Freie Wähler Füssen und Schwangau wollen mit kleinen Maßnahmen den Verkehrsfluss auf der B16/17 verbessern

Freie Wähler: Gemeinsam gegen den Stau

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Wie man den Verkehr von und nach Schwangau zügiger gestalten könnte, darüber haben sich die Freien Wähler in Füssen und Schwangau einige Gedanken gemacht. Was von diesen und anderen Ideen umsetzbar sei, das soll nach dem Willen dieser Kommunalpolitiker Verkehrssimulationen aufzeigen.

Füssen/Schwangau – Es sind nur 3,5 Kilometer, doch die können sehr lange werden: Wer im Sommer mit dem Auto von Schwangau nach Füssen fährt, steht in der Regel im Stau.

Dass sich diese Situation in naher Zukunft ändert, ist eher unwahrscheinlich. Zumindest wenn man auf eine Umgehungsstraße hofft – diese wird in den nächsten 15 Jahren nicht kommen. So lange wollen die Freien Wähler in Füssen und Schwangau aber nicht auf eine Verbesserung warten. Ihre Devise lautet: „Ein großes Konzept mit kleinen Pinselstrichen ausfüllen“, erklärte Dr. Michael Krehl im Gespräch mit dem Kreisbote. 

Und dafür wollen die Freien Wähler ihren Pinsel unter anderem an der B17 ansetzen. Die Königsschlösser in Hohenschwangau sind für viele Fluch und Segen zugleich: Einerseits locken sie viele Touristen an, die ihr Geld in der Region lassen. Andererseits müssen die Gäste dafür durch Füssen und Schwangau fahren, was vor allem im Sommer zu langen Staus führt. 

Eine Umgehungsstraße, die das Problem lösen könnte, ist allerdings in weite Ferne gerückt, als sie nur in den „Weiteren Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen wurde (der Kreisbote berichtete). Es werde wohl 20 bis 30 Jahre dauern, bis in dieser Richtung etwas umgesetzt werde, so Krehl. „Bis dahin wissen wir nicht, ob wir alle noch mit dem eigenen Pkw unterwegs sein werden“, meint das Mitglied der Freien Wähler Schwangau mit Blick auf neue Konzept wie beispielsweise „Carsharing“. Deshalb sollte man sich nicht auf diese sehr teure Lösung versteifen. „Was bringt uns eine super Lösung, wenn wir zehn Jahre darauf warten müssen?“, meint auch der Füssener Stadtrat Jürgen Doser. 

Keine Gegenargumente

Um die Verkehrssituation möglichst schnell zu entspannen, haben sich die Freien Wähler beider Orte zusammengesetzt und mit Blick auf die Gesamtsituation kleinere Lösungen erarbeitet. Wenn man auf diese Weise eine Verbesserungen um 20 Prozent an den einzelnen Knotenpunkten erreichen könne, „hat man viel geschafft. Irgendwann ist man bei 100 Prozent“, ist Klaus Mielich, Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Schwangau, überzeugt. 

Einer dieser Knotenpunkte liegt ihrer Ansicht nach auf der B17 an der König-Ludwig-Brücke. Die Linksabbiegespur, die den Verkehr in die Ziegelwies leitet, ist laut den Freien Wählern zu kurz. „Jetzt können sich da vier Autos aufstellen“, so Mielich. Deshalb sieht das Konzept der Kommunalpolitiker in einem ersten Schritt vor, diese Spur zu verlängern. Mit einer entsprechenden Beschilderung könnte der Verkehr über die Ziegelwies auf die A7 geleitet und so die Innenstadt entlastet werden. Um allerdings eine Doppelbelastung für den Füssener Ortsteil zu vermeiden, soll der Verkehr, der von Norden über die A7 kommt, weiterhin an der Ausfahrt Füssen abfahren, erklärt Doser. 

Argumente, die wirklich gegen eine Verlängerung der Abbiegespur sprechen, gebe es nicht, so Krehl. Der Grund neben der Straße gehöre dem Bund bzw. der Gemeinde Schwangau und sowohl das Straßenbauamt Kempten als auch Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke halten diesen Schritt für machbar. Deshalb soll er bis Sommer 2019 umgesetzt werden, so das Ziel der Freien Wähler. Parallel dazu wollen sie durch Verkehrssimulationen weitere Ideen prüfen lassen. 

Bypass in Richtung Füssen

Eine davon sieht vor, anstatt der Ampel an der König-Ludwig-Brücke einen Kreisverkehr mit Bypassspur nach Füssen zu installieren. Denn „die Erfahrung zeigt: Die intelligente Ampel ist nicht so intelligent. Man steht oft, auch wenn keine anderen Autos vor Ort sind“, sagt Mielich. Eine Weitere Variante der Kommunalpolitiker sieht außerdem einen Kreisverkehr oder Unterführung an der „Horner Gabel“ vor. Was davon aber tatsächlich umsetzbar sei, müssten erst die Spezialisten bewerten, sagt Krehl. 

Ähnliches gilt für die Ideen der Füssener. Mit der Ampel in der Luitpoldstraße und der Verabschiedung des Verkehrskonzepts (der Kreisboteberichtete) sei ein erster Schritt getan, so Doser. Jetzt wollen die Unabhängigen auch die Fahrzeuge, die von Schwangau über die Sebastianstraße fahren, wie bereits berichtet, zügiger durch die Lechstadt leiten. Auf einer relativ kurzen Strecke stehen dort drei Ampeln. Würde eine davon wegfallen, würden die Aufstellräume vor den restlichen Ampeln größer und der Verkehrsfluss dadurch zügiger werden, ist Doser überzeugt. 

Außerdem könnten die Fahrzeuge, die zur Augsburgerstraße wollen, über die Theresienstraße umgeleitet werden. Diese könnte dafür zur Einbahnstraße werden. Welche Auswirkungen diese und andere Ideen haben, soll eine Verkehrssimulation aufzeigen. 

Was die die Stadt kosten würde, das ermittelt derzeit die Stadtverwaltung, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) auf Nachfrage erklärte. Er selbst ist von dem Vorschlag nicht angetan. „Ich werde nicht auf eine städtische Straße den Verkehr einer Bundesstraße umleiten. Das halte ich für ein Unding.“ Zumal es sich in dem Bereich um ein Wohngebiet handelt. 

Iacob gegen Umleitung über Ziegelwies

Wenig hält der Rathauschef auch von der Idee, den Verkehr über die Ziegelwies zu leiten. Schließlich gebe es dort mit Engstellen und Haarnadelkurven viele gefährliche Punkte. „Da muss es eine andere Möglichkeit geben.“ Wegen der Anregungen werde aber derzeit die Verkehrszahlen aktualisiert und erweitert. „Wenn die Zahlen vorliegen, werden wir sicherlich Gespräche mit dem Straßenbauamt führen und Möglichkeiten suchen, wie man den Verkehrsfluss verbessern kann.“ 

Aufgeschlossener scheint man da im Dorf der Königsschlösser zu sein. „Die Gemeinde Schwangau begrüßt jede Initiative, die zu einer Verbesserung der Verkehrssituation in der Region beiträgt. Das gilt auch für den aktuellen Vorschlag im Bereich der sogenannten Horner Gabel“, sagt Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke gegenüber unserer Zeitung. Da die betroffenen Straßen allerdings Bundes- bzw. Staatsstraßen sind, sei der Bund dafür zuständig. 

Das heißt: Die Kosten trägt der Freistaat Bayern. Um die technische Machbarkeit und verkehrlichen Auswirkungen der Vorschläge zu besprechen, wird sich Rinke am 9. März mit Vertretern des Staatlichen Bauamtes Kempten treffen, sagt Markus Kreitmeier, Stellvertretender Amtsleiter und Bereichsleiter Straßenbau, auf Nachfrage des Kreisbote. Der Behörde sei sich dem Problem an dieser Stelle bewusst. „Wenn wir was verbessern können, prüfen wir das.“ 

Grundsätzlich sei eine Verlängerung der Linksabbiegespur ein „probates Mittel“. Gleiches gelte für einen Kreisverkehr. Ob der sich aber wirklich positiv auf den Verkehrsfluss auswirke, müsse im Einzelfall geprüft werden. Aber: „Eine parallele Straßenführung wird es nicht geben“, sagt Kreitmeier. Denn im Umkreis liegen Landschaftsschutzgebiete. 

Unterstützung von Pohl

Die Freien Wähler in Schwangau hoffen jetzt zunächst einmal, dass die anderen Parteien im Gemeinderat den Vorschlag, eine Verkehrssimulation zu erstellen, mittragen werden, sagt Krehl. Die Kosten dafür muss nämlich die Gemeinde tragen.

 Bei ihren Ideen greift ihnen der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) unter die Arme. „Ich sehe es als meine Aufgabe, die örtlichen Entscheidungsträger bei ihren Vorhaben zu unterstützen. Deswegen haben wir auch von Anfang an gemeinsam an Lösungen gearbeitet“, sagt Pohl auf Nachfrage. „Unsere Pläne sind in einem überschaubaren Zeitraum umsetzbar und halten sich in einem finanziell absolut vertretbaren Rahmen.“ Die Umsetzung laufe allerdings über das Staatliche Bauamt beziehungsweise die Oberste Baubehörde in München. „Hier werden wir weiterhin am Ball bleiben, um die hierfür notwendigen Gelder loszueisen.“

Katharina Knoll

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