Prüfungen finden statt

Für Abschlussklassen ist wieder Schule

Jede Schule hat ihre eigenen Regeln entwickelt. An der Bürgermeister-Schütte-Schule wurden die wöchentlichen Unterrichtsstunden auf 20 reduziert. Hier sollen die Schüler der Abschlussklassen in kurzer Zeit konzentriert arbeiten. Dadurch können längere Pausen vermieden werden.
+
Jede Schule hat ihre eigenen Regeln entwickelt. An der Bürgermeister-Schütte-Schule wurden die wöchentlichen Unterrichtsstunden auf 20 reduziert. Hier sollen die Schüler der Abschlussklassen in kurzer Zeit konzentriert arbeiten. Dadurch können längere Pausen vermieden werden.

Bayern / GAP – Nach sechs Wochen Schulschließung wird es ernst für die Schüler der Abschlussklassen in Bayern. Die Prüfungstermine stehen fest, wenigstens weiß jetzt jeder, bis wann er vorbereitet sein muss. Der vermutlich größte Nachteil: die psychischen Belastungen, die durch die Corona-Krise und die Ungewissheiten entstanden sind.

Seit vergangenem Montag dürfen etwa 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Bayern wieder in die Schule gehen: all jene, die in Abschlussklassen sind, an den Gymnasien, Mittel- und Realschulen, Berufsschulen, Wirtschaftsschulen, Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Förderschulen. Dort sollen die Abschlussprüfungen trotz Corona-Pandemie stattfinden. 

Keine Normalität in absehbarer Zeit

Bayerns Kultusminister Prof. Mi­chael Piazolo betonte jedoch: „Es wird keine schnelle Rückkehr in die Normalität geben.“ Ein gewohnter Schulbetrieb werde in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Wie er ankündigte, ist der nächste Schritt ab dem 11. Mai geplant, ein Beschluss des Ministerrats steht jedoch noch aus. Dann soll der Schulunterricht für die Jahrgangsstufen unter den Abschlussklassen beginnen. Auch die Grundschulen sollen den Unterrichtsbetrieb für die vierten Klassen wieder vor Ort aufnehmen.
Normalität sieht natürlich anders aus: Der Unterricht findet unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen statt. Die Klassen wurden geteilt, denn sie dürfen eine Schülerzahl von 10 bis 15 nicht überschreiten. Die Sitzordnung sieht einen Mindestabstand von 1,5 Metern vor. Es gibt Regeln für Schulweg, Pausen und Toilettengänge.
Um die hygienischen Bestimmungen einzuhalten, setzt jede Schule ihre eigenen Regeln um. An der Mittelschule in Oberau wurden die Abstände in den Klassenräumen vermessen und die Plätze mit Namen gekennzeichnet. Der Unterrichtsbeginn ist gestaffelt, um den Schulweg zu entzerren.  An der Bürgermeister-Schütte-Mittelschule ist der wöchentliche Unterricht auf 20 Stunden reduziert, es finden grundsätzlich keine längeren Pausen statt. Nicht die Klassen rotieren, sondern die Lehrer kommen zu den Klassen. Am Werdenfels-Gymnasium stehen den Schülern während der Pausen und Freistunden die ungenutzten Klassenräume zur Verfügung, in denen sich höchstens vier Personen gleichzeitig aufhalten dürfen.

Wer zu einer Risikogruppe gehört, ist freigestellt

Das Kultusministerium stellt Schüler und Lehrer, die zu den Risikogruppen gehören, vom Unterricht vor Ort frei. Lehrkräfte über 60 können selbst entscheiden, ob sie in den Klassen unterrichten. Für die Schüler mit Vorerkrankung, die weiterhin Zuhause bleiben, gibt es nach Aussage Piazolos weiterhin ein Bildungsangebot für daheim. Das Kultusministerium arbeitet mit dem Bayerischen Rundfunk zusammen, um beispielsweise Lernvideos zur Prüfungsvorbereitung zur Verfügung zu stellen. 

Herausforderung bei den Abschlussprüfungen

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht die Durchführung der Prüfungen als kritisch an. Besonders für Fach- und Berufsschulen seien die Abschlussprüfungen unter diesen Bedingungen schwer zu organisieren, da große Schulen bis zu 900 Schüler in den 12. und 13. Klassen hätten. Nach Auskunft des beruflichen Schulzentrums Garmisch-Partenkirchen ist es bei uns nicht ganz so unübersichtlich: Rund 300 Schüler besuchen an der Berufsschule, der Wirtschaftsschule und der Berufsfachschule seit Montag wieder den Unterricht. Die Abschlussprüfungen stellen für manche Schulen tatsächlich eine große Herausforderung dar. Bei den praktischen Prüfungen an der Bürgermeister-Schütte-Mittelschule wird beispielsweise gekocht und gewerkelt. Das erfordert aufwendige Maßnahmen, um die Hygienestandards sicherzustellen. Rektorin Stefanie Schmidt erklärt, dass doppelt so viele Prüfungsläufe notwendig seien, da maximal drei Schüler gemeinsam geprüft werden dürften. 

Sind die Prüfungsbedingungen gerecht?

Die Abiturprüfungen in Bayern wurden vom 30. April auf den 20. Mai verschoben. Am St.-Irmengard-Gymnasium haben die Lehrkräfte in den letzten Wochen der Schulschließung weiterhin intensiv mit den Abiturientinnen gearbeitet. Direktor Otmar Würl ist überzeugt, dass die Prüfungsbedingungen "optimal und gerecht" seien. "Die Schülerinnen haben bisher sehr fleißig und selbstständig gearbeitet", sagte er. Sie seien daher gut vorbereitet.
Auch am Werdenfels-Gymnasium ist man der Meinung, dass "absolut faire und gerechte" Bedingungen herrschen. Der diesjährige Jahrgang habe sogar eine Reihe von Vorteilen, erklärt Schuldirektor Tobias Schürmer: "Die Bewertung des letzten Ausbildungsabschnitts 12/2 wurde sehr schülerfreundlich geregelt, um sicherzustellen, dass wirklich niemandem ein Nachteil entsteht. Die angehenden Abiturienten haben dieses Jahr drei Wochen mehr Zeit, um sich auf ihre individuellen Prüfungen vorzubereiten." Als Nachteil bringt der Schuldirektor vor allem die psychischen Belastungen während der Coronakrise an. Auch wegen der Ungewissheit über die Prüfungstermine sei es manchen Schülern schwer gefallen, die Motivation aufrecht zu erhalten. Es sei "richtig und fair", dass die besonderen Belastungen durch eine Reihe von Vorteilen aufgewogen würden. 

Conie Morarescu

Bilder, Videos und Aktuelles aus der Heimat: Besuchen Sie uns auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Kirchenglocken von St. Anna am Wamberg geweiht
Neue Kirchenglocken von St. Anna am Wamberg geweiht
Richard-Strauss-Festival und BR KulturBühne: Talksendung ab heute online
Richard-Strauss-Festival und BR KulturBühne: Talksendung ab heute online
Wallgauer Trachtler weihen neue Vereinsfahne
Wallgauer Trachtler weihen neue Vereinsfahne
„Kinderfreundliche Kommune“: Kinder gestalten neuen Spielplatz mit
„Kinderfreundliche Kommune“: Kinder gestalten neuen Spielplatz mit

Kommentare