Am kommenden Mittwoch beginnt in Füssen das Musikfestival "vielsaitig"

Magie, Kammermusik und Punk

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Das Barockkloster St. Mang in Füssen wird 300 Jahre alt. Dieses Jubiläum greift heuer auch das Festival „vielsaitig“ auf.

Füssen – Am kommenden Mittwoch, 30. August, beginnt das Kammermusikfestival „vielsaitig“ in Füssen. Bis Samstag, 9. September, können Interessierte unter dem Motto „Staunen“ Vorträge, Konzerte, Führungen und sogar eine Zaubershow besuchen.

Ein Wunder hat das Allgäu bereits am 15. Februar 1717 erlebt. Dann konnten die Füssener die Kirchweih seines neuen Klosters St. Mang feiern, mit dem der Baumeister Johann Jakob Herkomer vor 300 Jahren eine der eindrucksvollsten Klosteranlagen des süddeutschen Raumes geschaffen und sich selbst ein Denkmal gesetzt hatte. 

Dieses Jubiläum bildet heuer den Rahmen für das Festival „vielsaitig“, das in diesem Jahr unter dem Motto „Staunen“ steht. Dieses stellt das Barockkloster in den Mittelpunkt, das die Menschen seit jeher in seinen Bann zog. Es weist aber auch auf die vielen Auslöser hin, die die Menschen zum Staunen bringen. 

Das Leipziger Calmus Ensemble und die Lauten Compagney Berlin werden mit ihrem Programm „Mitten im Leben 1517“ dem Publikum Alte Musik präsentieren.

Das Festival beginnt am 30. August im Kaisersaal von DaSt. Mang mit dem Auftakt des Verdi Quartetts, das von zwei Werken der Venezianerin Maddalena Sirmen (1745-1818) über Benjamin Brittens späte Hommage an die Stadt der Dogen und Kanäle bis zu Robert Schumanns drittem Streichquartett führt.

 Einen Tag später dürfte vor allem der „klassisch“ orientierte Teil des Publikums staunen: „Shreefpunk plus Strings unplugged” heißt es ab 20 Uhr im Kaisersaal, wenn der Trompeter, Alphornist und Sousaphonspieler Matthias Schriefl mit seinen Kollegen Alex Eckert (Gezupftes) und Alex Morsey (Gebläse und Stimme) sowie vier Musikern der Münchner Philharmoniker den barocken Raum mit jazzigem Punk füllen. 

Ein erstaunlicher Zeitsprung führt am Freitag, 1. September, um 20 Uhr zu einem Musical Banquet der englischen Spätrenaissance, das der junge Countertenor Valer Sabadus gemeinsam mit dem Lautenisten Axel Wolf servieren wird: Auf dem Programm stehen Lieder und Instrumentalsätze berühmter europäischer Komponisten, die John Dowlands Sohn Robert 1610 in einer reichhaltigen Sammlung hat drucken lassen. In den Dienst der Kammermusik wird sich der Kaisersaal am 2. und 3. September stellen. 

Zunächst unterstützt er Ronith Mues. Die vielfach ausgezeichnete Soloharfenistin des Konzerthausorchesters Berlin wird bei ihrem Recitalh Miniaturen dreier Jahrhunderte zu einem Reigen zusammenfügen. Am darauffolgenden Abend werden sich die junge Geigerin Xixi Gabel und ihr noch jüngerer Bruder, der Geiger und Pianist Kai Gabel, mit Duos von Charles-Auguste de Bériot und Sergej Prokofieff sowie mit Ludwig van Beethovens Frühlingssonate und der zweiten Violinsonate von Erwin Schulhoff vorstellen. 

Verblüffende Werke 

Am Dienstag, 5. September, schließt sich das zweite Konzert des Verdi Quartetts an. Das vierköpfige „künstlerische Beratergremium“ des Festivals „vielsaitig” präsentiert zum Auftakt das Streichquartett F-dur op. 18 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven, bevor der Pianist Hatem Nadim, der Geiger Matthias Ellinger und der Cellist Zoltán Paulich dazu einladen, das einsätzige Klaviertrio op. 8 des Leningrader Konservatoristen Dmitrij Schostakowitsch zu bestaunen. 

Der Magier Harry Keaton kommt zum Festival.

Das „Verdi-Trio“ mit Susanne Rabenschlag, Karin Wolf und Zoltán Paulich widmet sich abschließend gemeinsam mit Hatem Nadim dem dritten Klavierquartett c-moll op. 60 von Johannes Brahms. Für Mittwoch, 6. September, hat Matthias Kirschnereit, ein längst vertrauter, mit seinen Werkfolgen immer wieder überraschender Pianist, vier Solowerke ausgewählt, die verblüffen.

 So bekommt das Publikum eine Klaviersonate von Muzio Clementi mit dem Thema aus Mozarts Zauberflöten-Ouvertüre, die Kinderszenen, die Robert Schumann als eine Rückbesinnung schrieb, eine „Anti-Sonate“ von Claude Debussy mit Namen Images sowie ein romantisches Geständnis des jungen Johannes Brahms in Form der Sonate op. 5 zu hören. 

Am Donnerstag, 7. September, will der Magier Harry Keaton mit manch mysteriösen Manipulationen und Machenschaften dem Festivalmotto gerecht werden. Dieser hat seine Kunst unter anderem schon vor Prinz Charles und der spanischen Königin Sophie gezeigt. Der Freitagabend des 8. Septembers gehört dann einem weiteren Jubilar: dem ehemaligen Klosterbruder und Reformator Martin Luther, der am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen ans Tor der Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben soll. 

Am Eingang zur Füssener Christuskirche werden andere Merkzettel zu haben sein: das Programm zum Festkonzert mit dem Leipziger Calmus Ensemble und der Lauten Compagney Berlin. „Mitten im Leben 1517“ haben die beiden Spezialisten-Ensembles für Alte Musik ihr lebensfrohes Abenteuer überschrieben, das im Nu ein halbes Jahrtausend überwindet.

 Auch 2017 wird das Festival „vielsaitig” von zwei Konzerten der Meisterkurs-Teilnehmer beschlossen. Diese finden am 9. September um 17 und 20 Uhr im Kaisersaal statt und werden dem Publikum mit ihrer Fülle musikalischer Talente wohl noch einmal Anlass zum Staunen geben. Führungen, Vorträge und Meisterkurse für Streichinstrumente und Klavier sowie der „Treffpunkt Geigenbau“ verbinden das „vielsaitige” Spektrum des Festivalprogramms. 

Mehr dazu gibt es im Internet unter www.festival-vielsaitig.fuessen.de

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