Schwammerlsucher gehen wegen des heißen Sommers häufig leer aus

Schlechte Zeiten für Sammler

+
Eigentlich ein Paradies für Pilzsammler, hat auch die Ostallgäuer Pilzpopulation unter dem heißen Sommer in diesem Jahr zu leiden.

Landkreis – Dieses Jahr bleiben die Körbe der heimischen Pilzsammler wahrscheinlich größtenteils leer. Denn die heimischen Speisepilze hatten es dieses Jahr schwer: Die heißen Temperaturen haben den Bergwald zu sehr ausgetrocknet, dass eine große Ausbeute an Pilzen wahrscheinlich ist.

„Die beste Zeit für das Schwammerlsuchen ist normal von Ende Juli bis Ende August. Aber dieses Jahr ist schlecht“, erzählt Max Steiner, ein passionierter Schwammerlsucher aus Buching. „Das liegt vor allem daran, dass der Sommer heuer so heiß und trocken war.“ Denn Pilze lieben vor allem feucht-warme, dampfige Tage. Es sollte immer wieder mal regnen, generell aber milde Temperaturen haben. Dann fühlt sich der Pilz, der nur der Fruchtkörper eines unterirdischen Netzes aus Myzel ist, wohl. 

Bevorzugt wächst er auf feuchten, bemoosten Flächen. „Die Hitze dieses Jahr hat das Myzel im Waldboden ausgetrocknet, das erholt sich heuer nicht mehr“, sagt Steiner. „Inzwischen ist es nachts außerdem oft zu frisch für Pilze. Wenn die Temperaturen in der Nacht unter 10°C fallen, wachsen sie kaum noch.“ Eigentlich ist das Ostallgäu aber ein Paradies was Schwammerl betrifft. „Im Berg oben wachsen bei uns kaum giftige Pilze außer Fliegenpilz oder Perlpilze. Dafür sind Steinpilz und Pfifferling häufige Sorten“, erklärt Steiner. 

Nach Pilzen sucht er schon seit seiner Kindheit im Bayerischen Wald. „Als kleiner Junge habe ich oft für das Mittagessen Pilze gesammelt, hauptsächlich Rotkappen und Birkenpilze. Man hatte ja damals nicht viel, da waren Pilze eine gute, kostenlose Mahlzeit“, erzählt der 75-Jährige. „Die Pilze hat meine Mutter dann oft scharf in der Pfanne angebraten, Eier drüber und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Das ist heute noch eines meiner Lieblingsgerichte mit Pilzen.“ 

Allerdings werden die Pilze immer weniger. Immer mehr Menschen gehen sammeln, oft sind sie dabei kaum informiert und sammeln alles was sie finden. „Schlimm ist es, wenn die Leute einfach ohne Ahnung alles mitnehmen. Der Pilz ist ja auch wichtig für den Wald. Die Menschen, die sich nicht genügend auskennen, richten oft Schaden an“, sagt Pilzkenner Steiner. „Besser ist es, nur die Pilze mitzunehmen, die man kennt. So mache ich das auch“, so der Buchinger. Das nötige Grundwissen zu den heimischen Pilzen könnten sich Interessierte mit Hilfe vieler guter Bücher anlesen. „Im Zweifelsfall aber trotzdem lieber Pilze, bei denen man sich nicht sicher ist, stehen lassen, als dass man sie mitnimmt und dann doch wegwerfen muss“, mahnt er. 

Interessante Tipps 

Wer trotz des trockenen Sommers auf Pilzsuche gehen möchte, sollte einiges beachten. „Man muss natürlich schauen, dass man die Pilze richtig erntet und nicht zu viele mit nach Hause nimmt“, erklärt Schwammerlsucher Steiner. „Richtig ist, wenn man sie aus dem Boden dreht oder abschneidet, um das Myzel nicht kaputt zu machen. Für den Eigenbedarf darf man bestimmte heimische Arten sammeln, allerdings begrenzt. In Tirol wird das sogar streng kontrolliert“, erklärt der 75-Jährige. „Am besten verarbeitet man die gesammelten Pilze auch gleich. Man kann sie auch dörren und dann in einem Glas luftdicht lagern, so behalten sie ihr Aroma. Einfrieren sollte man Pilze nicht zu lange, da halten sie höchstens ein halbes Jahr.“

 Übung und Erfahrung 

Wer die leckeren Gewächse im Wald finden will, braucht viel Übung und Erfahrung. „Man muss ein Auge für die richtigen Plätze haben und wissen wo Pilze gern wachsen. Wenn jemand dann ein sicheres Plätzchen hat, nimmt er niemand dahin mit“, schmunzelt Steiner. Denn in diesem Punkt scheinen sich alle, die sich auf die Suche nach Pilzen machen, einig zu sein: Wer welche findet, wird auf keinen Fall verraten, wo das war.

Veronika Höldrich

Meistgelesen

"Wichtiger als der Karneval"
"Wichtiger als der Karneval"
Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
Betroffene sollen mitbestimmen
Betroffene sollen mitbestimmen

Kommentare