Vorstellung der Projekte SMiLE und SMiLE2gether des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Caritas - Forschungsprojekte in Garmisch-Pa ...

Assistenzroboter in der Pflege 4.0

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Prof. Alin Albu-Schäffer (zweiter v. li.) erklärt Staatsminister Franz Josef Pschierer (li.), ersten Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (Mitte) und Georg Falterbaum, Vorstand der Caritas für München und Oberbayern, wie der Roboterarm von EDAN über das HUG-System ferngesteuert werden kann. Hier der Versuch, die Bettdecke umzuschlagen.

GAP – Manchmal ist Science- Fiction die Erzählung einer fiktiven technischen Errungenschaft, die man sich zwar vorstellen, aber nicht – noch nicht – umsetzten kann. Die Geschichte hat gezeigt, dass aus der fiktiven Erzählung von zukünftigen Technologien so manches Mal Wirklichkeit wurde.

Das automatische Öffnen von Türen ist selbstverständlich geworden und Computer aller Art – vom Desktopcomputer über Laptops, Tablets und Smartphones u.v.m. – sind heutzutage so gut wie überall zu finden. Die Wirklichkeit holt also gelegentlich die Fiktion ein. Dies gilt auch für die Bereiche der Pflege und der Unterstützung von Menschen, die aus verschiedenen Gründen mit Einschränkungen im Alltag zurechtkommen müssen. Die Vision: In der sogenannten Pflege 4.0 unterstützen Roboter das Pflegepersonal oder helfen Menschen bei alltäglichen Handgriffen, die sie alleine nicht mehr bewältigen können. Wie diese Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter aussehen und funktionieren kann, stellten vor Kurzem die Caritas und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Projekt SMiLE – Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen – einem interessierten Publikum im Kongresszentrum in Garmisch-Partenkirchen vor. Unterstützt wird SMiLE auch von der Marktgemeinde und dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie.

Die Ziele von SMiLE und dem bereits geplanten Folgeprojekt SMiLE2gether sind zum einen, in der Pflege tätige Menschen bei ihrer Arbeit zu entlasten, indem der Roboter beispielsweise Hol- und Bringdienste übernimmt. Zum anderen soll den von Einschränkungen betroffenen Menschen ein höheres Maß an Selbstständigkeit ermöglicht werden. Wie das in Zukunft aussehen könnte, wurde in Garmisch-Partenkirchen anhand der Roboter Rollin‘ Justin und EDAN demonstriert. Ihren Ursprung haben die beiden Pflegeroboter in der für die Raumfahrt entwickelten Technologien des DLR. Diese finden nun in einer neuen Variante ihren Einsatz auf der Erde.

Rollin‘ Justin ist ein humanoider Heimassistenzroboter, der sich auf vier Räder fortbewegen kann. Er hat einen Kopf sowie zwei Arme und ist mit Bewegungsdetektionssensoren und Stereokameras ausgestattet, was ihm ermöglicht, sich zielgerichtet im Raum zu bewegen und relativ feinfühlig mit seiner Umgebung zu interagieren. Justin kann zum Beispiel Gegenstände holen (auch aus Schubladen) oder aufheben. Gesteuert wird er von seinem Nutzer, aber auch Angehörige oder Pflegepersonal können sich beispielsweise über ein Tablet zuschalten und im Bedarfsfall helfend von der Ferne eingreifen. Justin könnte ältere Menschen dabei unterstützen, noch länger im eigenen zu Hause selbstständig zu bleiben.

EDAN besteht aus einem Rollstuhl, an dem ein Leichtbauroboterarm mit einer Fünf-Finger-Hand angebracht ist. Gesteuert werden kann er mittels Joystick oder über Muskelsignale (direkt verarbeitete Messungen von der Hautoberfläche). Ein Mensch, der nicht in der Lage ist selbstständig ein Glas zu heben, eine Tür zu öffnen oder eine Bettdecke hochzuziehen, könnte dies mit Hilfe von EDAN wieder umsetzten. Eine der weiteren Idee: Benötigt ein Mensch daheim aus irgendeinem Grund sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen, kann sich geschultes Personal mithilfe eines weiteren Systems, HUG – einer VR-Brille (Virtual Reality) und zwei Roboterarmen – virtuell mit dem Assistenzroboter daheim verbinden und dessen Arm/Arme steuern. Er leistet dann so lange Erste Hilfe, bis der Notarzt vor Ort eintrifft. Wann genau die Roboter-Assistenten für die Allgemeinheit einsatzbereit sind, ist noch nicht klar. Noch befindet man sich in einer Entwicklungsphase. Aber mit dem Projekt SMiLE2gether soll die Technologie vorangebracht und getestet werden.

EDAN kann Menschen mit Bewegungseinschränkung helfen, zum Beispiel selbstständig ein Getränk zu greifen. Wie das geht, erklärt Prof. Albu-Schäffer (stehend re.) Caritas-Vorstand Falterbaum (li.) und Staatsminister Pschierer (Mitte).


Zur Präsentation im Kongress- zentrum waren Vertreter des DLR, unter anderem Prof. Alin Albu-Schäffer der Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik, Vertreter der Caritas, allen voran Georg Falterbaum Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands für München und Oberbayern sowie Staatsminister Franz Josef Pschierer (Wirtschaftsministerium) und Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer gekommen. Unter dem Verweis auf die sich wandelte Demographie, den Mangel an Pflegekräften und die multiple Einsetzbarkeit der Roboter warben Pschierer, Meierhofer, Falterbaum und Albu-Schäffer in großer Einigkeit für das Projekt SMiLE und seine Fortsetzung. Es gehe immer darum, die Menschen zu unterstützen. Der Roboter solle die menschliche Pflegekraft nicht ersetzten, sondern entlasten. „Der Mensch ist für uns alle die beste Pflegekraft“, so Pschierer. Dem Staatsminister ist es darüber hinaus ein Anliegen, dass Bayern in der Forschung und Entwicklung der neuen Technologien führend mit dabei ist, und setzt dabei – auch durch finanzielle Förderung – auf das Luft- und Raumfahrtzentrum: „Beim DLR schlägt das Herz der Robotik“. Dass die Assistenzroboter gerade in der Marktgemeinde vorgestellt wurden, ist kein Zufall. Denn, der „Forschungszweig ist ein Teil meiner Vision für Garmisch-Partenkirchen“, erklärte die erste Bürgermeisterin. So sollen im Caritas-Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen die Roboter zum Einsatz kommen und im Zuge von SMiLE2gether erprobt werden. Bei SMiLE2gether wird der Caritasverband als Projektpartner an der Seite des DLR auftreten. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen DLR – den Experten für die Roboter – und Caritas bzw. dem pflegenden Fachpersonal – also den Experten im Bereich der Pflege – soll genau das erfasst und dann technisch umgesetzt werden, was ein Pflegeroboter können muss. Die Fortsetzung des Projekts könnte Garmisch-Partenkirchen aber nicht nur die Feldstudien im St. Vinzenz bringen, sondern auch ein neues Bildungszentrum. Geplant ist, dass dort neue Berufe, nämlich der des Pflegetechnikers und des Telepflegeassistenten, erlernt werden können. Damit soll auf die neuen Anforderungen durch den Einsatz von Robotern im Bereich der Pflege eingegangen werden. In der Pflege 4.0 ist damit künftig neben dem Pflege- auch technisches Wissen gefragt. „Auch die Pflege wird smart“, stellte Falterbaum fest. 10 Mio. Euro aus dem Sondervermögen der Leifheit-Stiftung bringt der Markt Garmisch-Partenkirchen ein, um Feldforschungen und Bildungszentrum zu fördern.

Bereits seit 20 Jahren verfolgt das DLR schon die Technologie, die eine Zusammenarbeit von Mensch und Roboter ermöglichen. Bei SMiLE2gether geht es jetzt darum herauszufinden, was in der Pflege gebraucht wird und was technische Spielereien sind. „Die Technik ist da“, so Prof. Albu-Schäffer. Ein Roboter-Avatar ist von überall via Internet steuerbar. Ebenfalls bei dem Projekt SMiLE2gether dabei ist die Katholische Stiftungshochschule München (KSH). Die KSH bringt sich vor allem bei Fragen der Ethik und Pflegewissenschaft ein.

Zwischen Fiktion und realer Zukunft: Bei SMiLE und dem Folgeprojekt SMiLE2gether – Letzteres ist auf vier Jahre ausgelegt – wird ganz auf die digitale Zukunft und die Hilfe der Roboter im Bereich der Pflege gesetzt. Die bereits bestehenden technischen Möglichkeiten sind nicht mehr fiktiv. Wann Rollin‘ Justin und Co. so weit sein werden, dass sie ihre Arbeit aufnehmen und ganz selbstverständlich im Pflegebereich integriert werden, bleibt abzuwarten.

von Melanie Wießmeyer

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