Stadt Füssen beteiligt sich am landkreisweiten Projekt "Wiese x 16"

Hilfe für heimische Blumen und Insekten

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So blühen wie auf dieser Feuchtwiese soll es auch bald auf neun Flächen in Füssen.

Füssen – Im Sommer und Frühling summt und brummt es auf den Wiesen. Dann ist Hochsaison für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten.

Doch die finden unter anderem aufgrund extensiver Landwirtschaft immer weniger Nahrung. Um dem Verlust von Lebensräumen und Artensterben entgegenzuwirken, hat der Landkreis Ostallgäu das Projekt „Wiese x 16 – Modellhaftes Grünflächenmanagement und Umweltbildung zum Schutz heimischer Blumenwiesen“ ins Leben gerufen. Und daran beteiligt sich auch die Stadt Füssen. 

Bei diesem Projekt mitzumachen ist für Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) kein Modetrend, sondern eine „konsequente Haltung“, wie er erklärte. Denn die Stadt Füssen liege in einer „intakten Natur, die Missstände hat.“ Mit dem Projekt „Wiese x 16“ wolle man „wo es möglich ist, die Natur dorthin bringen, wo sie mal war, damit wir die Pflanzen und Insekten wieder haben, die wir mal hatten“, so der Rathauschef. „Dieser Schritt zurück zur Natur ist ganz, ganz wichtig.“

1000 Stauden und 300 Zwiebel haben Gärtner und Bauhofangestellte im Oktober am Kreisverkehr am Autohaus Heuberger gesetzt.

Da kommunale Flächen keinem landwirtschaftlichen Nutzungsdruck unterliegen, seien sie ein guter Ansatzpunkt für das Projekt, erklärte Sarah Sagemann, Projektleiterin „Wiese x 16“ am Landratsamt Ostallgäu. Dabei seien vor allem Kreisverkehre, Grünstreifen, Böschungen aber auch Industrie- und Gewerbeflächen, Spielplätze oder Privatgärten gefragt, erklärte Planerin Ingrid Völker. Auch Landwirte können mit speziellen Mähtechniken zum Artenerhalt beitragen. 

Das Projekt diene der Vernetzung und dem Wissensaufbau rund um bunte Blumenwiesen und vielfältige Wegränder. Dabei sollen die 16 Modellgemeinden erfahren, wie künftig Grünflächen natur- und ressourcenschonend gepflegt werden können, um artenreiche Wiesen zu fördern, so Sagemann. 

Win-Win-Situation

Ein wichtiger Punkt sei dabei auch die Umweltbildung. „Bei Kindern und Jugendlichen besteht ein massiver Verlust der Artenkenntnis“, erklärte Sagemann. Das hatte auch Bürgermeister Iacob beobachtet: „Wir müssen die Kleinen von Anfang an mitnehmen, damit sie ein Gefühl für die Natur bekommen. Es gibt ein, zwei Generationen, die das gar nicht haben.“ 

Deshalb will man im Zuge des Projekts mit speziellen Spielen und Mitmachaktionen den Kindern „die Blumen und Tiere ihrer Heimat ein Stück näher bringen“, erklärte Sagemann. Dadurch erhoffen sich die Verantwortlichen auch einen „breiten Effekt“, wenn die Kinder „ihre Achtsamkeit und Begeisterung in die Familien hineintragen“, sagte die Projektleiterin. 

So steckten beispielsweise Schwangauer Grundschulkinder 900 Frühjahrsblüher wie Anemonen, Krokus, Schneeglanz und Traubenhyazinthen auf einer Fläche vor ihrem Klassenzimmer, die anschließend mit Magerrasenarten angesät wurde. Darüber freute sich vor allem auch der Hausmeister der Schule, so Völker. Denn davor musste er sieben bis acht Mal das Areal mähen. „Das ist kein Spaß bei der Schräglage.“ So sei das Projekt eine „Win-Win-Situation für alle“, erklärte Völker. Die heimischen Wiesenblumen und Insekten werden unterstützt – und die „Bauhofmitarbeiter werden geschont“, sagte die Planerin. 

Denn die Blumenwiesen müssen weniger gepflegt werden. Die städtischen Mitarbeiter könnten sich dann „auf ihre originären Aufgaben konzentrieren“, sagte der Rathauschef. 

Neun Flächen in Füssen

Im Zuge des Projekts möchte man in Füssen neun Flächen entsprechend herrichten. Ende Oktober nahmen bereits Gärtner und Bauhofangestellte aus verschiedenen Gemeinden an einem Workshop am Füssener Heuberger-Kreisverkehr teil. Sie setzten hier 1000 Stauden und 3000 Zwiebeln. 

Zuvor musste aber erst einmal der nährstoffreiche Oberboden abgetragen und mit einem speziellen Substrat aufgefüllt werden, erklärte Thomas Baier vom städtischen Bauamt. Dadurch könnten Wiesenunkräuter soweit minimiert werden, dass sie später nicht zum Problem werden, so Baier. Auch an einer Fläche am McDonalds wurden die städtischen Mitarbeiter bereits aktiv. 

Weitere Flächen unter anderem in Bad Faulenbach und im Venetianerwinkel sollen folgen. Im ersten Jahr werden noch zusätzlich einjährige Pflanzen wie beispielsweise Mohn angesät, damit im Frühjahr und Sommer etwas blüht, erklärte Völker. Denn in dieser Zeit „bilden die heimischen Arten oft nur grüne Blätter aus.“ Auf diese Weise sei „die Akzeptanz bei der Bevölkerung höher“, worauf das Projekt großen Wert lege. 

Mit der Zeit schließen sich dann die Lücken zwischen den Pflanzen, so dass „ein kompletter Lebensraum entsteht“, wo auch Insekten überwintern können und Vögel in der kalten Jahreszeit Futter finden. Deshalb sollte man erst im Frühjahr die Pflanzen zurückschneiden, erklärte die Planerin. 

Bei Verkehrsflächen gehe das freilich nicht. Aus Gründen der Sicherheit müsste man da schon im Herbst zur Schere greifen. Das Leader-Projekt läuft bis 2019, sagte Völker. In dieser Zeit werden die teilnehmenden Gemeinden beraten. Für die Bevölkerung gilt: „Wir können nicht jede Gartenplanung finanzieren“, sagte Völker. Dafür aber Tipps geben und Kontakte vermitteln.

Katharina Knoll

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