Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke spricht im Kreisbote-Interview über Ziele und Herausforderungen

Schwangauer Bürgermeister: "Richtige Sorgenkinder haben wir keine"

+
Schwungaas Bürgermeister Stefan Rinke hofft, dass sich der Probleme rund um den Forggensee nun angenommen werden.

Schwangau – Vor allem finanziell steht die Gemeinde Schwangau heuer so gut dar wie wohl noch nie zuvor.

Damit das auch künftig so bleibt, muss die Kommune in ihre Infrastruktur investieren. Darüber und wohin sich das „Dorf der Königsschlösser“ in Zukunft unter anderem touristisch entwickeln soll, sprach der Kreisbote mit Bürgermeister Stefan Rinke (CSU). 

Welche neuen und wichtigen Projekte sind in naher Zukunft in Schwangau geplant? 

Rinke: „Wir kümmern uns intensiv um die Sanierung und Modernisierung der Infrastruktur in Schwangau. Das ist auch in Zukunft unsere Hauptaufgabe und Pflicht. Wesentliche Bereiche sind Feuerwehr, Digitalisierung, Straßen und Kanal. Dazu gehört für uns auch die aktuelle Bauleitplanung. Wir haben in drei historischen Dorfteilen Veränderungssperren erlassen, um unser Ortsbild zu bewahren und gemeinsam mit den Eigentümern einen Planungsprozess gestartet. Im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern wollen wir die Frage beantworten, wie unsere Heimat in Zukunft aussehen soll.“ 

Wie steht es um die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen? 

Rinke: „Einige Maßnahmen haben wir abgeschlossen und Vieles läuft. Die Breitbandversorgung haben wir bereits erfolgreich verbessert. Es gibt keine digitalen Notstandsgebiete mehr. Jetzt sind insbesondere die Ortsteile Brunnen und Mühlberg/Bannwaldsee angeschlossen. Glasfaserleitungen sind aber nur ein kleiner Teil der Digitalisierung, mit der wir überall konfrontiert sind. Deswegen haben wir in Hohenschwangau umfangreiches Bayern-WLan installiert. Das gehört heute zwingend zur touristischen Infrastruktur einer internationalen Destination. Seit Oktober können unsere Gäste auch bei Schloss Hohenschwangau und am Tegelberg kostenlos und sicher surfen. Im Übrigen haben wir als erste Kommune in Bayern unseren Bergbahn-Standort mit Bayern-Wlan ausgestattet. Überwältigend ist die Annahme der digitalen Angebote. Allein im August haben rund 160.000 Menschen unser Bayern-Wlan genutzt. Die Digitalisierung betrifft auch die Verwaltungsstrukturen. Bereits 2014 haben wir damit begonnen. Meine Kolleginnen und Kollegen im Rathaus  praktizieren ein konsequentes Veränderungsmanagement, welches die gesamte Arbeitsorganisation umfasst. Eine Entwicklung, die uns dauerhaft beschäftigen wird. “ 

Und was ist mit den Vorhaben jenseits der Digitalisierung?

Rinke: „Kurz vor dem Abschluss steht auch die Sanierung der Pöllat-Schlucht, die uns länger beschäftigt hat. Arbeiten im alpinen Gelände stellen einen sehr dynamischen Prozess dar. Wir mussten hier sehr flexibel sein und unsere Planungen an neue Situationen anpassen. Insgesamt sind wir mit dem Ergebnis zufrieden und glauben, dass wir jetzt in Kooperation mit einem internationalen Expertenteam ein innovatives Verfahren für den Umgang mit Georisiken gefunden haben. Ein solches Sicherheitskonzept gab es nach unserer Kenntnis bisher noch nicht. Wir sehen uns hiermit auch ein bisschen in der Vorreiterrolle im Alpenraum. Eine echte Herausforderung für eine kleine Gemeinde.“

Welches Projekt beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Rinke: „Unser größtes Projekt ist aktuell der Neubau des Feuerwehrhauses. Im Mai 2017 haben wir die Planungsleitungen dafür ausgeschrieben. Gut ein Jahr später im Juni war dann Spatenstich. Die Fertigstellung ist für September 2019 angestrebt. Auf der Baustelle ist Hochbetrieb. Wir haben bisher 2,8 Millionen Euro an Bauleistungen vergeben. Davon 2,6 Millionen an einheimische Betriebe. Insgesamt liegen wir gut im Zeit- und Kostenplan.“ 

Wie steht es um die Straßen in der Gemeinde? 

Rinke: „Im nächsten Jahr stehen noch Baumaßnahmen an Straßen und Wegen an. Beispielsweise die Fertigstellung der Straße zum Feuerwehrhaus oder Instandsetzung des Wanderwegs zur Rohrkopfhütte." 

Was sind die „Sorgenkinder" der Gemeinde Schwangau? 

Rinke: „Richtige 'Sorgenkinder' haben wir keine, aber Herausforderungen, für die wir nachhaltige Lösungen suchen. Dazu gehört sicherlich der Forggensee." 

Inwiefern?

Rinke: „Die Landschaft des Forggensees wurde von der Landespolitik jahrzehntelang vernachlässigt. Im Jahre 1954 wurde der Stausee als künstliches Bauwerk zur Energiegewinnung angelegt. Jedoch haben sich in den vergangenen 70 Jahren seine Funktionen grundlegend geändert. Der Forggensee hat sich vom technischen Kopfspeicher zu einer Kulturlandschaft mit ökologischer und ökonomischer Bedeutung für eine ganze Region entwickelt. Auf diesen fundamentalen Wandel hat die Politik bisher kaum reagiert. Unklare Zuständigkeiten und mangelnde Kooperationsbereitschaft zwischen Freistaat und Energieunternehmen haben keine sachgerechte Entwicklung des Forggensees ermöglicht. Die bisher praktizierte planlose Sukzession des Naturraums widerspricht der Bedeutung dieser wertvollen Kulturlandschaft. Initiativen aus Schwangau zur Erarbeitung eines fundierten Entwicklungs- und Pflegeplans fanden bislang kein Gehör. Erst die Sanierung des Staudamms in Roßhaupten im Jahr 2018 führte zu einer öffentlichen Beachtung der Probleme des größten Stausees in Deutschland. Unsere Hoffnungen liegen jetzt auf dem angekündigten staatlichen 'Masterplan 2030'. Seine Ziele müssen vom Freistaat Bayern gemeinsam mit den Anrainergemeinden formuliert werden. Dabei muss der direkte Nutzen der Menschen und Wirtschaft vor Ort angemessen berücksichtigt werden.“ 

Die Zahl der Touristen steigt auch in Schwangau jährlich. Vor welche Herausforderungen stellt das die Gemeinde?

Rinke: „Eine ständige Herausforderung sind die Tagestouristen von Schloss Neuschwanstein. Wir sind stolz auf unsere Schlösser, das ist klar. Gleichzeitig bringt der Schlosstourismus auch erhebliche Belastungen mit sich. Deswegen müssen wir die touristische Infrastruktur in Hohenschwangau verbessern und modernisieren. Jedoch können wir das als Gemeinde Schwangau nicht alleine. Wir brauchen dazu die Unterstützung unser Partner Freistaat Bayern und Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Entsprechende Gespräche in diese Richtung laufen schon. Ziele sind unter anderem eine Verkehrsberuhigung und -lenkung sowie eine allgemeine Qualitätssteigerung für unsere Gäste. Vielversprechende Ansätze gibt es bereits, damit meine ich die Einführung eines Online-Tickets.“ 

Wie sieht Ihrer Meinung nach das Angebot für Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Mountainbiken oder Wandern in Schwangau und im Umland aus?

Rinke: „Schwangau ist ein Mikrokosmos. Es gibt wohl nur wenige Orte, mit einem so facettenreichen Freizeitangebot. Das liegt schon an der einzigartigen Landschaft, mit Bergen, Schlössern und Seen. Wichtig sind natürlich auch Einrichtungen wie das Musseum der Bayerischen Könige, die Kristalltherme, die Tegelbergbahn und unser Schlossbrauhaus. Wer in Schwangau aktiv sein will, kann das. Die Möglichkeiten reichen vom hochalpinen Klettersteig über das Drachenfliegen und Skitourengehen bis zum Stand Up Paddling. Für die gemütlicheren Zeitgenossen halten wir ein abwechslungsreiches Netz von gepflegten Wander- und Radwegen bereit. Als Talort des Ammergebirges ist Schwangau zudem Ausgangspunkt für fast unbegrenzte Touren. Gleichzeitig streben wir eine Lenkung der Wanderer und Radfahrer an, um die Lebensräume von Pflanzen und Tieren zu schützen. Denn wir fühlen uns dem sanften Tourismus verpflichtet. Eine „Eventisierung“ ist nicht unser Weg. Insgesamt wollen wir unseren Einheimischen und Gästen eine hohe Lebensqualität bieten." 

Wie sieht die Situation in Sachen Übernachtungen, Beherbergungsstätten und Hotels aus? Welche Unterkünfte sind bei den Touristen am beliebtesten und welche werden vorzugsweise gebucht? 

Rinke: „Die Übernachtungszahlen sind für die Gemeinde Schwangau keine relevante Messgröße mehr. Denn wir setzen auf Qualität statt Quantität. Diese Überzeugung wird von unseren Tourismusbetrieben getragen – übrigens alles Familienbetriebe. Diese haben in den vergangenen Jahren viel in ihre Häuser investiert und das schätzen die Gäste. Qualität ist dabei keine Frage der Beherbergungsart mehr. Wir haben beispielsweise zwei Campingplätze im Premiumsegment. Ebenso haben wir Top-Hotels in den unterschiedlichen Sterne-Kategorien. Ergänzt und bereichert. wird unser Angebot ab nächstes Jahr mit der Eröffnung des Ameron Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa der renomierten Althoff-Gruppe.“ 

Ist in Sachen kulturelles Angebot etwas Neues geplant? Wie sieht es generell mit dem Kulturangebot aus? 

Rinke: „Brauchtum und Kultur wird in unseren Vereinen gepflegt. Sie sind das Herz unseres Dorflebens. Es freut mich besonders, dass wir kaum Nachwuchssorgen haben. Die Schwangauer Vorstände machen eine vorbildliche Kinder- und Jugendarbeit. Beim Kulturangebot möchte ich zwei private Projekte besonders hervorheben. Das ist zum einen das Hoftheater am Bullachberg von Rebecca von Elmenau und ihrer Mutter. Die jährlichen Aufführungen sind in kurzer Zeit vom Geheimtipp zur Institution geworden. Das andere Projekt ist die Blaue Bühne die Albert Aulinger vom Wittelsbacher Ausgleichfonds initiiert hat. Dort wird regelmäßig Kleinkunst auf höchstem Niveau geboten. Weitere Höhepunkte waren heuer in Schwangau das 80 Jubiläum des Kurparks und die Ausstellungen über 450 Jahre Freie Reichsherrschaft Hohenschwangau sowie die Karl-Singer-Ausstellung zum 30. Todestag. Im Kalender der Gemeinde finden sich pro Jahr über 1000 organisierte Veranstaltungen. Die reichen von A wie Alphornblasen bis zu Z wie Zehn Seen-Genuss-Radeltour. Langweilig wird den Einheimischen und Gästen bei uns nicht. Vor allem, weil viele der Veranstaltungen ehrenamtlich d

urchgeführt werden. Was Brauchtum, Kultur und Sport angeht herrscht in Schwangau 'Vollbeschäftigung'.“ 

Was ist für Sie persönlich das Besondere an Schwangau? 

Rinke: „Wir Schwangauer!“ Herr Rinke, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Wohnungen und Gewerbe: Füssener Stadtrat diskutiert über das weitere Vorgehen im Füssener Norden
Wohnungen und Gewerbe: Füssener Stadtrat diskutiert über das weitere Vorgehen im Füssener Norden
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bewilligt Zuschüsse für Ausbau des Skateparks
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bewilligt Zuschüsse für Ausbau des Skateparks
Füssener Naturfreibad soll nun doch in das Kneipp-Konzept integriert werden
Füssener Naturfreibad soll nun doch in das Kneipp-Konzept integriert werden
Halle bei Oberreuten brennt komplett nieder
Halle bei Oberreuten brennt komplett nieder

Kommentare