Oy-Mittelberger diskutieren Zukunft des Rathauses und des Gasthof "Löwen"

"Das ist Sache aller Bürger"

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Zukunft und Gestaltung des St.-Anna-Platzes in Oy-Mittelberg werden seit Jahren kontrovers diskutiert.

Oy-Mittelberg – Gespalten zeigten sich die zahlreichen Besucher nach der Informationsveranstaltung der Gemeinde. 

Zur Diskussion stand der neue Standort des Rathauses, die weitere Nutzung des Kurhauses und das Erd-Haus am Sankt-Anna-Platz. Die Verwendung des Erd-Hauses rückte im Laufe der Diskussion immer weiter ins Hintertreffen.

Wie in der Gemeinderatssitzung zum Thema (der Kreisbote berichtete) war auch bei der Informationsveranstaltung Architekt Thomas Meusburger vom Kemptener Architekturbüro F64 da. Er stellte im vollbesetzten Saal des Kurhauses eine vergleichende Machbarkeitsstudie für einen Neubau anstelle des maroden Gasthof „Löwen“ und wahlweise die Sanierung des Gebäudes vor. 

Bei einem Umbau und der Sanierung könnte die Kommune Fördergelder in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro erhalten. Bei einem Neubau wären dies nur etwa 750.000 Euro. Die Gesamtkosten eines Neubaus würden sich auf etwa vier Millionen Euro, die Sanierung des Gebäudes auf annähernd 3,2 Millionen Euro belaufen. 

„Die Fördermöglichkeiten sind hier bereits abgezogen.“ „Die Struktur des Gebäudes bleibt bei einer Sanierung weitestgehend erhalten. Im Bereich der derzeitigen Wirtsstuben im Erdgeschoss würde das Tourismus-Büro untergebracht“, so Meusburger. 

Im Obergeschoss gäbe es die größten baulichen Eingriffe, im Dachgeschoss hätte der große Ratssaal seinen Platz. „Das Gebäude steht trotz seines ortsbildprägenden Charakters nicht unter Denkmalschutz“, stellte der Architekt fest. „In drei bis vier Jahren nach der Fertigstellung sind die Kosten nicht mehr relevant. Dann zählt die Akzeptanz bei den Bürgern, wie es angenommen wird“, gab er zu bedenken. 

Jörg Seggelke stellt sein Klangraum-Konzept vor.

Auf Nachfrage von Moderator Markus Raffler gab Meusburger die Planungszeit mit etwa einem Jahr, die reine Bauzeit mit eineinhalb bis zwei Jahren an. Ähnlich wäre die Zeit bei einem Neubau. 

Alexis Uhlig, Architekt beim Büro Hagspiel/Stachel/Uhlig aus Kempten, stellte die Pläne für einen Umbau des Kurhauses zum Rathaus vor. „Die Lage ist am südlichen Ortsrand, nicht in den Ort integriert und mit einem gewissen Alleinstellungsmerkmal“, so Uhlig. Vom Umbau betroffen wäre der westliche Flügel. „Der Saal bleibt in seinem Zustand erhalten.“

Er stellte zwei Alternativen vor. In der Variante I findet der Sitzungssaal und das Büro des Bürgermeisters seinen Platz im Dachgeschoss, die Kämmerei ist im Untergeschoss untergebracht.

Nicht nur Vorteile

In Variante II ist der Sitzungssaal im Untergeschoss und die Kämmerei im Dachgeschoss. 

Die räumliche Trennung von Büros und Besprechungsbereich biete aber nicht immer Vorteile, gab er zu bedenken. Die Kosten hierfür veranschlagte das Architekturbüro mit 2,3 bis 2,5 Millionen Euro, „ohne Kosten für die Sanierung oder Ertüchtigung des restlichen Gebäudeteils“. 

Klare Empfehlung

Uhlig sprach die Empfehlung aus, das Rathaus jedoch im Ort zu belassen, da es ansonsten völlig isoliert von der dörflichen Struktur des Ortes ist. Zudem besteht im gesamten Gebäude ein gewisser Sanierungsstau. Fördermittel gebe es dafür ebenfalls keine.

 Außerdem würde die derzeitige Gastronomie komplett wegfallen und dann wäre die Nutzung des großen und kleinen Saales nur noch eingeschränkt möglich. Sein Konzept als Klangrauschhaus präsentierte Jörg Seggelke selbst. 

Seggelke ist Gründer der Bayerischen BrassBand Akademie (3BA). Die 3BA umfasst derzeit drei Orchester. Seggelke tritt als Generalpächter des Kurhauses auf. „Oy braucht das für sein kulturelles Leben“, so seine Feststellung. Architekt Klaus-Peter Kroiss zeigte die notwendigen Umbauten für den Zweck eines Klangrauschhauses.

„Der größte Eingriff wäre im Saal im Bereich der derzeitigen Bühne notwendig. Diese würde eine enorme akustische Aufwertung erhalten“, so Kroiss. Der restliche Gebäudebestandteil bliebe weitestgehend erhalten. Im Untergeschoss ist die Unterbringung der jungen Musiker geplant.

Die vorhandenen Sanitärräume, die derzeit als Lagerräume für die Tourist-Information dienen, könnten ohne größere Umbauten genutzt werden. Im Erdgeschoss ist eine Instrumentenausstellung, im Obergeschoss die Errichtung einer Betriebsleiterwohnung und weiterer Probenräume geplant. Die Kosten für den Umbau bezifferte er mit etwa 915.000 Euro, den Umbau der Bühne mit geschätzten 362.000 Euro. 

Kurhaus für Vereine

Aufgrund einer kurzen Planungsphase und schnellen Umbauzeit veranschlagte das Architektbüro Kroiss die Gesamtdauer auf etwa ein Jahr. „Die Oyer Vereine sollen und dürfen weiterhin ins Kurhaus. Nur mit einem Miteinander funktioniert es“, stellte Seggelke fest. „Ein Rathaus gehört in die Ortsmitte. 

Das ist auch die Kernaussage der Fachleute und ein städtebaulicher Aspekt“, so Bürgermeister Theo Haslach. Trotz des geplanten Neubaus des Feuerwehrhauses, der Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs und einer neuen Straße nach Mittelberg sinke die kommunale Verschuldung auf unter fünf Millionen Euro. 

In der Finanzplanung von Oy sei ein Teil der Kosten für das neue Rathaus bereits berücksichtigt.

Das Geld ist da

„Die Nutzung des Saales für Oyer Vereine ist mir persönlich auch sehr wichtig“, sagte Haslach. Bei einer Nutzung als Klangrauschhaus nimmt die Kommune für die Verhandlungen juristische und steuerliche Fachberatung in Anspruch, versprach er. Auch könne so das Betriebskostendefizit, das die Gemeinde derzeit jedes Jahr 60.000 bis 70.000 Euro kostet, deutlich reduziert, „wenn nicht sogar auf Null gesenkt werden“. 

In den Finanzplanung 2018 bis 2020 der Gemeinde ist der Innenausbau des Erd-Hauses, und die Sanierung des Gasthof „Löwen“ als kostengünstigere Alternative berücksichtigt. „Der vorwiegende Aspekt des Geldes sollte nicht das Hauptmotiv sein für diese generationenprägende Entscheidung. 

Das reine Kostenargument führt langfristig zur falschen Entscheidung“, plädierte er für ein Rathauses im Ort. Am Standort des derzeitigen Rathauses sei nach einem Umzug ein Seniorenwohnen oder ein Gebäude für die Kinderbetreuung möglich. 

In der Diskussion beteiligten sich viele Bürger aus den verschiedenen Ortsteilen. Albert Mayr, der in Oy die Ortschronik führt und schon etliche Ausstellungen zur Geschichte des Ortes veranstaltet hat, sprach sich leidenschaftlich für den Erhalt des Gasthof „Löwen“ aus. „Der Sankt-Anna-Platz ist mit der Kirche und dem Gasthof die Identifikation für Oy und von architektonischer Bedeutung!“ 

Das Kurhaus ist seiner Meinung nach nicht geeignet als Rathaus, auch wegen dem Wegfall der Bewirtung. „Das funktioniert nicht“. Er bestärkte den Gemeinderat, den Gasthof als Rathaus zu realisieren. 

Während der Diskussion gab es Fürsprecher und Gegner des Gasthofs „Löwen“ als Rathaus. Wobei ein Teil der Gegner sich durchaus ein Rathaus an dem neuen Standort vorstellen können, vor allem wegen der augenscheinlich doch sehr maroden Bausubstanz und der nicht abschätzbaren Kosten, die bei einer Sanierung durch bisher versteckte Mängel auflaufen können. 

Stefan Gabler aus Petersthal sprach sich für einen Bürgerentscheid zu den Rathausplänen aus. „Das ist Sache aller Bürger“. 

Auch zur künftigen Nutzung des Kurhauses als Klangrauschhaus oder als Rathaus gab es zwei Lager. Wobei die meisten hier eine Konfrontation mit dem geplanten Umbau, der Nutzung und den Terminen der vielen Vereine fürchteten und das diese dann den kürzeren ziehen. 

Auch die Kosten für die Vereine wurden hier von einigen Sprechern angeführt. Bürgermeister Haslach garantierte weiterhin eine kostenlose Nutzung für die Vereine, „auch bei einer Verpachtung als Klangrauschhaus“. Das sei aber auch Verhandlungssache mit dem künftigen Betreiber.

Herbert Hoellisch

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