Einsatzauftrages zu sichern und minimiert die Unfallgefahr bei der Benutzung von Fahrzeugen.

kb/PAO

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