Langjähriger Rathaus-Mitarbeiter kündigt und sucht eine neue Herausforderung

Füssens Hauptamtsleiter Rist hört auf

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Nach fast 20 Jahren verlässt der 41-jährige Hauptamtsleiter Andreas Rist das Füssener Rathaus.

Füssen – Der langjährige Hauptamtsleiter Andreas Rist wird die Stadtverwaltung zum 30. September aus eigenen Stücken verlassen. Das teilte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Donnerstagvormittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit.

Demnach sucht Rist eine neue berufliche Herausforderung. „Das ist äußerst bedauerlich“, so Iacob. Wer Rists Nachfolger als Hauptamtsleiter wird, ist noch unklar. 

Wie Iacob erklärte, soll zunächst eine Rathaus interne Ausschreibung für die Stelle des Hauptamtsleiters erfolgen. Sollte sich dabei niemand finden, werde die Stelle extern ausgeschrieben. Vorerst wird der stellvertretende Hauptamtsleiter Markus Gmeiner Rists Aufgaben übernehmen. Das hatte er bereits in den vergangenen Wochen getan, da Rist seit einiger Zeit krank geschrieben ist.

So war er auch am Donnerstagvormittag nicht anwesend. Stattdessen verlas der Bürgermeister eine kurze schriftliche Stellungnahme Rists. Demnach will sich dieser beruflich neu orientieren. „Die Zeit ist für mich gekommen, mich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen“, heißt es in der Mitteilung. 

Iacob sagte, er bedauere Rists Rücktritt zutiefst. „Wir haben uns immer auf ihn verlassen können.“ Der Füssener Bürgermeister nannte Rists Rücktritt „eine Konsequenz aus der jüngeren Vergangenheit“ und spielte damit auf die Kampagne durch Harald Vauk, Sprecher der sogenannten Aktiven Bürger Füssen, an.

Vauk hatte, wie mehrfach im Kreisbote berichtet, Rist in einer mehrmonatigen Kampagne Titel- und Amtsmissbrauch sowie fehlende Qualifikationen für das Amt des Hauptamtsleiters vorgeworfen. Der Kommunale Arbeitgeberverband bestätigte hingegen in einem Gutachten, dass Rist korrekt eingruppiert sei. Auch die Staatsanwaltschaft in Kempten sah keine Hinweise dafür, dass sich Rist des Titelmissbrauchs schuldig gemacht hat. „Es gibt keine Fragezeichen und kein Fehlverhalten“, betonte Iacob am Donnerstagvormittag. „Hier wird einem Menschen etwas unterstellt, was er nicht getan hat“, schimpfte er.

Umso bedauerlich sei es, „dass es in einem aufgeklärten Land möglich ist, einen Menschen so zu denunzieren“, sagte Iacob. Vauks Vorgehen sei ausschließlich „destruktiv und zerstörerisch“. 

Iacob kündigte an, sich auch weiterhin gegen die Kampagnen Vauks wehren zu wollen. „Da muss ich mich als Bürgermeister schützend vor die Leute stellen“, betonte er. Dass er als Politiker öffentlich angegriffen werde, sei normal. Dass ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung öffentlich so attackiert werde, hingegen nicht.

Deshalb hat er auch bereits in der Vergangenheit mehrere Strafanzeige gegen den „Sprecher“ der sogenannten Aktiven Bürger gestellt. Wie mehrfach berichtet, prüft die Staatsanwaltschaft in Kempten diese derzeit noch. Iacob kündigte in diesem Zusammenhang außerdem an, weiter nach Vauks mutmaßlichem Informanten in der Stadtverwaltung suchen zu lassen. „Wir haben einen Wasserträger, der ihn versorgt“, sagte er. Das führe auch zu Unsicherheiten unter den Mitarbeitern. 

Geschockte Mitarbeiter

Iacob gab auf Nachfrage zu, dass die Dimensionen von Vauks Angriffen auch von ihm zunächst womöglich unterschätzt worden seien. „Vielleicht hätte man damals schon offensiver an die Öffentlichkeit gehen sollen“, sagte er im Hinblick auf den klammheimlichen Austausch eines Organigramms auf der Homepage der Stadt im vergangenen Sommer, in dem Rist laut Iacob durch einen Fehler im Personalamt irrtümlich als Diplom-Betriebswirt bezeichnet worden sei. 

Nachdem der Stadtrat bereits am Dienstagabend im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung über Rists Rücktritt informiert worden sei, folgte am Mittwoch die Mitteilung gegenüber der Belegschaft des Rathauses. „Das wurde mit einem Schock aufgenommen“, so Felix Blersch, neuer Pressesprecher der Stadtverwaltung. „Da war eine tiefe Betroffenheit zu spüren“, ergänzte Iacob. „Nicht nur der Person, sondern auch der Situation wegen.“

Andreas Rist war zum 1. Juni 1998 nach seiner Ausbildung im Landratsamt Ostallgäu zur Stadt Füssen gekommen und dort zunächst als Leiter der Verkehrsüberwachung tätig. Nach Zwischenstationen im Rathaus erfolgte Anfang 2008 die Bestellung zum städtischen Hauptamtsleiter. Gleichzeitig war Rist Geschäftsleiter des Zweckverbandes Allgäuer Land (ZVAL). Iacob kündigte an, dass Rist bis zum 30. September Hauptamtsleiter bleibt. Allerdings werde er nicht mehr öffentlich auftreten. „Ich habe ihn zu schützen vor Menschen wie diesem Herren (Vauk, Anm.d.Red.)“, so der Bürgermeister.

Matthias Matz

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