Aktionstag im Innovationsquartier: "Meine Zukunft bin ich"

Frauen ziehen Lebensqualität aus ihrer Berufstätigkeit

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Hatten beim Aktionstag „Meine Zukunft bin ich“ Tipps für Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen; v. li.: Professor Anne Bergner (Uni Coburg), Jan-Ulrich Bittlinger (Wirtschaftsförderer des Marktes Murnau), Maria Vogl (Agentur für Arbeit), Peter Wiesendanger (Druckerei-Geschäftsführer).

Murnau – „Flexibel sein“, ist eines der Schlagwörter, die sich durch den Aktionstag „Meine Zukunft bin ich!“ gezogen haben. Angesprochen waren Frauen, die entweder zurück in den Beruf wollen, oder die daran denken, auf der Karriereleiter ein Stückchen weiter hochzuklettern.

Das Interesse war groß, in den Gängen des Murnauer Innovationsquartiers im James-Loeb-Haus bildeten sich Menschentrauben um die Info-Tische. Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde Jan-Ulrich Bittlinger strahlt angesichts des Zuspruchs: „Für mich ist es bemerkenswert, dass alle großen Arbeitgeber unserer Region mitgemacht haben. Da wurden vielversprechende Gespräche geführt, Netzwerke geknüpft.“

In seiner Begrüßung betonte Rolf Beuting die hohen Lebenshaltungskosten im „Vorhof zum Paradies“. Für viele Frauen ist es dem Bürgermeister zur Folge notwendig, einen finanziellen Teil zum Familieneinkommen beizusteuern. Ergänzend dazu stellt Beuting fest, dass ihre Berufstätigkeit für einen nicht geringen Teil der Frauen zur Lebensqualität gehört. Rolf Beuting: „Mein Ziel als Bürgermeister und auch das Konzept der Murnauer Wirtschaftsfördrung ist es, den Menschen am Ort einen möglichst breiten Branchenmix für ihre Berufswahl anbieten zu können. Wir wollen uns nicht auf den medizinischen Sektor als alleinige Ausrichtung stützen.“

Ein großes Thema: Wie schaffen es Frauen zurück in den Beruf, wenn die Kinder groß oder bereits aus dem Haus sind, oder nach der Betreuung älterer oder pflegebedürftiger Familienangehörigen? Tipps dazu gab es beim Aktionstag, der unter dem Motto stand: „Meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt der Region Murnau“. Der Tenor an den Beratungsständen ging dahin, sich rechtzeitig Informationen bei Fachstellen zu holen, Chancen auszuloten. Fortbildungen zu absolvieren. Renate Frombeck (Servicestelle Frau & Beruf): „Oft hilft es schon, wenn man sein Bewerbungsschreiben etwas umformuliert. Die Bewerbungsunterlagen persönlich beim Arbeitgeber abgibt und im Lebenslauf ehrenamtliche Tätigkeiten besser herausstellt.“ Frauen sollen stolz auf ihre Leistungen sein.

Bei den einzelnen Unternehmen ging es schließlich ganz konkret um offene Stellen. Aus Sicht der Unternehmer wünschen sich Peter Wiesendanger (Druckerei) und Andreas Weber (Modehaus Echter), dass die Frauen gerade bei den Arbeitszeiten flexibler reagieren. Bewerbungen für Teilzeitstellen am Vormittag würden in den Firmen zur Genüge eingehen, was fehlt sind Bewerbungen für nachmittags oder in den frühen Abendstunden. Und: Gerade im Einzelhandel fehlt oft die Erfahrung von etwas älteren Frauen. Christian Bär (Alpenhof Murnau) bricht eine Lanze für die Hotellerie/Gastronomie: „Wir brauchen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die gerne mit anderen Menschen umgehen.“ Am Ball bleiben und den Chancen der Digitalisierung positiv gegenüberstehen, ist der Rat von Anne Bergner. In diesem Zusammenhang lobt die Professorin an der Universität Coburg das „MakerLab“ im Murnauer James-Loeb-Haus: „Dort gibt es gerade für Frauen unzählige Möglichkeiten, sich mit den modernen Technologien auseinanderzusetzen; oder sich kreativ auszuprobieren.“ Peter Wiesendanger sähe es gerne, wenn Frauen in der Babypause oder Erziehungszeit, immer wieder beim bisherigen Arbeitgeber vorbei schauen würden; Kontakt halten und sich im Betrieb über Neuerungen informieren.

Der Aktionstag soll keine Eintagsfliege gewesen sein; Jan-Ulrich Bittlinger: „Ein wesentliches Merkmal der Wirtschaftsförderung in Murnau ist die berufliche Beratung von Männern und Frauen. Wir unterstützen bei der Existenzgründung, der beruflichen Neuorientierung und dem Wiedereinstieg. Wir werden deshalb verstärkt im Innovationsquartier Beratungstage und Seminare anbieten. Das passiert in enger Zusammenarbeit mit der Servicestelle ‚Frau & Beruf‘.“ Für Dienstag, 28. November, ist der Workshop „Sicher verhandeln für den Wiedereinstieg“ geplant; Am Montag, 11. Dezember, folgt „Social Media im Bewerbungs- und Akquisitionsprozess“. Informationen gibt es bei der Servicestelle Frau & Beruf unter Tel. 08821/798025.

"Industrie-Kindergarten"

Eine wichtige Frage: Wenn Frauen wieder beruflich arbeiten wollen, wohin mit den Kindern? Peter Wiesendanger und Christian Bär denken an ein Projekt, das es in dieser Form in Südbayern wohl noch nicht gibt. Die beiden Unternehmer benennen es mit dem Arbeitstitel „Industrie-Kindergarten“. Das Konzept lehnt sich an sogenannte Betriebskindergärten an, wie es ihn beispielsweise an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik gibt. Mit dem Unterschied, dass „ihr“ Kindergarten nicht von einer Firma allein gestemmt wird, sondern von mehreren Betriebe gemeinsam getragen wird. Christian Bär ist sich sicher, dass er noch mehr große Arbeitgeber für die Idee gewinnen kann: „Mit unseren Überlegungen sind wir schon sehr weit. Geklärt müssen jetzt rechtliche und bürokratische Vorgaben. Da brauchen wir die Unterstützung der Politik vor Ort.“

von Günter Bitala

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