Ohne Vorurteile und Dämonisierung

Abraham-Geiger-Preis ging an Passionsspielleiter Christian Stückl

Preisträger Christian Stückl
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Preisträger Christian Stückl

München / Oberammergau – Das Jüdische in der Passion zeigen, ohne Vorurteile, ohne Dämonisierung, ohne antisemitische Untertöne, das hat Christian Stückl laut Charlotte Knobloch durch sein künstlerisches Schaffen erreicht. Für diese Leistung wurde er nun ausgezeichnet.

Am vergangenen Sonntag wurde Christian Stückl, der Spielleiter der Passionsspiele in Oberammergau und Leiter des Münchner Volkstheaters, mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h.c. Charlotte Knobloch. Wegen der Covid-19-Epidemie musste die Preisverleihung abgesagt werden und fand nun im Rahmen einer Matinee in Münchner Volkstheater statt. Aus der Laudatio von Charlotte Knobloch: „Viele Jahrhunderte Geschichte sind mit den Spielen verbunden, und nicht immer ist diese Geschichte einfach und schmerzfrei … So behutsam wie möglich und so konsequent wie nötig arbeiteten Sie mit dem Stoff. … Es gelang Ihnen, das Jüdische in der Passion zu zeigen – ohne Vorurteile, ohne Dämonisierung, ohne antisemitische Untertöne.“ 

Erneuerung der Passionsspiele Oberammergau

Stückl hat die international bekannten Oberammergauer Passionsspiele erneuert: weg von christlichem Judenhass hin zu einer ausgewogenen Darstellung innerjüdischer Konflikte. Deshalb hat die Jury unter Vorsitz des Herausgebers der Wochenzeitung DIE ZEIT, Dr. Josef Joffe, Stückl und den Oberammergauer Passionsspielen den Abraham-Geiger-Preis 2020 zuerkannt: „Wir denken, dass Sie einer wichtigen Botschaft Gewicht verliehen haben: dass wir in unserem Land gegen Rassismus und Antisemitismus eintreten müssen, um eine pluralistische Gesellschaft zu sichern.“ 

Zum Abraham-Geiger-Preis

Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam ist das erste Rabbinerseminar in Deutschland nach dem Holocaust. Sein Preis würdigt Persönlichkeiten, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben und sich für Offenheit, Mut, Toleranz und Gedankenfreiheit einsetzen. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderen der israelische Schriftsteller Amos Oz, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, S.K.H. Prinz Hassan bin Talal von Jordanien und Annette Schavan. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er erinnert an den großen Denker des liberalen Judentums, Abraham Geiger (1810−1874), dem drei Prinzipien wichtig waren: die Freiheit des Gewissens und des Glaubens, die Freiheit von Forschung und Lehre sowie die Meinungsfreiheit aller Menschen. Stückls Preisgeld soll für die Arbeit an interreligiöser Begegnung mit Studierenden des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks in Oberammergau verwendet werden.   kb

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