Zweiter Lockdown ab Montag trifft viele Bereiche bis ins Mark

Corona-Lockdown im Ostallgäu: »Die Lage ist beschissen«

Fitness-Trainer im Fitness-Studio
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Andreas Weese, Leiter des LöWe Fitness in Füssen, steht im Vergleich zu vielen Studiobetreibern gut da – Dank der Treue seiner Mitglieder. Doch auch seine Existenz ist nun bedroht

Landkreis – Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben Bund und Länder einen Teil-Lockdown beschlossen. Dieser gilt ab Montag, 2. November, bis Monatsende – vorerst. Nicht nur Gaststätten und Restaurants, auch Kneipen und Bars müssen geschlossen bleiben. Fitnessstudios sind von den strengen Regeln genauso betroffen, wie Kinos und Theater. Die Stimmung ist bei vielen Betreibern am Boden. Der Kreisbote hat nach der Entscheidung mit Vertretern der betroffenen Branche gesprochen. 

„Ich habe in meinen kühnsten Träumen nicht daran geglaubt, dass wieder alles heruntergefahren wird“, berichtete ein sichtlich betroffener Günter Sobeck, Inhaber des Corona Kinoplex in Kaufbeuren. „Die Lage ist beschissen“, hält er sich bei der Wortwahl nicht zurück. Die Schließung gleiche einem Schlag ins Gesicht. Er müsse nun seinen Mitarbeitern Bescheid geben und wieder alles zum Stillstand bringen.

Doch so richtig kann er sein Kino nicht herunterfahren. Wie schon beim ersten Lockdown im Frühjahr muss Sobeck täglich ins Kino, der Technik wegen. Aufgrund der zunehmend kalten Temperaturen muss auch die Heizung im Gebäude durchweg laufen. Bis Ende November sind keine Einnahmen mehr zu erwarten. Von daher sieht er die Politik in der Verantwortung. „Ich hoffe, dass sie nun keine leeren Versprechungen machen, sondern halten was sie sagen, in dem sie uns finanziell unterstützen“, so Sobeck. Es zehre schon sehr an den Nerven, sagte der 70-jährige Unternehmer.

Auch Fitnessstudios müssen schließen

Andreas Weese ist der Geschäftsführer vom Fitness- und Wellnesspark LöWe in Füssens Zentrum. Die erneute Zwangsschließung seines Fitnessstudios bringt für ihn die große Gefahr mit sich, seine Existenz zu verlieren. „Beim ersten Lockdown war die Gemeinschaft und Solidarität unserer Mitglieder enorm groß. Ich bin sehr dankbar, dass sie uns treu geblieben sind“, sagte Weese. Denn alle zahlten ihre Monatsbeiträge weiter, obwohl sie das gesetzlich nicht hätten müssen. Das sei wie ein Kleindarlehen gewesen, dass er natürlich in Form von zeitlicher Verlängerung der Mitgliedschaften zurückgeben will.

Wie es nun aussieht und weitergehen kann, sei schwierig zu beurteilen. Denn der Sport-Physiotherapeut weiß auch, dass es sehr viele nun hart trifft, sei es durch Kurzarbeit oder da Mitglieder selbst unter existenziellen Sorgen leiden müssen. „Rund 40 Prozent der Sportstudios in Deutschland sind bereits pleite“, berichtete Weese. Über dem zweiten Lockdown freue sich nicht nur keiner, „dadurch wird es für die meisten sehr eng werden”.

Es scheine ihm fast so, als habe die Regierung keine Wertschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung. Dem LöWe-Chef ist nicht ein einziger Covid-19-Fall bekannt, der auf ein Fitnessstudio zurückzuführen sei. „Wir haben hier hochgradig ausgebildetes Personal. Qualifizierte Sportlehrer, ich selbst bin Physiotherapeut und Ernährungsberater. Wir sorgen doch dafür, dass die Bevölkerung gesund bleibt!” Von umfangreichen Hygieneschutzmaßnahmen einmal ganz abgesehen.

„Noch stehen wir gut da, denn wir haben die besten Mitglieder weit und breit. Aber das wird ein harter Winter, nicht nur wegen der Temperaturen,“ befürchtet Weese mit Blick auf die kommenden Monate.

Hotels und Restaurants machen dicht

Ein düsteres Bild zeichnet auch die Hotellerie- und Gaststätten-Branche. Wolfgang Sommer, Hotelier im Füssener Weidach und Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, versteht die Welt nicht mehr. „Man nimmt uns den Boden unter den Füßen weg“, denkt er dabei in erster Linie an sein Unternehmen, aber auch an die vielen Kollegen und deren Mitarbeiter in ganz Deutschland. Laut Robert Koch Institut sei seine Branche weit entfernt, ein Infektionstreiber zu sein. „Unsere Politik hat keine Ahnung“, schüttelte Sommer nur noch mit dem Kopf. Er sei einfach nur noch sprachlos. Nun müsse Gästen abgesagt und erneut Kurzarbeit beantragt werden. „Die Hotellerie- und Gaststättenbranche trifft es wieder einmal knüppelhart“, sagte Sommer.

Einige Kollegen ließen bereits hören, sie würden direkt bis Weihnachten ihre Hotels schließen, sagte Andreas Eggensberger, Geschäftsführer des Biohotel Eggensberger in Hopfen. Ihn erreichte der Kreisbote vor einer Sitzung mit seinen Mitarbeitern, in der er die kommenden Monate besprechen wollte.

Ein kleiner Trost sei der Reha-Betrieb, den er parallel betreibe, erklärte er. Denn das Hotel muss am morgigen Sonntag, 1. November, schließen. Und damit auch das Restaurant. „Essen To-Go können wir nicht anbieten”, sagte Eggensberger. Nun versuche er mit bestehendem Resturlaub, „wenn es irgendwie geht”, neuerliche Kurzarbeit für seine Mitarbeiter zu vermeiden. Seine Meinung zu dieser politischen Entscheidung sage er aber lieber nicht.

Stefan Löhn ist Gastronom aus Kaufbeuren. Warum immer alles auf die Gastronomie abgewälzt werde, könne er nicht mehr nachvollziehen. „Wir haben sehr viel Geld für Desinfektionsmittel, Hygieneauflagen und die Aufstockung des Personals investiert“, erzählte Löhn. Der Inhaber des Vino macht deutlich, dass durch die Maßnahme der Politik nunmehr viel mehr private Feiern gefördert werden. „Nicht bei uns in den Gaststätten, in den Restaurants gibt es die Probleme, sondern es sind die großen Feiern wie Hochzeiten und Geburtstagspartys.“

Nun hofft der Gastronom auf zügige Hilfen, die angekündigt wurden. Weihnachtsfeiern werden abgesagt. Im Dezember werde sich die Situation nicht verbessern. Vielmehr stellt er in den Raum, wie die Politik die hohen Zahlen begründen wird, wenn die Gastronomie zu hat. „Wir sind nicht der Herd der Pandemie“, ist Löhn überzeugt.

Stefan Günter/Selma Höfer

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