Pfrontener CSU lädt zum Starkbierfest

Bier und Brisantes

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Wolfgang Goldstein alias Don Carmello Corleone zeigt in seiner Predigt, wo es langgeht.

Pfronten – Derblecken, das ist den Spiegel vorhalten, den Menschen ihre Schwächen und kleinen Fehler aufzeigen. Und es gehört einfach im südlichen Ostallgäu dazu.

Nachdem der Starkbieranstich des vergangenen Jahres einen leicht bitteren Beigeschmack gehabt habe, so Don Carmello Corleone, gab er den Anwesenden und denen, die am Samstagabend beim Starkbieranstich nicht dabei waren, einen Rat mit auf den Weg: „Der’s net vertragt, der sollt Bayern schnellstens verlassen“.

Das Dutzend ist voll, verriet CSU-Ortsvorsitzender Dr. Alois Kling zu Beginn. Er spielte damit darauf an, dass die Pfrontener CSU vor zwölf Jahren den ersten Starkbieranstich gefeiert habe, damals allerdings noch im kleineren Rahmen. Seit sieben Jahren findet die Veranstaltung mittlerweile nun im Pfarrheim statt. „Die Entscheidung war richtig“, so Kling. Bis auf den Balkon und auf der Bühne saßen die Gäste heuer, um dem heimischen Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke beim Anstechen des Fasses zuzuschauen.

Anschließend warteten die vatikanischen Empfehlungen Don Carmello Corleones und das Singspiel von Pater Andi „Andrew“ Sirch sowie den Geschichten von Waltraud Mair auf das Publikum.

Viel Prominenz

Neben dem Bundestagsabgeordneten Stracke und der „Biergameisterin“ – das ist die, die am meisten Bier trinken kann, so Pater Andrew – Michaela Waldmann, konnte Kling auch die CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer unter seinen Gästen begrüßen.

Vom Chef der Engelbräu, Hermann Widenmayer, gab es noch einige Erklärungen zum diesjährigen Gerstensaft, den Stracke mit zwei gekonnten Schlägen zum Fließen brachte. Nachdem alle mit Bier versorgt waren, hatte der vatikanische Abgesandte seinen Auftritt – und der las den Pfrontenern mit erhobenen Zeigefinger die Leviten.

Was für die Staatsregierung die himmlischen Worte, das ist für Pfronten die Botschaft aus dem Vatikan. Mit Rucksack und Wanderschuhen, quasi seine Fluchtausstattung, war der Don alias Wolfgang Goldstein des Weges. Und versicherte sich, dass all jene, denen nicht passt, was er zu sagen hat, draußen blieben. Um mit einer „Situazione brisante“ zu beginnen, es gehe um die Königscard. Die ziehe sich mittlerweile durch die Geschichte des Dorfes und lasse aus sozialen Netz- unsoziale Hetzwerke werden. „Man beklagt und verklagt sich“, bedauerte Don Corleone die Pfrontener.

Weshalb der Vatikan Pfronten nun offiziell erlaube, in centro eine Klagemauer zu errichten. Dazu könne man idealerweise die der Polizeistation nehmen, in Sichtweite der Bürgermeisterin, des Tourismusdirektors und des Gemeinderates.

Der Kirchenmann bedauerte auch die Bürgermeisterin, die mit den sieben Plagen der Neuzeit, wie dem Stachus in Weißenbach, dem Centro di Ski, der Bergbahn und der Königscard leben müsse. Vor allem das Skizentrum habe es ja in sich, könne die Bürgermeisterin ja noch nicht einmal aussteigen aus dem Projekt – nachdem es ja noch gar keinen Einstieg der Gemeinde gegeben habe. Und nicht nur für diesen Satz gab es ordentlich Applaus von der Starkbiergemeinde.

Vielleicht, so die Anregung, sollte es Michaela Waldmann machen wie die Außerferner: Sich einen Plan B zulegen. Die hätten dort mittlerweile 5B – neben Burgen, Bergen, Bahnen und der Brücke einen B(P)uff.

Wie ein Glas Bier

 Eine Idee für den Stachus in Weißenbach und den Vollpfosten dort hatte Corleone auch – ein Hinweisschild auf das Don Corleone-Village, mit einem Hinweis auf die Ortsteile Halden und Röfleuten. Zur Situation der Spiegel fiel allerdings auch dem Mann mit den göttlichen Eingebungen nichts ein. Dazu hatte sich aber Pater Andrew, ebenfalls zum zwölften Mal dabei, seine Gedanken gemacht. Vielleicht, so seine Idee, sollte man einen Zauberspiegel aufhängen, der würde nicht mehr verzerren oder anlaufen und hätte immer die rechte Größe.

Auch ihn trieb das Thema Königscard um, wo zwei Welten aufeinander träfen, so der Padre. Das sei wie das Glas Bier, für die einen halb voll, für die anderen halb leer. Interessanter sei dann schon, wo der Schatten der neuen Ostlerhütte hinfalle, sinnierte Pater Andrew, um sich dann noch über die Klimafuzzis aufzuregen, die zwar genau wüssten, wie das Klima 2080 werden wird, es aber nicht schafften, eine korrekte Vorhersage für zwei Monate später zu erstellen. „Oder haben sie einen Jahrtausendwinter erlebt nach diesem Jahrhundertsommer 2015?“

Falscher Ansprechpartner

 Immerhin musste Pater Andrew nicht das Schicksal von Waltraud Mair teilen, die eigentlich nur eine neue Brille brauchte. Dummerweise aber ihre Nöte einem Sextherapeuten erzählt, der angesichts der rüstigen Damen und ob ihrer Gewohnheiten, „das Bedürfnis han i all Däg, morgens nach’m Kaffee, aber all dag ebbas neues“, arg ins Schwitzen geriet. Wie kann er denn auch wissen, dass sie sich nachmittags noch ihre drei Alten vornimmt. „Grad im Alter braucht man des fei scho!“, erklärt sie dem verdutzen Doktor, und wundert sich noch, dass er nicht eine einzige Brille in seinem Geschäft hat.

Angesichts des Jubiläums 500 Jahre Reinheitsgebot in Bayern hatte Pater Andrew noch einige Anmerkungen zum Thema Bier zu machen und dachte über die Bierokratie nach, über die „Biergameister“ und „Shakesbier“. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bitterstoffe im Bier das einzige waren, was beim Starkbieranstich 2016 für einen entsprechenden Geschmack gesorgt hat.

Oliver Sommer

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