Stube eingerichtet

Junge Fledermäuse verirren sich in die Allgäu Kaserne

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In einem Karton ruhen die jungen Fledermäuse, bis sie bei Dämmerung in die Nacht entlassen werden. 

Füssen – Nicht schlecht staunten jetzt Teilnehmer einer Besprechung in der Allgäu Kaserne, als ihnen plötzlich etwas über den Köpfen und um sie herum flatterte. Dem ging Stabsfeldwebel H. dem ganzen nach. Und siehe da: Hinter einem Bilderrahmen hatten sich  Fledermäuse einquartiert.

Da war mal kurz was los, in dem Besprechungsraum im zweiten Stockwerk des Gebäudes des Gebirgsaufklärungsbatallions 230 in der Füssener Allgäu Kaserne. Dabei sollte nur eine Planung erörtert werden. „Plötzlich flog etwas im Raum herum. Hoch, runter, rechts, links, kreuz und quer“, berichtete der Stabsfeldwebel. 

Als naturbegeisterter Mensch hatte er selbst heuer den nebenamtlichen Dienst als Umweltbeauftragter der Kompanie angetreten und wollte der Sache gerne auf den Grund gehen. In der eingetretenen Stille, als das Flugtier wieder zur Ruhe gekommen war, konnten die Soldaten Geräusche aus einer Ecke des Raumes hören. Was konnte das nur sein? An der Wand des Raumes hängt ein massiver Bilderrahmen. Zwischen diesem hölzernen Rahmen und der Wand war ein Spalt frei geblieben. Als Stabsfeldwebel H. das Bild vorsichtig anhob, war die Ursache und somit auch der ungeladene Besprechungsteilnehmer gefunden. Mit ihm 15 weitere seiner Art. 

Jungtiere verirren sich öfter

Zwergfledermäuse hatten sich in dem Kasernengebäude einquartiert und den Bilderrahmen zu ihrer Stube umfunktioniert. „Das sind höchstwahrscheinlich Zwergfledermäuse. Eine der vier Arten die es hier gibt. Jungtiere treten in Gruppen auf und verfliegen sich oft“, erklärte Fritz Ebelt, Fledermausexperte beim Landratsamts Ostallgäu, der von dem Soldaten später kontaktiert wurde. Diese kleine Truppe der fliegenden Säugetiere hatte sich offenbar durch das über Nacht offene Fenster verirrt und wurde nun von Stabsfeldwebel H. Vorsichtig eingesammelt. „Die waren müde, keine wollte fliegen“, erzählte der Soldat. Für die Bergung musste seine Bergmütze dienen, bevor die Jungtiere in einen Karton mit Deckel und Luftlöchern gesetzt wurden. Ein Anruf beim Tierarzt SmartVet in Füssen bestätigte ihm, dass es eine behördliche Stelle mit Experten zum Thema Fledermäuse gibt. So recherchierte der Soldat und rief daraufhin den Fledermausexperten an um die Tiere nicht zu gefährden.

Wie auch bei einem Telefonat mit dem Kreisbote erklärte Ebelt: „Die Tiere müssen sich tagsüber ruhig verhalten. Sie sind nachtaktiv.“ Da der Umweltbeauftragte des Gebirgsaufklärungsbatallions keine Verletzungen bei den Fledermäusen sehen konnte, riet Ebelt ihm, sie ruhig zu halten bis es dämmert. Dann beginnen die Tiere aktiv zu werden und machen sich auf Futtersuche. So mussten die Jungtiere eine kleine Weile im Büro des Soldaten verbleiben, dann brachte der Stabsfeldwebel sie in dem Karton in seine ruhige, dunkle Garage. 

Keins war flugunfähig

Die kleinen Tiere bekamen eine Schale mit Wasser und konnten so den Tag verschlafen. Abends gegen 19.45 Uhr entließen der Stabsfeldwebel und seine Freundin die Jungtiere in die Nacht. Keines der Tiere war flugunfähig und innerhalb weniger Minuten war die Box leer. Auf Nachfrage bestätigte Ebelt, dass somit alles richtig gemacht wurde. Auch hatte er dem Stabsfeldwebel gesagt er müsse den Tieren Wasser in einer sehr flachen Schale anbieten. 

Ebelt bittet: „Wenn jemand Fledermäuse findet, auch verletzte Tiere, bitte rufen Sie die Polizei oder die Naturschutzbehörde an. Wir holen die Tiere auch ab und päppeln sie auf.“ Denn Fledermäuse aller Arten stehen unter strengem Naturschutz. „Sie haben sogar den höchsten Schutzstatus!“ Tagsüber verfallen die Tiere in einen Ruhezustand, eine sogenannte „Tageslethargie“, um Energie zu sparen. „Das ist überlebenswichtig für Fledermäuse“, weiß der Experte. Deshalb müssen Fundtiere unbedingt in Ruhe und mit etwas Wasser, abgedunkelt und sicher aufbewahrt werden. Bis sie ein Experte holen kann oder sie, wie in diesem Falle, wieder freigelassen werden können. 

„Das hat der Soldat gut gemacht“, bedankte sich Ebelt. 

Für alle rechtlichen Fragen des Fledermausschutzes sind die Naturschutzbehörden zuständig, also die unteren Naturschutzbehörden an den Landratsämtern und in den kreisfreien Städten und die höheren Naturschutzbehörden an den Bezirksregierungen. Im Falle eines Fundes gibt es Informationen zum richtigen Umgang mit den scheuen nachtaktiven Tieren bei der Naturschutzbehörde unterwww.buerger-ostallgaeu.de. Telefonisch gibt es Hilfe bei der Beauftragten der Fledermauskoordinationsstelle für das Ostallgäu unter der Telefonnummer: 08327/93 10 99 oder der 0160/90 74 97 67 oder bei Fritz Ebelt unter der Telefonnummer: 08368/17 98. Auch die örtliche Polizeistation hilft bei einem Fund weiter oder vermittelt an die zuständigen Experten.

Selma Höfer

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