Fahrradfreundlicher Umbau der Bahnhofstraße Garmisch-Partenkirchen gescheitert

Alles bleibt beim Alten

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Den Autoverkehr bewusst ausbremsen und Platz für Radfahrer schaffen - diese Vision für die vielbefahrene Bahnhofstraße fand keine Mehrheit. Alles bleibt vorerst beim Alten.

Die Gemeinderatssitzung in Garmisch-Partenkirchen am Mittwochabend zum radl­freundlichen Umbau der Bahnhofstraße wurde zu einem Abstimmungskrimi. Viele Bürgerinnen und Bürger verfolgten die öffentliche Sitzung, hatten improvisierte Pappschilder mit dem Aufruf „Verkehrswende jetzt“ mitgebracht und harrten bis 22.30 Uhr aus. Dann erst stand das unglaublich knappe Ergebnis fest, das zweimal durchgezählt wurde. Bei 15:15 Stimmen erhielt der Antrag zum fahrradfreundlichen Umbau keine Mehrheit.

In der Sondersitzung wurden noch einmal in leidenschaftlichen Diskussionsbeiträgen die Pro- und Contra-Argumente ausgetauscht. Zunächst aber hatten Fachleute das Wort. Und was Verkehrsexperte Nolde von der Essener Firma PVT in einer Simulation zeigte, war ernüchternd: Bei der geplanten einspurigen Verengung der Fahrbahn für den Autoverkehr gäbe es von der Kreuzung Olympiastraße in Richtung Rathausplatz zur Nachmittagsspitze (ca. 16.30 bis 18 Uhr) einen Rückstau bis in die St. Martin-Straße hinein. Die computeranimierte Simulation fußt auf Echtzeitdaten, die im Februar aufgezeichnet wurden. „Die Einspurigkeit Richtung Rathausplatz funktioniert nicht in der Nachmittagsspitze“, so lautete das lakonische Urteil des Fachmanns.

Am 10. April stand der Umbau der Bahnhofstraße schon einmal auf der Tagesordnung. Andreas Gras­egger (Bayernpartei) hatte eine Vertagung angeregt und dafür eine 15:13 Mehrheit erhalten. Doch diesmal sollte ein Beschluss her – Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer als Verfechterin der Verkehrswende, hat viel in die Waagschale geworfen, um für umfassende Information zu sorgen und den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Vertreter des Jugendbeirats („wir haben den Eindruck alles dreht sich nur ums Auto“), des Seniorenbeirats („Radverkehrskonzept ja, aber wir fordern mehr Rücksichtnahme von allen Verkehrs­teilnehmern“), der beiden Feuerwehren und des BRK (diese Einschätzungen und ein schriftliches Statement der Polizei fielen skeptisch bis ablehnend aus) sowie Astrid Eggensberger, die das ISEK-Konzept verantwortet, Gutachter Seeler vom Planungsbüro und Oliver Unseld von GaPa-Tourismus kamen kurz zu Wort.

 Die Diskussionsbeiträge der Gemeinderäte gingen weit auseinander. Die partei­freie Gemeinderätin Alexandra Roos-Teitscheid etwa wollte das Konzept „nicht an einem einstündigen Stau scheitern lassen.“ Der ebenfalls partei­freie Dr. Christoph Elschen­broich hielt dagegen, dass eingeplanter Stau und Stopp-and-Go-Verkehr die Umwelt stark belastet. Er favorisiert für den Radverkehr (wie andere Gemeinderäte auch) die Verwirklichung der ursprünglich ebenfalls einmal angedachten Ost-West-Achse via Enzianstraße. Elisabeth Koch (CSU) erklärte die geplante „Low-Budget-Lösung Bahnhofstraße“ für gescheitert und meinte: „Das können wir besser, lasst es uns zu einem späteren Zeitpunkt g‘scheit machen.“ Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) und Andreas Grasegger (BP) äußerten generelle Sicherheitsbedenken.

Die Bahnhofstraße sollte als Teil des Radschnellwegs von Garmisch-Partenkirchen über Farchant, Oberau, Ohlstadt bis nach Murnau einen Lückenschluss bilden. Es hätte Zuschüsse vom Bundesumweltministerium gegeben. Nach dem abschlägigen Beschluss rief die Erste Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer enttäuscht ins Publikum: „Ich hoffe auf ein Bürgerbegehren.“ Das für den Umbau vorgesehene Geld wird jetzt übrigens für die Beseitigung von Schäden im gemeindlichen Straßen- und Wegenetz verwendet. Dieser CSU-Antrag wurde ebenfalls knapp mit 16:14 Stimmen entschieden.   tra

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