Dem Ärztemangel entgegentreten

Wirtschaftsförderer bereiten Schüler aus dem Außerfern auf den Aufnahmetest zum Medizinstudium vor

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Günter Salchner, Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern, (v.l.), WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler, Ausbildungsarzt Johannes Kerber, Gymnasium-Direktor Manfred Pfeifer und Dietmar Baron, Verwaltungsdirektor des Bezirkskrankenhauses, haben die Einstiegshürde zum Medizinstudium „durchleuchtet“.

Reutte – So viele Bewerber wie noch nie haben sich jetzt nach Angaben der Wirtschaftskammer Tirol dem Aufnahmetest zum Medizinstudium gestellt. Doch die Außerferner Kandidatinnen und Kandidaten waren gut vorbereitet, so die Wirtschaftskammer (WK). 

Allein an der Med-Uni Innsbruck nahmen rund 3000 am Test teil. Der Druck ist enorm, nur knapp jeder Achte schaffte die Aufnahme. Doch die Außerferner Kandidatinnen und Kandidaten waren gut vorbereitet, so die Wirtschaftskammer (WK). Denn die WK Reutte hat in Zusammenarbeit mit der Regionalentwicklung Außerfern, dem Bezirkskrankenhaus Reutte und dem Gymnasium Reutte bereits zum fünften Mal einen Vorbereitungskurs angeboten.

Mit Erfolg: Rund die Hälfte aller bisherigen Kursteilnehmer sicherten sich nach Angaben der WK auf Anhieb einen Studienplatz. Beim insgesamt neunstündigen schriftlichen Aufnahmetest für Humanmedizin (MedAT-H) überprüft die Universität das schulische Vorwissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, Lesekompetenz und Textverständnis sowie kognitive Fertigkeiten, also Zahlenfolge, Gedächtnis und Merkfähigkeit, das Zusammensetzen von Figuren, Wortflüssigkeit und das Erkennen von Implikationen. 

Im Testteil „Sozial-emotionale Kompetenzen“ gibt es außerdem den Bereich „Emotionen Erkennen“: Dabei müssen die Bewerber anhand der Beschreibung einer Situation feststellen, wie sich ihr Gegenüber fühlt. Angehende Zahnmediziner mussten statt Textverständnis und dem Erkennen von Implikationen außerdem manuelle Fertigkeiten nachweisen. 

Am Reuttener Gymnasium wird mit einem speziellen Wahlpflichtfach versucht, das Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Medizin zu wecken. Zudem wird beim Vorbereitungskurs in der Wirtschaftskammer wird der Stoff für den Aufnahmetest aufbereitet. Johannes Kerber aus Pflach, derzeit Ausbildungsarzt am Bezirkskrankenhaus Reutte bestätigt, dass der Aufnahmetest die große Einstiegshürde ist: „Wer einen Studienplatz ergattert, zieht in der Regel sein Medizinstudium auch durch. Die Drop-Out-Quote ist dann gering.“ Wenn er seine Ausbildung beendet hat, möchte Kerber als Arzt im Außerfern tätig sein. Sein Werdegang – er besuchte das Gymnasium Reutte, studierte an der Med-Uni Innsbruck und kehrte als Ausbildungsarzt ans Krankenhaus Reutte zurück – und in weiterer Folge berufliches Wirken als Mediziner im Außerfern wäre nach Ansicht der Wirtschaftskammer Reutte der Idealfall, um dem bestehenden Ärztemangel im Bezirk entgegenzuwirken. 

„Wir haben den Vorbereitungskurs für den Aufnahmetest zum Medizinstudium bewusst in der Wirtschaftskammer organisiert“, erklärt WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler und ergänzt: „Wir wollen die „Mediziner in spe“ aktiv dabei unterstützen, sich ihren Berufswunsch zu erfüllen und sie so an die Region binden. Wir hoffen, dass sie nach ihrer Ausbildung dann wieder in die Heimat zurückkehren.“ 

70 Prozent-Förderung 

Das Bezirkskrankenhaus Reutte und die Lehrerschaft des BG/BRG Reutte sowie die Regionalentwicklung Außerfern unterstützten dieses LEADER-Projekt. Das bedeutet, dass 70 Prozent der Kosten für den Vorbereitungskurs übernommen wurden. Die Teilnehmer mussten dann nur noch 290 Euro selbst bezahlen. 

„Wir haben das Problem des künftigen Ärztemangels in der Region erkannt und suchen aktiv nach Lösungen“, freut sich Winkler über das gelungene Projekt. Im Frühjahr 2020 ist im WIFI Reutte der nächste Vorbereitungskurs für den Aufnahmetest zum Medizinstudium geplant.

kb

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