"Ganz wie im Ernstfall"

Amoklauf, Gasexplosion und Kenterung – Szenarien der Großübung im Landkreis

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Ob zu Wasser oder Land alle Beteiligten zeigten bei der Großübung vollen Einsatz, um für den Erstfall gerüstet zu sein.

Landkreis – Schwere Unfälle passieren tagtäglich. Aber auch nicht-alltägliche Notlagen kommen immer wieder vor. Um im Ernstfall auf diese vorbereitet zu sein, stellte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in einer Großübung im Landkreis vor Kurzem einen Amoklauf, eine Gasexplo- sion und eine Kenterung auf einem Fluss nach.

Bis zuletzt hatte man die Themen der verschiedenen Szenarien mit jeweils vielen Verunglückten geheim gehalten. Schließlich sollte sich keiner der 150 an den Übungen beteiligten Helfer der BRK-Bereitschaften des Rettungsdienstes (auch Kollegen aus den Kreisverbänden Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau waren dabei), der Wasserwachten, Feuerwehren und Polizei, auf einen der Notfälle im Vorhinein einstellen können. Es ging schließlich um Realitätsnähe.

Wie reagiert man, wenn ein Einzeltäter mit einer Machete und einem Revolver wahllos Menschen angreift und schwer verletzt? Dieses Problem hatten die Einsatzkräfte des BRK gemeinsam mit der Polizei auf dem Truppenübungsplatz in Spatzenhausen zu bewältigen. Dort fanden sie zahlreiche „Opfer“ vor, einige unechte, rote, ausgestopfte Puppen, lagen verstreut auf dem Boden, andere echte, lebendige Laiendarsteller stöhnten und schrien um Hilfe, sie bluteten dank hervorragender, vielstündiger Arbeit der Maskenbildner aus diversen Hieb-, Stich- und Schussverletzungen und sahen in der Tat grässlich aus. Helfer rannten umeinander. „Hierher, bring das Verbandszeug mit!“, rief einer, der andere beruhigte einen Schwerstverletzten. Die Szene wirkte äußerst real, ja geradezu beklemmend. Gut, dass es nur eine Übung war.

„Wir proben hier das Zusammenspiel von Haupt- und ehrenamtlichen Rettungsdienstlern übergreifend mit anderen Organisationen“, erläuterte Michael Debertin Sinn und Zweck solcher Übungen, die in regelmäßigen Abständen (vor zwei Jahren zuletzt) stattfinden. Erstmalig habe man heuer eine Amok-Lage ausgewählt, bei der auch 20 Polizisten im Einsatz waren. „Das war für uns komplettes Neuland und hat sehr gut funktioniert“, fährt der Übungsleiter und Vorsitzender der Bereitschaften des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis Garmisch-Partenkirchen erleichtert fort.

Bilder von der Großübung im Landkreis

 © Falkenberg
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Auch bei einem Einsatz auf der Loisach in Höhe der Eisenbahnbrücke in Eschenlohe, wo neun Verunglückte aus einem gekenterten Raft gerettet werden mussten, klappte die Zusammenarbeit der verschiedenen Rettungsdienste nahezu reibungslos. Nachdem die „Schnelle Einsatztruppe“ (SEG) die in Not geratenen Personen geortet hatte, wurden sie medizinisch erstversorgt. Praxisnah rief man sodann die Wasserwacht Grainau, gab die wichtigsten Informationen durch: „Wo“ und „Wie viele“?, und sogleich rückte die Wacht mit Schlauchbooten aus und barg die Gekenterten. „Eine große Herausforderung in solchen Situationen ist es, die Suche nach den Opfern nicht verfrüht abzubrechen und genau in Erfahrung zu bringen, ob es tatsächlich nicht noch weitere gibt“, erläutert einer der Helfer.

Im dritten Szenario hieß es dann für 51 Einsatzkräfte, insgesamt 13 Opfer einer Gasflaschen-Explosion eines Gartengrills zu evakuieren. Diesen Notfall probte man auf der Insel Wörth und in der Murnauer Bucht. Nach Absetzen eines Notrufes durch den Einsatzleiter wurden nach und nach zehn Fahrzeuge und sechs Boote angefordert. Eins nach dem anderen setzte man ins Wasser, es musste jetzt schnell gehen, es gab Schwerstverletzte. Die Retter waren unter Druck, man spürte ihre Anspannung, auch wenn es doch „nur“ eine Übung war. Man setzte mit den Booten zur Insel über, doch die Personen waren so lebensbedrohlich verletzt, dass der Notarzt davon abriet, sie sofort in die Boote zu verladen. So verzögerte sich ihre Ankunft in der Murnauer Bucht, „ganz wie im Ernstfall, wo man ja auch nichts vorhersagen kann“, meinte der Pressesprecher des BRK, Jörg Jovy.

Am Ende wurden alle Opfer, die zum Teil Brandverletzungen dritten Grades erlitten hatten, an Land in die so genannte „Patientenablage“ gebracht.

Beeindruckt von diesen Großübungen zeigten sich die Schaulustigen und die Prominenz, die auf das Bundeswehrgelände in Spatzenhausen gekommen waren, unter ihnen Landrat Anton Speer (Freie Wähler), Harald Kühn (CSU), Florian Streibel (Freie Wähler), Martin Bachuber (CSU) und so manch ein Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden.

Gemeinsam überzeugten sie sich von der Effizienz, vom reibungslosen Zusammenspiel und der Leistungsfähigkeit der Katastrophenschutzkräfte und vor allem auch davon, wie echt die Übungen wirkten.

von Barbara Falkenberg

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