"Wir haben die Entwicklung verschlafen"

Reuttes Bürgermeister Alois Oberer (rechts) ergreift beim öffentlich Bürgermeisterfrühstück am Reuttener Untermarkt das Wort. Foto: Schuster

Erste kleine Früchte hat die Europäische Mobilitätswoche in Reutte am Freitag vergangener Woche bereits getragen. Am Untermarkt trafen sich die Bürgermeister von Reutte und mehreren umliegenden Gemeinden zum öffentlichen Frühstück und diskutierten Verkehrspolitik. Das Fazit: Die Außerferner hängen offenkundig so sehr an ihren Autos, dass die Rathauschefs an der Wirtschaftlichkeit des Verkehrsverbunds zweifeln. Am kommenden Samstag, 25. September, sind die Reuttener aufgerufen, auch ihre Gedanken im Rahmen einer Bürgerversammlung in der Sporthalle zu äußern.

„Wir wollen Zeigen, wie es sich anfühlt, wenn Reutte nicht den Autos, sondern der Bevölkerung gehört“, erläuterte Bürgermeister Alois Oberer am vergangenen Freitag, dem „Tag der Verantwortung“ am Reuttener Untermarkt. Autos fuhren an diesem Tag in der Tat keine durch die Straße, stattdessen übten Kinder das sichere Fahrradfahren und die Polizei schulte die Kleinen in Verkehrssicherheit. An anderer Stelle setzten sich die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden zusammen, um über das Thema Verkehr zu diskutieren. „Wir sind auf der Suche nach unserem Zentrum“, erklärte der gastgebende Bürgermeister, Alois Oberer. Er plädierte für ein Fahrrad freundliches Reutte, fahre auch selbst jeden Morgen mit dem privaten Rad zu Arbeit. „Die Distanzen sind ein Problem“, meinte Ehenbichls Bürgermeister Wolfgang Winkler zum Thema Fahrräder, ebenso wie das Wetter. Im Außerfern „steigt man wegen 100 Metern ins Auto“, erklärte er. Diese Mentalität schlage sich auch auf den ÖPNV nieder: „Der Verkehrsverbund wird nicht angenommen“, so Winkler. Das bestätigte sein Vilser Kollege Günter Keller. Ein noch düsteres Bild zeichnete Pflachs Rathauschef Helmut Schönherr von der Bussituation. Seine Gemeinde sei bald „nicht mehr bereit, den Nahverkehr zu finanzieren.“ Ausstiegsgedanken hegt auch sein Lechaschauer Amtskollege Aurel Schmidhofer, der meinte „wenn uns nix besonderes einfällt, wird der Nahverkehr in der jetzigen Form sterben“. Stattdessen könne sich Wängles Gemeindeoberhaupt Christian Müller ein Taxi- oder Rufbussystem vorstellen, ebenso Bürgermeister Karl Wechselberger aus Pinswang, der angab, dass auch die Bahnlinien jenseits der Grenze zu Deutschland besser angenommen würden. "Entwicklung verschlafen" Von einem Ausstieg aus dem Verkehrsverbund wollte Oberer jedoch nichts hören. „Wir sollten uns zusammensetzen und das besprechen, bevor wir sagen, wir zahlen nicht.“ Vils' Bürgermeister Günther Keller plädierte dafür, das Verkehrsproblem auf Bezirksebene „von oben nach unten anzugehen. „Wir haben die Entwicklung verschlafen“, so Keller, Füssen und Kempten hätten schon vor 40 Jahren Fußgängerzonen eingerichtet, „Wir sind schon spät dran“. Für Oberer sei das Reuttener Verkehrsproblem selbst gemacht. Er meinte: „Bevor wir weiterdenken, müssen wir das Problem im Zentrum beheben.“ Reutte könne den Verkehr nicht umleiten, es habe keinen „äußeren Ring“. Eine eventuelle Umfahrung Reutte Süd aber „geht nur mit den anderen Gemeinden“, wie der Moderator des Bürgermeisterfrühstücks, Mag. Günter Salchner, Chef der Regionalentwicklung Außerfern, erklärte. Ein positives Resümee aus der Veranstaltung: die Bürgermeister lobten die gute Kommunikation untereinander, „es funktioniert der Ideenfluss“, freute sich Wolfgang Winkler. Kompromissbereitschaft zeigte Oberer, Gemeindeoberhaupt des vergleichsweise finanzstarken Reutte, als die Rathauschefs abschweiften und auf die Wirtschaft sowie das liebe (Steuer-)Geld zu sprechen kamen. „Ich kann mir eine andere Verteilung der Kommunalsteuer vorstellen, wenn für den Bezirk etwas gutes dabei herauskommt“, sagte er.

Auch interessant

Meistgelesen

Motorradfahrer schwer verletzt
Motorradfahrer schwer verletzt
Alle Türen stehen weit offen
Alle Türen stehen weit offen
Hauptsache dabei sein
Hauptsache dabei sein
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park

Kommentare