Neuer Vorstand übernimmt überraschend den Tierschutzverein Füssen und Umgebung

Quo vadis, Tierschutzverein?

+
Stein des Anstoßes: Hund „Sammy“ und seine Halsbänder.

Füssen/Rieden – Chaos- tage beim Tierschutzverein Füssen und Umgebung: Diesen übernahm in der Jahreshauptversammlung am vorvergangenen Freitagabend im Haus Hopfensee scheinbar wie aus dem Nichts ein neuer Vorstand. Damit hat ein monatelanger vereinsinterner Machtkampf seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Im Mittelpunkt steht der neue Vorsitzende Josef Vogler aus Stötten am Auerberg. Er setzte sich vorvergangenen Freitag als überraschender Gegenkandidat in der Stichwahl mit zwei Stimmen mehr gegen den bisherigen Vereinsvorstand Jochen Kaltenbach durch.

Anschließend trat der komplette bisherige Vorstand zurück und teilweise auch aus dem Verein aus. Ehrenvorsitzende Evelyn Vesenmayer folgte, ebenso zwei Mitarbeiterinnen des Tierheims und die Urlaubsvertretung. Wobei eine der Frauen laut Josef Vogler aber schon am Tag zuvor gekündigt haben soll.

Bis Ende vergangener Woche kündigten insgesamt mindestens weitere sechs Mitglieder. „Für uns war sofort klar, dass wir mit Herrn Vogler nicht zusammen arbeiten wollen“, erklärt die bisherige 2. Vorsitzende Sabine Wismath Tage später ihren Rückzug. „Wir sind alle noch etwas geschockt.“

Begonnen hat das Drama mit „Sammy“. „Sammy“ ist ein starker Mischlings-Rüde und anscheinend schlecht erzogen. Um die Sicherheit für die ehrenamtlichen sogenannten Gassigeher und Passanten zu gewährleisten, wie es Kaltenbach erklärt, erteilte der bisherige Vorstand um Kaltenbach und Wismath am 8. Oktober vergangenen Jahres die schriftliche Anweisung an die Mitarbeiter des Tierheims und die ehrenamtlichen Gassigeher, „Sammy“ als „erzieherische Maßnahme“ künftig nur noch an „Zughalsbändern“ auszuführen.

 Für Vogler, der nach eigenen Angaben seit etwa acht Jahren am Wochenende ehrenamtlich Hunde des Tierheims ausführt, ein Verstoß gegen den Tierschutz, da sich die Tiere mit den Zughalsbändern ohne Zugstopper selbst strangulieren könnten. Außerdem seien Zughalsbänder ohne Zugstopper verboten nach der Tierschutz-Hundeverordnung, argumentiert er. „Das ist mit Sicherheit nicht Tierschutz konform“, sagt Vogler. Er habe die Anweisung daher am Tag nach der Wahl sofort widerrufen.

Ex-Vereinsvorstand Jochen Kaltenbach erklärt dagegen, dass die Anweisung sich nicht auf Halsbänder ohne Stopper bezogen habe, was er allerdings seinerzeit nicht betont habe. „Es war ein Fehler, nicht explizit rein geschrieben zu haben: mit Stoppern“, erklärt er.

Davon abgesehen sei die Anwendung der richtigen Halsbänder Sache der Tierheimmitarbeiterinnen und nicht eines ehrenamtlichen Vorstandes. „Dafür haben wir das Personal.“ Außerdem habe er sich zuvor noch Rat beim Veterinäramt eingeholt, das die Nutzung der Halsbänder (mit Stoppern) als unbedenklich eingestuft habe.

Wie dem auch sei. Seit jenem 8. Oktober gärte es jedenfalls in dem bis dato eher beschaulichen Verein. Es folgte ein anonymer Hinweis an die Polizei wegen der vermeintlich verbotenen Halsbänder. Bei einer Kontrolle hätten die Beamten aber ebenso wenig etwas beanstandet wie die mit der Erziehung der Hunde beauftragte Hundeschule, berichten Wismath und Kaltenbach übereinstimmend.

Kritik am Umgang

 In der Folgezeit verschlimmerten sich die atmosphärischen Störungen offenbar dennoch.

Auf der einen Seite stand der alte Vorstand, auf der anderen Josef Vogler und mehrere Verbündete. Auf ihrer Seite hatten sie auch das langjährigen Mitglied Erna Eberle, mittlerweile 2. Vorsitzende. Sie stört neben der Sache mit den Halsbändern vor allem der Umgang des abgelösten Vorstandschaft mit dem Personal und den ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Das war teils übel“, berichtet sie. „Alles wurde über den Kopf der Tierheimleitung entschieden. Sie wurde nicht miteinbezogen.“

Nach Ansicht des abgelösten Vorstandes sei das schlechte Klima im Heim jedoch auf die Tierheimleitung zurückzuführen gewesen.

Je länger der Streit dauerte, umso mehr Gedanken machte sich Vogler. Ende Dezember entschied er sich schließlich, für den Vereinsvorsitz zu kandidieren, da seiner Ansicht nach die alte Vorstandschaft die umstrittene Anweisung nicht außer Kraft setzen wollte. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt er. In Gesprächen mit Gleichgesinnten nahm der Plan schließlich Gestalt an: „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, die komplette Mannschaft auszutauschen.“

Denn eine Zusammenarbeit mit Teilen des bisherigen Vorstandes hätte nicht funktioniert, ist er sich sicher. Ende Januar, so erzählt er es, stand schließlich sein neues Vorstandsteam.

Viele neue Mitglieder

 Kurz nach Bekanntgabe des Termins für die Jahreshauptversammlung kam es dann plötzlich, so schildern es beide Seiten, zu vermehrten Neueintritten von Mitgliedern. Offenbar versuchten beide Seiten, sich eine Mehrheit zu organisieren. Dementsprechend ungewöhnlich hoch im Vergleich zu sonstigen Hauptversammlungen sei die Zahl der erschienen Mitglieder im Haus Hopfensee gewesen, berichten Teilnehmer.

Das etwas nicht stimmt, war auch der Ehrenvorsitzenden Evelyn Vesenmayer sofort klar, als sie den Saal betrat. „Wie ich da ankomme, sitzen da lauter fremde Leute“, erinnert sie sich. Im Wissen um die Vorkommnisse im Vorfeld habe sie sich sofort an den Versuch des Wankmiller-Clans erinnert gefühlt, der vor einigen Jahren versucht habe, ihren Verein Füssen-West zu übernehmen. „Das war linker als link!“, ist sie noch Tage nach der Versammlung überzeugt. „Das war geplant und hinterlistig.“

Allerdings sei der alte Vorstand auch „zu gutgläubig“ gewesen und hätte die Neuen so kurz vor einer Vorstandswahl nicht mehr aufnehmen dürfen. „Mir wäre das nicht passiert!“

Vesenmayer tritt aus

 Mit dem neuen Vorstand wolle sie nichts zu tun haben, sagt sie. Daher habe sie nach 40 Jahren – sie war dafür zu Beginn der Sitzung noch geehrt worden – ihre Mitgliedschaft gekündigt. „Das ist eine reine Verschwörungsgeschichte – und das macht eine Frau Vesenmayer nicht mit!“

Wie es nun mit dem Verein weitergeht, ist derzeit offen. Am Samstag sollte die Übergabe zwischen altem und neuem Vorstand stattfinden. Die Tiere im Heim müssen und werden betriebsbedingt derzeit von der Tierheimleitung, der Vorstandschaft und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern „bestens versorgt und betreut“. Allerdings arbeite der neue Vorstand bereits „mit sehr viel Erfolg“ an einer Lösung, teilte die neue 2. Vorsitzende Erna Eberle auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Matthias Matz

Meistgelesen

Rückzug mit Ansage
Rückzug mit Ansage
Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau
Razzia gegen Reichsbürger
Razzia gegen Reichsbürger
Ist zu viel los auf dem Forggensee?
Ist zu viel los auf dem Forggensee?

Kommentare