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50 Jahre Heilpädagogische Tagesstätte Farchant: Kinder sollen selbstbestimmtes Leben führen können

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 Maria Aman
Betreuerin Maria Aman spielt mit den Kindern. © Barbara Falkenberg

Farchant – Die Heilpädagogische Tagesstätte Farchant (HPT-Farchant) für geistig behinderte und lern- oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche im Schulalter wurde vor 50 Jahren von der Caritas gegründet, 1986 zogen die damals fünf Gruppen dann nach Farchant und wurden von der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) übernommen (siehe Kasten).


Das zeitlos moderne, barrierefreie und ebenerdige Gebäude an der Partenkirchner Straße mit seinem direkten Zugang zum großen Garten. war und ist für alle ein Segen. „Gerade in Zeiten von Corona war es für uns ein Glücksfall, dass sich die Kinder hauptsächlich draußen aufhalten konnten.“ Auch der Garten ist großzügig gestaltet, sodass man die Kinder gut nach Gruppen trennen konnte“, erklärt Marion Dowrtiel. Seit zwei Jahren leitet die Diplom-Sozialpädagogin die HPT.

Ein großer Vorteil des Umzugs liege auch darin, dass der Schulweg der Kinder aus der benachbarten Christopherusschule seither nur etwa 50 Meter weit ist.

In sieben Gruppen werden acht bis neun Kinder aus allen Schularten ganzheitlich und individuell gefördert. „Der feste Bezugsrahmen, der regelmäßige Austausch untereinander tun den Kindern gut und wirken sich sehr positiv auf ihre Entwicklung aus. Neben unseren vielfältigen therapeutischen Hilfeleistungen ist die heilpädagogische Gruppenarbeit ein wichtiger Baustein unserer Arbeit“, so die 45-Jährige weiter.

Auch der warme Mittagstisch und die gelegentlichen Ausflüge mit zwei eigenen Kleinbussen sind fester Bestandteil der Angebote. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ein möglichst selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben führen können, indem das Selbstwertgefühl gesteigert, die Ressourcen gestärkt und der adäquate Umgang mit Konflikten erlernt werden. „Wir helfen dabei, schwierige Lebenssituationen zu meistern“, bringt es Rainer Krippner (50, Erzieher und stellvertretender Leiter) auf den Punkt. Und die gibt es in der heutigen Zeit gehäuft. Immer mehr Kinder sind verhaltensauffällig, auch der Schweregrad der Probleme habe zugenommen. „Migrationshintergründe, Coronafolgen oder Medienkonsum, haben einen langjährigen Trend beschleunigt“, erklärt Krippner. bewussteren Umgang zu schaffen. „Immer versuchen wir auch die Eltern in allen Bereichen zu informieren und mit einzubeziehen“, sagt Dowrtiel. So profitieren nicht nur die Kinder von der individuellen und gezielten Förderung durch fachlich hoch qualifizierte Teams, sondern auch deren Angehörige.

Heutzutage seien häufig beide Elternteile berufstätig und die Quote der Alleinerziehenden steige stetig, so dass die Kinder sich selbst überlassen blieben. „Die Folge sind Auffälligkeiten durch zu viel Medienkonsum und zu wenig Bewegung, viele Kinder wissen heute nicht so recht etwas mit sich oder den anderen anzufangen und benötigen intensive Anleitung.“

Um dem erhöhten Betreuungsbedarf gerecht zu werden, soll ab Oktober die Gruppengröße in den drei Jugendhilfegruppen auf acht Kinder reduziert werden.

Bei all den Herausforderungen und manch negativen gesellschaftlichen Entwicklungen, die ihre Arbeit wesentlich anspruchsvoller gemacht habe, gibt es, so der Pädagoge, aber auch viel Positives zu berichten. Beispielsweise lernen die Kinder im Gruppenkontext ein positives Spiel- und Freizeitverhalten, sinnvolle Arbeits- und Lernstrategien und verbessern ihr Durchhaltevermögen.

Zudem fördere auch der regelmäßige und stetige Austausch mit den Eltern die Kompetenz der jungen Menschen. „Viele der verhaltensauffälligen Kinder brauchen nur eine vorübergehende heilpädagogische Unterstützung“, berichtet Krippner.

Die Kinder in der HPT, so ist es immer wieder zu hören, sind glückliche Kinder, die nicht überfordert werden und einen geeigneten Rahmen erhalten, sich nach ihren eigenen, aktuellen Möglichkeiten und auch Defiziten optimal zu entwickeln. bf

Historischer Abriss

1969

Gründung der Sonderpädagogischen Tagesstätte unter der Trägerschaft des Caritasverbandes München. Standort: altes Krankenhaus Garmisch. Im selben Gebäude ist die Sonderschule des Landkreises untergebracht.

1981

Der Kinder- Jugend- und Erwachsenenhilfe e. V. (KJE) übernimmt vom Caritasverband München für die damals mit 45 Plätzen ausgestattete Sonderpädagogische Tagesstätte die Betriebsträgerschaft. Die Sonderschule des Landkreises befindet sich in gemeinsamer Tradition im selben Gebäude des früheren Krankenhauses Garmisch.

1983 / 1984

Der Kreistag setzt den Beschluss um, für Schule und Tagesstätte wegen des gestiegenen Raumbedarfs eine neue Heimstatt zu errichten.

1986

Bezug der Räumlichkeiten in Farchant, ein Komplex für die Förderschule (SFZ) und die Sonderpädagogische Tagesstätte (SPT). Bauherr und Liegenschaftseigentümer ist der Landkreis.

2004

Die Räumlichkeiten beider Einrichtungen reichen seit geraumer Zeit nicht mehr aus; es fehlen Klassenzimmer, Gruppenräume und diverse Funktionsräume. Daher werden konkretere Überlegungen angestellt, die Raumnot zu lösen.

2005 / 2006

Man beschließt, für die SPT ein Solitärgebäude zu planen, da die Hauptnutzungsflächen der Einrichtung (ca. 650 m²) ziemlich exakt dem vermehrten Raumbedarf des SFZ (Schule) entsprechen.

2007

Man verständigt sich auf ein langgestrecktes, eingeschossiges, rechteckiges Gebäude ohne Unterkellerung mit einer Grundfläche von ca. 1421 m². Es wird deutlich, dass der Bezirk Oberbayern eine Geschoßfläche in diesem Umfang nicht finanzieren wird. Unter Federführung von Landrat Kühn beschließt der Landkreis Garmisch-Partenkirchen dem als dringend notwendig erachteten Raumprogramm in geplantem Umfang durch die freiwillige Zugabe von Landkreismitteln zur Umsetzung zu verhelfen.

2008

Die SPT stellt wie gehabt 51 Förderplätze zur Verfügung. Das SFZ beschult ca. 200 Schülerinnen und Schüler.

2009

Die Fertigstellung des Gebäudes erfolgt zum September und mit ihm der Umzug der SPT aus dem Altbau in die neuen Räumlichkeiten. Der Umbau der früheren SPT-Räume zur schulischen Nutzung beginnt im August. Im Zuge der neuen Betriebserlaubnis als anerkannte Fördereinrichtung für Kinder mit Entwicklungsfragestellungen wird die Sonderpädagogische Tagesstätte (SPT) in Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) umbenannt. Gleichzeitig wird die Platzzahl von 51 (6 Gruppen) auf 61 erhöht bzw. eine 7. Kindergruppe genehmigt.

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