Maßnahmen haben gefruchtet

Asiatischer Laubholzbockkäfer bisher erfolgreich bekämpft

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Bekämpfen den Asiatischen Laufholzbockkäfer in Murnau, von links Klaus Köhler, Frank Nüßer und Philipp Neumann.

Das Grauen hat einen Namen: Anoplophora glabripennis! Ach was, soviel lateinische Ehre hat das gruselige Biest überhaupt nicht verdient, nennen wir es also schlicht Asiatischer Laubholzbockkäfer; kürzer, und dem gefährlichen Schädling gerechter: ALB.

Überall, wo der drei Zentimeter lange Krabbler auftaucht, steht Garten- und Baumbesitzern der kalte Schweiß auf der Stirn. Gegen ALB gibt es keine Rettung. Die Gehölze müssen radikal weg. Kettensägen-Massaker! Im Oktober 2016 ist der ALB zum ersten Mal in Murnau entdeckt worden. Er hatte 20 Bäume am alten Volksfestplatz an der Kellerstraße befallen. Das Bayerische Landesamt für Landwirtschaft trat auf den Plan, und erließ im Februar 2017 eine sogenannte Allgemeinverfügung, mit Befallzone (100 Meter im Durchmesser, im Bereich des Volksfestplatzes), Beobachtungszone (500 Meter) und Quarantänezone. (Zwei Kilometer). Dann rückten die Holzfäller an, legten alles an Bäumen, Gestrüpp und Hecken um, die ins Beuteschema des ALB passen könnten; das sind immerhin 29 Pflanzengattungen. Vor allem Laubgehölze, denn Nadelbäume mag der Käfer nicht. Jetzt zog der ALB-Arbeitsgruppenleiter beim Landesamt für Landwirtschaft (LfL), Frank Nü­ ßer, im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum, eine Zwischenbilanz: „Es ist in Murnau kein weiterer Befall des ALB aufgetreten. 2018 wurden weder Käfer gefunden, noch Befallsmerkmale festgestellt. Wenn das so bleibt, können wir die Quarantänezeit zum 31. Dezember 2020 aufheben.“

Eine Reihe von Überwachungsmaßnahmen hatten die Gebietsbetreuer Klaus Köhler und Philipp Neumann eingeleitet: Kä­ fersuche vom Boden aus, dazu Schnittgut-Untersuchungen. Beides erledigten Fachleute und speziell ausgebildete Spürhunde. In die Wipfel stiegen Baumkletterer. Daneben wurden Fangbäume aufgestellt und sogenannte Pheromonfallen, die liebestolle Käfermädchen anlocken sollen. Gefunden wurde nix mehr. Woher und wieso ist der ALB eigentlich nach Europa gekommen? Zu Hause ist er nämlich in China, Korea und Taiwan. Klaus Köhler: „Eigentlich waren die Käfer in ihrer angestammten Heimat in ein funktionierendes Ökosystem eingebunden gewesen. Sie hatten Fressfeinde und richteten keine großen Schäden an. Die Situation änderte sich, als in China große Pappelplantagen angelegt wurden. In diesen Monokulturen fühlte sich der ALB ausgesprochen wohl. Pappelholz wird als Verpackungsmaterial verwendet und kommt per Schiff oder Flugzeug in den Westen. 

Das Problem: Als von Menschen eingeschleppte Tierart hat der ALB hierzulande keine natürlichen Fressfeinde. Lediglich Spechte würden ihnen gefährlich werden. Die Vögel können den tief im Holz der Bäume sitzenden Schädling allerdings nicht erreichen. Ihre Schnäbel sind zu kurz. Die Agrar-Wissenschaft hat außerdem noch keine wirksamen biologischen Bekämpfungsmethoden entwickelt und chemische Keulen helfen hier sowieso nicht. Die Arbeit mit solchen Mitteln wä­ re zu aufwendig, müssten sie doch per Hand in jedes einzelne ALB-Bohrloch eingespritzt werden. Seit 2014/15 gibt es in der Europäischen Union neue, verschärfte Wood-Packing-Richtlinien. Damit wird hölzernes Verpackungsmaterial stärker auf mögliche Schädlinge hin kontrolliert. Seit Inkraftreten dieser Vorschriften ist der Befall von ALB stark gesunken. Frank Nüßer empfiehlt Gartenbesitzern, die gefällte Bäume nachpflanzen wollen, sich noch etwas Zeit zu lassen. Denn sollte ein neuer Käferbefall auftreten, müssten die Neupflanzen wieder gefällt werden: „Das kostet unnötig Geld.“ Also lieber auf das Ende der Quarantäne-Zeit im Dezember 2020 warten. Wer Informationen und Hilfe braucht, stößt beim Landesamt für Landwirtschaft auf helle Ohren. Das geht mit einer Mail: ALB@Lfl.Byern.de oder per Telefon: 08161-15730. Es sind umfangreiche Informationsprospekte erhältlich.    Günter Bitala

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